Kategorie: Kurioses

Bier & Kaffee – Ying & Yang

Was haben diese beiden Getränke gemeinsam ? Erst mal nicht viel, außer dass sie beide auf meiner privaten Lieblingsgetränkekarte stehen. Das eine wird in der Regel gut gekühlt und möglichst unverfälscht genossen, das andere als Heißgetränk, gerne auch mal mit geschmacksverfeinernden Additiven. Jetzt lernte neulich, dass Bier und Kaffee angeblich eine unerwartete Gemeinsamkeit besitzen : Die Möglichkeit in einer Filterkaffeemaschine aufgebrüht zu werden. Inspiriert durch einen Beitrag der Sendung Galileo, habe ich mal etwas recherchiert.

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Eine Quelle im Internet, die in dem Zusammenhang gerne genannt wird, ist die Internetpräsenz eines bloggenden Doktoranden der Ozeanographie, Southern Fried Scientist, der einen Beitrag zum Thema “Wie man Bier in einer Kaffeemaschine braut, nur unter Verwendung von Materialien, die man auf einem ozeanographischen Forschungsschiff bescheidener Größe findet” verfasst hat. Offenbar geht auf Hochsee-Expeditionen schnell das Bier aus, sofern man denn überhaupt welches mitgenommen hat.

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Da es sich hier um ein improvisiertes Verfahren handelt, sind die Zutaten auch etwas gewöhnungsbedürftig… Bei der Bereitung der Maische wird als Malzersatz z.B. Frühstückscerealien wie z.B.  “Raisin Bran” vorgeschlagen. Enthält angeblich alles, was ein Bier braucht: Stärke & Enzyme, um Proteine abzubauen und die Stärke in kleinere Zucker aufzubrechen. Die Rosinen, Früchte oder Nüsse, die im Müsli enthalten sind, sind zwar entbehrlich, werden aber als willkommene Geschmacksveredelung begrüßt. Na, Deutsches Reinheitsgebot ist was anderes. Da aber die Hefe doch eine etwas solidere Grundlage zum gedeihen braucht, empfiehlt der Autor z.B. Vegemite oder Marmite, jenen unsäglichen aus Hefeextrakt gewonnenen Pasten, die der Brite sich mal gerne aufs Brot schmiert. Enthält Kohlenhydrate und andere Ingredienzien, die Hefe braucht um groß und stark zu werden. Eine deutsche Variante schwört auf die Verwendung von Honigpops… hefe

Schwieriger wird’s mit Hopfen, da dieser weder auf amerikanischen Forschungsschiffen, noch in deutschen Küchen standardmäßig vorrätig gehalten wird. Aber man kann ja auch mit Orangenschalen oder Salbei substituieren. Auch bei der Hefe darf man nicht wählerisch sein, Bäckerhefe statt guter Bierhefe… Brrr…

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Hat man alles zusammen, wandert das ganze (gut gemörserte) Körnerfutter in die Kaffeekanne und wird mit 2 Tassen Wasser überbrüht und ne Stunde ziehen gelassen. Der aufmerksame Leser merkt, kein ausgefeiltes Temperaturprogramm und keine genau getimete Rasten… Das sich anschliessende Läutern lässt sich dann auch mit Bordmitteln der Kaffeemaschine erledigen. Alles schön in den Filter einbringen, und 5 Tassen Wasser durchlaufen lassen. An dieser Stelle spätestens bin ich bei dem Galileo Beitrag skeptisch geworden. Die Plörre, die da aus dem Filter plätscherte war doch recht anämisch, sprich dünn und arm an Farbe, die Brauerische Entsprechung von Blümchenkaffee. Unsere Erzeugnisse hatten zu diesem Zeitpunkt immer ein kräftiges Braun.

imageHopfen (oder das Gewürz nach Wahl) zugeben, 45 Minuten ziehen lassen, fertig ist die Würze. Der Rest ähnelt mehr oder minder dem Prozedere des gewöhnlichen Hobbybrauens. Vergähren im Einmachglas (ist ja immerhin ne kleine Menge) bei Raumtemperatur für den Alkohol, dann Zucker zugeben und weitergähren im Kühlschrank für die Kohlensäure.

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Fragt sich wie das Gebräu nun schmeckt… Sitzt man auf einem Schiff für längere Zeit auf dem Trockenen ist man vielleicht nicht besonders wählerisch. Das Galileo-Erzeugnis hatte eher die Anmutung von Naturtrübem Apfelsaft, komplett ohne Schaum. Urteil des Reporters: “Es schmeckt auch irgendwie wie Bier aber… exotisch”, extern hinzugezogene Tester einer berliner Bierkneipe meinten “Zu laff”  oder “Wie schlechte Milch”. Ergo, nix was einen zum Nachmachen animiert. Ich bleib dann doch lieber bei meinem Einkochtopf-Braukessel.

 

Siehe auch:

ProSieben Galileo

http://www.southernfriedscience.com/?p=1419

Brauherr.de

Die Macht der Kristalle

Wer den Blog hier schon länger verfolgt, weiß, dass ich Naturwissenschaftler bin und als solcher esoterischen Dingen gegenüber ja schon von Berufs wegen skeptisch eingestellt bin. Doch heute möchte ich mich mal mit einem solchen Thema näher beschäftigen, nämlich der esoterischen Macht von Kristallen & Steinen.

Bergkristall - Hübsch anzusehen & angeblich wirksam gegen schädliche Strahlen, Kopfschmerzen & Krampfadern
Bergkristall – Hübsch anzusehen & angeblich wirksam gegen schädliche Strahlen, Kopfschmerzen & Krampfadern

Daran mag man jetzt glauben oder nicht, eins ist jedoch gewiss: Einen enorm dekorativen Charakter haben sie ja. Es gibt sie in verschiedensten komplexen Formen und allen erdenklichen Farben und glitzern tun sie meistens auch. Ergo: Wenn er schon kein Zauberstein ist, so taugt er doch als Schmuckstein.

Dann ist da noch die Sache mit den Glücksbringern. Da mögen Viele noch so rational und nüchtern eingestellt sein, bei wichtigen Geschäftsterminen kleiden sie sich in ihr Glückshemd, klauben Glückspfennige von der Strasse oder klopfen beim Ausfüllen des Lottoscheins dreimal auf Holz (wenn grad Keiner guckt). Nicht unbedingt weil sie dran glauben, vielleicht weil sie gerne daran glauben würden. Und schaden kann es ja nicht, nur sicherheitshalber. Über all diese Dinge wundert sich Keiner, also wollen wir den „Zaubersteinen“ auch eine Daseinsberechtigung einräumen.

Ungeschliffener Rubin - Mit Chrom dotiertes Aluminiumoxid, auch wirksam in Sachen Liebe, Sexualtät, Erkenntnis etc.
Ungeschliffener Rubin – Mit Chrom dotiertes Aluminiumoxid, auch wirksam in Sachen Liebe, Sexualtät, Erkenntnis etc.

Doch wie komme ich auf das Thema ? Wenn man durch das Zentrum einer Tourismus-Hochburg wie Dresden läuft, muss man nicht weit gehen, bis man einen Verkaufsstand findet, der neben Souvenirs auch Kristalle & Steine als Glücksbringer anbietet. Als ich nun in der Woche vor Weihnachten über den hiesigen Weihnachtsmarkt lief, fand ich dort einen Marktstand mit einer Art Glücksstein-Roulette. Für 2 € Einsatz durfte man mal am Rad drehen, welches dann auslost, welche Art Stein man sich aus dem Angebot aussuchen darf. Nun, lange Rede, kurzer Sinn: Einen Dreh später, war ich glücklicher Besitzer eines Amethyst. Vom Standpunkt des Mineralogen und Chemikers handelt es sich um eine violette Varietät des Minerals Quarz (Siliziumdioxid). Der Unterschied zum farblosen Bergkristall, der auch ein Quarz ist, liegt nun daran, dass der Amethyst zusätzlich Eisen enthält. In der etwas ungewöhnlichen Oxidationsstufe +IV. Eisen(III) ist nun nichts Ungewöhnliches und, wie jeder vom Rost (Eisenoxid, Fe2O3) her weiß, braun gefärbt. Führt man eisenhaltigem Quarz, der zuerst auch braun ist, radioaktive Strahlung zu, wie sie in Gestein auch natürlich vorkommt, so wird aus den Eisenionen ein Elektron herausgeschlagen und unser Quarz wird zum violetten Amethyst !

Mein Amethyst/Citrin
Mein Amethyst/Citrin

Diese violette Färbung ist jedoch nicht so permanent wie man denkt. Vorsicht z.B. ist geboten mit UV Strahlung: Wird der Amethyst solcher ausgesetzt, z.B. in Form von intensivem Sonnenlicht, kann er seine Farbe verlieren. Ebenso ungünstig ist starkes Erhitzen, wodurch sich der lila Amethyst in einen gelb-braunen Citrin verwandelt. Was sich der Edeltsteinhandel zu Nutze macht, da Citrine um einiges seltener sind als Amethyste.

Der Amethyst - bei Saufgelagen ein nützlicher Begleiter
Der Amethyst – bei Saufgelagen ein nützlicher Begleiter

Doch was kann ein solcher Zauberstein nun angeblich alles ? Hier hilft schon eine genaue Analyse des Namens: Amethystos (griech. ἀμέθυστος) bedeutet „dem Rausche entgegenwirkend“. Nun, nichts geht über ein entsprechendes Experiment. Drei große Bier später, merkt der Experimentator, dass der Amethyst, zumindest in der Hosentasche getragen, nicht verhindert hat, dass der Alkohol seine Wirkung tut. Nun ja, vielleicht funktioniert das ja nur mit Rotwein. Oder nur, wenn der Amethyst Kontakt zum Getränk hat. Aus hygienischen Gründen habe ich aber darauf verzichtet den Stein ins Bier zu tauchen. Vermutlich haben die alten Römer daher ihre Trinkgefäße aus Amethyst gefertigt.

Malachit - Basisches Kupfercarbonat, von dem man behauptet es hilft bei Frust, Unausgeglichenheit, Unentschlossenheit & Ablehnung des eigenen Körpers
Malachit – Basisches Kupfercarbonat, von dem man behauptet es hilft bei Frust, Unausgeglichenheit, Unentschlossenheit & Ablehnung des eigenen Körpers

Was nun etwaige heilende Eigenschaften angeht, sei erst einmal folgendes angemerkt: Von Gesetz wegen sollte man Begriffe wie „Heilstein“ vermeiden, da man sonst ratzfatz wegen „unlauterem Wettbewerb“ belangt werden kann. Von etwaigen Regressforderungen wegen Quacksalberei mal abgesehen, da ein entsprechender wissenschaftlicher Nachweis einer Wirkung bislang noch aussteht.

Die Naturheilerin Hildegard von Bingen (1098-1179) gilt hier vermutlich nicht als legitime Quelle, auch wenn sie in ihrem „Buch von den Steinen“ eine Wirkung gegen „Hautunreinheiten und Schwellungen, aber auch gegen Insekten-, Spinnen- und Schlangenbisse sowie gegen Läuse“ beschreibt.

Pyrit - Hilft bei Identitätskrisen, regt die Selbsterkenntnis an und eignet sich zur Herstellung von Stinkbomben
Pyrit – Hilft bei Identitätskrisen, regt die Selbsterkenntnis an und eignet sich zur Herstellung von Stinkbomben

Etwas modernere Edelstein-Heiler sprechen davon, dass der Amethyst das sog. Stirnchakra (Chakra – Energiezentrum zwischen physischem und feinstofflichem Körper / Astralleib) beeinflußt und damit „reinigende, inspirierende und Erkenntnis bringende Eigenschaften“ hat. Wir sehen also: Für mich als Blogger zumindest der Theorie nach der richtige Stein. 

Schließlich findet man noch Hinweise auf die energetische Reinigung und Aufladung anderer Heilsteine. Was dies in letzter Konsequenz bedeutet weiß ich auch nicht, aber nun gut.

Witziger weise kommen sich damit Esoterik und Wissenschaft aber wieder ungeahnt nahe. So beschäftigen sich Ingenieure heutzutage mit spannenden Themen wie „Energy Harvesting“ (Energie-Ernte), also Gewinnung von geringen Mengen an elektrischer Energie aus Bewegung, Umgebungstemperatur etc.

Möglich ist dies z.B. mit piezoelektrischen Kristallen, die mechanischen Druck in elektrische Energie umwandeln. Jeder hat so etwas schon mal in der Hand gehabt, nämlich ein Form eines Feuerzeugs mit Druckzünder.

Sogenannte Pyroelektrische Kristalle erzeugen elektrische Spannung, wenn sie eine Temperaturänderung erfahren. Dies ist zum Beispiel in Temperatursensoren nützlich.

Wir sehen, es gibt eine gewisse Ähnlichkeit, wenn auch die Esoteriker vermutlich keine elektrische Energie mit ihren Kristallen ernten.

Fassen wir zusammen: Kristalle gehören sicher zu den dekorativeren Glücksbringern und sollte jemand aus ihnen Motivation und frische Energie schöpfen (und sein es auch nur durch den Placebo Effekt), so sei ihm dies gegönnt. Mit ernsthaften Erkrankungen sollte man sich jedoch lieber doch zu einem Arzt begeben.

Ein größerer Amethyst aus der Edelsteinsamllung von E. N.
Ein größerer Amethyst aus der Edelsteinsammlung von E. N.

Maß für Maß

Es ist hinlänglich bekannt, dass der Naturwissenschaftler gerne misst und quantifiziert. Doch auch im Alltag sind wir von Maßeinheiten umgeben. Beim Kochen und Backen, wenn es darum geht Zutaten abzuwiegen (Masse, kg), im Möbelhaus, wenn wir Länge x Breite x Höhe (Meter) messen, um zu schauen, ob das neue Regal ins Wohnzimmer passt… Für jede Größe, mit der sich unsere Welt beschreiben lässt, gibt es die passende Maßeinheit:

Größe Maßeinheit Bsp.
Länge Meter Regale, Autobahnstrecke
Masse Kilogramm Kochen, Einkaufen
Zeit Sekunde Eier kochen
Volumen Liter Tanken
Spannung Volt Batterien
Leistung Watt Glühbirne

Es wird speziell: Wie man einen Geruch misst…

Mit den Maßeinheiten, die man in jedem Physikbuch nachschlagen kann, sollte man ja alle Eventualitäten abgedeckt haben. Hin und wieder jedoch kommt es vor, dass man auf eine Größe stößt, die das SI-System und die daraus abgeleiteten Einheiten nicht abdecken. Wie würden sie zum Beispiel die Intensität eines Geruchs messen ? Diesem Problem hat sich der dänische Professor Ole Fanger 1988 angenommen und die Maßeinheit Olf (von lat. olfactus ‚Geruchssinn‘) erfunden. Jede Einheit will jedoch definiert sein: Nehmen wir zum Beispiel das Celsius (Temperatur) so entspricht 1 °C 1/100 des Temperaturbereichs zwischen Gefrieren (0 °C) und Sieden (100 °C) von Wasser.

1 Olf ist demnach definiert als die Geruchsbelastung, die von
einem Normmenschen (erwachsene Person mit einem Hygienestandard von 0,7 Bädern pro Tag, 1,8 m² Hautoberfläche und bei sitzender Tätigkeit) ausgeht. Dies eskaliert dann vom 12-jährigen Kind das es schon auf 2 Olf bringt, über den starken Raucher mit 25 Olf bis hin zum offenbar gut durchgeschwitzten Athlet nach dem Sport mit 30 Olf.

Man lebt gefährlich…

Achtung Gefahr !
Ähnlich diffus ist das Messen von Wahrscheinlichkeiten. Zum Beispiel die Wahrscheinlichkeit durch eine Handlung oder ein Ereignis das Zeitliche zu segnen (ins Gras zu Beißen, abzunippeln, zu sterben). Beträgt die Wahrscheinlichkeit 1:1.000.000 spricht man von einem Micromort. Durch Betätigung diverser Statistiken lässt sich dann ermitteln, wodurch wir 1 Micromort erhalten:

  • 1,4 Zigaretten rauchen
  • 0,5 L Wein trinken (Leberzirrhose)
  • 40 Esslöffel Erdnussbutter essen (Tod durch Aflatoxin B)
  • 6 Minuten Kanu fahren (Unfall)
  • 370 km Auto fahren
  • 1609 km mit dem Flugzeug reisen (Absturz)
  • 9656 km mit dem Flugzeug reisen (Tod d. kosmische Strahlung)
  • 1 Tablette Ecstacy
  • 0,14 Fallschirmsprünge (1 Sprung = 7 µMort)

Den Mount Everest zu besteigen resultiert übrigens in 35.000 Micromort. Einen umfangreicheren Katalog kann man übrigens Wikipedia entnehmen.

Von malerischen Schafen und 1000 Schiffen…

Während diese Maßeinheiten tatsächlich in der Realität Anwendung finden, gibt es auch allerhand was mit einem Augenzwinkern zu verstehen ist…

Für das Abmessen von ultra-kurzen Längen lässt sich z.B. die sogenannte Bart-Sekunde verwenden, eben die Länge, die ein Barthaar angeblich in 1 Sekunde wächst. Geht man (laut Wikipedia) von einem Bartwachstum von 2,8 mm je Woche aus, entspricht dies etwa 5 nm.

Ebenfalls eine recht interessante Längeneinheit ist das Sheppey, welches mit 1.4 km (7/8 Meile) etwa der Distanz entspricht, in der ein Schaf noch malerisch wirkt.

Hat ihr Auto zu wenig Bumms unter der Haube aka zu wenig Pferdestärken ? Probieren sie’s mal mit der Eselstärke (1/3 PS, 250 W), dann sieht der Zahlenwert schon ganz ansehnlich aus.

Pseudowissenschaftliches Geschwurbel lässt sich übrigens auch messen. Hierzu dient der sog. Crackpot-Index oder aber das Canard (Wortspiel auf das englische Wort quackery für Quacksalberei/Schwindel).

Ließ 1000 Schiffe in See stechen – Die schöne Helena

Schon mein Physiklehrer fabulierte mal von einer Maßeinheit für Schönheit gemessen in S (100 S entsprechen dabei dem Aussehen unseres Altkanzlers Helmut Kohl im Jahre 1996). Doch kam er mit seiner Erfindung zu spät: Der britische Dramatiker Christopher Marlowe definierte bereits 1592 mit den Worten Was this the face that launched a thousand ships / And burnt the topless towers of Ilium? ein Maß für Schönheit in dem er das liebliche Antlitz der schönen Helena beschrieb. 1 Helen entspricht eben dem Quantum Schönheit, dass 1000 Schiffe in See stechen lässt. Zusätzlich lässt sich auf damit auch Hässlichkeit damit messen: -1 Helen treiben dabei 1000 Schiffe auf eine Sandbank.

Schaufensterbummel im Netz

imageWie schon erwähnt ist Amazon längst kein Spezialversand mehr, der ausschließlich Bücher offeriert. Neben Medien aller Sorten und einer Unzahl an mehr oder minder nützlichen Dingen, stolpert der aufmerksame Online-Schaufensterbummler auch über Waren, die einen nur stumm Staunen lassen.

Fangen wir mal mit der Rubrik Medien an. Die gute alte Kaminfeuer-Endlos-DVD kennt ja mittlerweile jeder. Gibt’s in jedem Elektronikmarkt, also nix Wildes. Wenn sie jedoch die anspruchslose Dauerberieselung in ihrem Wohnzimmer aufs nächste Level heben wollen empfehle ich diese cineastische Perle: Waschmaschinen-Impressionen.

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Achtung! Dies ist keine Reinigungs-DVD für Ihren DVD-Player, auch wird Ihr
Bildschirm durch das Abspielen dieser DVD nicht wirklich sauberer!
Entspannen Sie sich einfach nur beim Betrachten dieser DVD mit den
verschiedenen Waschmaschinen.— Produktbeschreibung Waschmachinen-Impressionen auf Amazon.de

Nun, manche Leute scheinen eine etwas eigenwillige Definition von Entspannung zu haben. Entspannung stellt sich in meinem Fall erst ein, wenn die Wäsche frisch gewaschen wieder im Kleiderschrank ruht. Obwohl die Rezensionen durch die Bank gut sind, immerhin 4,5 Sterne, bemängelt ein User:

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Kondenswasser am Flachbildfernseher ? Irgendwie unschön. Aber immerhin erfrischender als das Kaminfeuer. Insgesamt also eine saubere Sache und demnach ohne Altersbeschränkung freigegeben. Wer es hingegen eher so richtig schmutzig mag, sollte zu diesem Artikel greifen:

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Elephant poo in a box.  Ein Elefanten-“Häufchen” in einer biologisch abbaubaren Schachtel, komplett mit den Samen einer Angel Rose. Und damit man den Duft der Rose auch voll auskosten kann, ist der Dung auch “odorless” also geruchslos. Gibts ebenfalls in den Modellen Rentier + Weihnachtsbaum und Rhinozeros + Bananenstaude. Einziger Wermutstropfen : Nicht geeignet für Kinder unter 3 Jahren. Was meinen die Kunden dazu ?

Wir haben alle drei Pakete ausprobiert und Nashorn schmeckt definitiv am
besten! Lasst die Finger weg vom Elefanten, hat irgendwie nen faden
Nachgeschmack. Außerdem war der Elephant von der Handhabung eher
unbrauchbar, da zu dünn! Rentier passt am besten zu einem Glas Weißwein und mit einem schönen Stück Käse. Würde ich auf jeden Fall wieder kaufen.–Danieldee auf Amazon.de

Ob der Hersteller allerdings diesen Artikel zur oralen Anwendung vorgesehen hat, ist eher fraglich. Wenn sie allerdings auf krassen Scheiß zum Essen stehen, sollten sie sich vielleicht mal die Milch-Kackao-Kakao-Creme “Stuhlgang” angucken. Wie ging noch der alte Witz ? “Wie stellt man aus Bärenscheiße Nussnougat-Creme her ? Keine Ahnung, aber braun und streichfähig ist sie schon mal…”

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Mit diesen Impressionen aus der bunten Welt des Online-Shoppings geben wir zurück ins Funkhaus.

Zauberwasser

Wenn man einen chemischen Laien befragt, dann kennt er auf alle Fälle eine chemische Formel. Nämlich die von Wasser, H2O. Ist auch ein wichtiges Molekül, denn ohne es läuft in der Natur nichts, auch beim Menschen nicht, der immerhin zu über 70 % aus Wasser besteht. Auch zum Geld verdienen taugt das Wasser. Nun gut, Mineralwasser aus dem Lebensmitteldiscount gibt es schon für 13 ct je Liter, also nichts mit dem man schnell reich wird. Spannend wird es erst wenn man dieses simple Produkt mit Hilfe moderner Wissenschaft etwas aufmöbelt.

wass

Nehmen wir z.B. das ominöse Penta Water. Dabei handelt es sich um eine Art hightech Trinkwasser, das 2003 ein Verkaufsschlager in US-amerikanischen Reformhäusern (ja, sowas gibt’s offenbar wirklich) war. Was ist also das Besondere an diesem Wasser ?

Penta Water is ultra purified, energized water that not only fully hydrates, but may also help increase antioxidant activity in your body

www.pentawater.com – What is Penta ?

Also erst mal supersauberes Wasser. So sauber, dass nicht mal die üblichen Mineralien aus Mineralwasser wie z.B. Magnesium, Calcium, Chlorid oder Sulfat dort enthalten sind. Ok, soweit noch nix besonderes. Schließlich kann man Reinstwasser auch aus dem gut sortierten Chemikalienfachhandel beziehen. Allerdings… Was soll daran jetzt gesund sein ? Sind die Mineralien im Wasser nicht eigentlich das Gesunde ?

Die ausschließliche Verwendung von destilliertem Wasser kann bei einer einseitigen Ernährung zu einer Verarmung des Körpers mit Elektrolyten führen

http://de.wikipedia.org/wiki/Destilliertes_Wasser

“Besonders” wird dieses Wasser erst durch einen zweite Eigenschaft: Es ist energetisiert ! Ah ja… Der Hersteller nimmt also dieses supersaubere Wasser und ultraschalliert es 11 Stunden lang mit der Konsequenz, dass große Aggregate (Ansammlungen, Cluster) von Wasser in kleine Fünfereinheiten zerkleinert werden.

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Dadurch bekommt dieses Zauberwasser laut Aussage seines Herstellers eine Reihe fabelhafter Eigenschaften, allem voran seine antioxidativen Eigenschaften und seine Fähigkeit den Organismus besser zu hydratisieren. Gerade letzteres ist ja offenbar ideal für Sportler.

Through word-of mouth, Penta Water also developed a reputation in amateur and professional athletic circles for being water that provided faster, more complete hydration, and improved endurance during competition.[…]

Penta Water helps its drinkers be and stay active, alert and healthy.

www.pentawater.com

Es erhält den Konsumenten aktiv und gesund ? Das tut mein Mineralwasser auch, denn wer nicht trinkt, der macht eher früher als später schlapp. Insgesamt eine eher windige, etwas esoterisch anmutende Angelegenheit. Fehlt eigentlich nur die Aussage: Unser Wasser ist nasser als alle anderen.

imageWer es probieren möchte muss dafür nicht in die USA reisen… Denn auch in good old Europe gibt es sowas, wenn auch nicht so “wissenschaftlich” untermauert. Bei uns heisst es belebtes levitiertes, vitalisiertes oder informiertes Wasser. Auch hier wird durch einen geheimnisvollen Prozess das Wasser in “einen Zustand höherer Ordnung” versetzt. Das ganze mit Hilfe von sog. Naturenergie. Hier horcht der Naturwissenschaftler auf, denn schließlich gibts keine unnatürliche Energie. Das beste dabei ist, es funktioniert ohne Strom und chemische Zusätze zuhause mit einem kleinen Gerät, das man in seine Wasserleitung einbauen kann. Oder auch tragbar in Form eines Belebungsstab, falls man unterwegs sein Teewasser energetisieren will. Und auch dieses Wasser kann eine Menge, z.B. im Lebensmittelsektor beim Backen von Brot oder aber dem Bierbrauen:

Teig wird geschmeidiger und luftiger, Reduktion von Backmittel, längere Frische und Haltbarkeit[…]

feinblasigere Kohlensäure, intensiverer Geschmack der Zutaten […]

Quelle

Besonders die feinblasige Kohlensäure klingt lecker erfrischend…

Das Beste zum Schluss: Dieses Wasser ist tatsächlich nasser. Denn es soll angeblich eine geringere Oberflächenspannung haben, ergo Gegenstände besser benetzen können. Resultat bessere Waschergebnisse dank “verstärkte[r] Selbstreinigungskraft und erhöhte[r] Lösungskraft”. Warum gibts sowas nicht für’s Labor ? Da lässt sich doch sicher 1a Chemie drin machen. Andereseits… Wir Naturwissenschaftler glauben ja nicht an Wunder, die man nicht nachweisen kann:

Dem Wissenschaftler genügt die nackte Wahrheit nicht, er will auch ihr Röntgenbild sehen.

— H.-J. Quadbeck-Seeger, dt. Chemiker

 

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Bildquelle: Wikipedia, Stichwort Belebtes Wasser

Die wunderbare Welt des Specks

image1Bacon & Eggs… Ein klassischer Bestandteil des American Breakfast den man mittlerweile auch in Europa auf gutsortierten Frühstücksbuffets findet. Doch bleibt der Bacon, der hierzulande auch gern unter dem Namen Frühstücksspeck firmiert, in Amerika nicht aufs Frühstück beschränkt, sondern erlebt zur Zeit wahre Höhenflüge. Während der deutsche Wikipedia Artikel relativ nüchtern und bescheiden daher kommt, verrät uns der englische Bacon-Artikel was der Speck noch so alles kann und teilweise schon als das US-amerikanische Fleisch schlechthin gehandelt wird, ein Phänomen das sich in der sogenannten “Bacon mania” zuspitzt.

Diese drückt sich erstmal in einer wahren Mannigfaltigkeit von mehr oder minder kuriosen baconhaltigen Speisen aus: Für den Anfänger geht es mit Konstruktionen wie “Bacon mit Schokoladen-Überzug” oder Chicken fried Bacon (eine Art Speck im Teigmantel) los. Wem das noch nicht gehaltvoll genug ist, darf sich dann an der sogenannten “Bacon explosion” versuchen, welche durch das zusammenwirken von 910 g Speck, 910 g Italian Sausage, einer Dose Barbecue Sauce und einer Dose Barbecue Gewürz entsteht. Fertig gebacken hat so ein Monstrum 5000 kcal und enthält ca. 500 g Fett. Na, wenn da die Arterien keine Orgien feiern… Apropos Arterien, taucht man hartgekochte Eier in Mayonnaise und überzieht das ganze noch mit knusprigen Speck erhält man dann den patentierten “Heart Attack Snack”.

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Pictures by: Kelapstick / Lizenz

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, findet in der Fachliteratur wie “101 Things to Do with Bacon” und “I love Bacon !” noch weitere Anregungen. Auch an den Bacon-affinen Casanova wurde gedacht: “Seduced by Bacon” (Vom Speck verführt).

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Wer dann immer noch nicht genug hat, findet bei Amazon nicht nur Kochbücher sondern auch alles Andere an Paraphrenalien was ein Hardcore Speck-Fan braucht: Zu ungeduldig den Speck auf traditionelle Art in der Pfanne zu Brutzeln ? Dann brauchen Sie einen Mikrowellen Speckbräter komplett mit Fettabtropfschale wie das Bacon Genie. Beim Speck schneiden in den Figer geschnitten ? Einfach ein Bacon Pflaster aufkleben ! Oder haben sie den Wunsch wie eine wandelnde Imbissbude zu riechen, ohne dafür den ganzen Tag in einer Frittenschmiede am Grill zu stehen ? Dann ist die Bacon Seife, das Bacon Eau de Cologne und die Bacon Zahnpasta etwas für sie.

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via Uncrate.com

Früh übt sich, was ein Speck Connaisseur werden will… Um den Nachwuchs schon spielerisch an den Speck heran zu führen gibt es das Mr. Bacon vs. Monsieur Tofu Actionfiguren Set oder für die Kleinsten einen sprechenden Plüsch-Speck (My first Bacon). Und wenn alle Stricke reißen & das Ende-der-Welt-wie-wir-sie-kennen eintritt gibts ja immer noch den 10 Jahre haltbaren NATO-Speck.

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Pictures via www.thinkgeek.com / amazon.com

Wir sehen also: Kaum ein Bereich des täglichen Lebens, welchen der Schinken nicht erobert hat. Ich für meinen Teil mach mir jetzt erst mal einen schönen Salat.

Akademesisch–Die Sprache der Wissenschaft

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Es folgt ein Beitrag aus den Archiven:

Akademesisch, Fachsprech, Technobabble, Klugschnack und Fachchinesisch… Wenn der Wissenschaftler redet, dann kann das in den Ohren des fachfremden Zuhörers schnell wie gelehrtes Geschwurbel klingen. Und das, obwohl es zu den Kardinaltugenden des Gelehrten gehört sich kurz und präzise zu fassen.

Dennoch, ist der Wissenschaftler auch nur ein Mensch und macht bei Zeiten (so z.B. in Publikationen) mitunter tüchtig Gebrauch vom verbalen Nebelwerfer und Euphemismen. So gesehen muss auch das Fachpublikum beim Auswerten der Literatur manchmal zwischen den Zeilen lesen. Diesen Gedanken hat Jorge Cham, Verfasser des in Doktorandenkreisen hochgeschätzten Comics PhDComics, bereits vor einiger Zeit aufgegriffen und eine Übersetzungshilfe für gängige Phrasen zusammengestellt. Ich habe mir mal erlaubt auch eine entsprechende Zusammenstellung anzufertigen:

http://alsoehmjoar.files.wordpress.com/2011/02/24schlaubi.jpg

Results were found by careful experimentation” Die wissenschaftliche Methode die sich in diese Worte kleidet nennt sich Trial-and-error-Methode. Oder auch manchmal Discovery-by-serendipity. Heißt im Klartext wir haben einfach mal an den Knöpfen herumgespielt und plötzlich lief es.

“The data agreed quite well with the predicted model” oder in einer deutschen Variante “Die Ergebnisse stehen in guter Übereinstimmung mit den theoretischen Vorhersagen” ist dabei ein alter Klassiker, den jeder Chemiestudent in der physikalischen Chemie schon einmal angewendet hat als es darum ging, solange auf den Berechnungen herumzuhämmern, bis Theorie und Praxis so ungefähr zusammen passen (eben dann wenn man einen Kopfstand macht, die Luft anhält und gleichzeitig dabei schielt).

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“Es ist allgemein/hinlänglich bekannt…” Auch ein Klassiker, der dann zur Anwendung kommt, wenn man etwas behauptet aber gerade zu faul ist die Behauptung mit Literaturquellen zu untermauern. Der Inhalt der Behauptung wird damit als Basiswissen deklariert und jeder der sie in Frage stellt outet sich damit als schlecht informiert. Jedoch aufgemerkt ! Schlampigkeit beim Zitieren gilt in Wissenschaftlerkreisen nicht nur als unfein, sondern hat den einen oder anderen Politiker schon die Doktorarbeit gekostet !

image“The experiment was conducted in a usual manner…” Eigentlich eine Sauerei, bedeutet es doch soviel wie “Den geheimen Trick verrate ich nicht… Viel Spaß beim Nachmachen ihr Luschen”.

 „It is hoped that this study will stimulate further investigation“ Bedeutet soviel wie “Es ist wünschenswert, dass sich jemand mit dem Thema weiter befasst, denn ich selbst habe jetzt von dem Mist genug”

Diese Aussage steht im Übrigen im diametralen Widerspruch zu der Aussage die der große Moses Gomberg, Pionier auf dem Gebiet der Radikalchemie, dereinst anno 1900 etwas schnodderig von sich gab:

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J. Am. Chem. Soc., 1900, 22, 757–771.

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Ber. Dtsch. Chem. Ges. 1900, 33, 1099.

Zugegeben, die deutsche Übersetzung klingt schon um einiges freundlicher… Aber in der englischen Version pflanzt der gute Gomberg einem Goldgräber, der seinen Claim absteckt, gleich, sein Fähnchen auf das Gebiet der Radikalchemie.

Und dann ist da natürlich noch der allgemeine Methodenteil in jeder wissenschaftlicher Arbeit. Sozusagen eine Serviceleistung um der scientific community das nötige Werkzeug aufzuzeigen um die berichteten Ergebnisse zu reproduzieren. Was man doch dort nie liest sind Sachen wie:

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Merke: Unterschätze niemals das nötige Quäntchen Labor-Voodoo… Ein Thema das ich vielleicht auch nochmal gesondert aufgreifen werde…

imageUnd damit ist das Thema noch nicht erschöpft. Da wäre dann noch das sehr reichhaltige Feld der Pseudowissenschaften, die sich gerne in ungeahnte literarische Höhen aufschwingen, wenn sie “Science Fiction” als wissenschaftlich hochkarätigen Hightech verkaufen wollen. Hier helfen oft sogenannte Buzzwords, die, geschickt ausgewählt, sich unglaublich gescheit anhören können. So z.B. folgender Satz der mir heute bei Facebook herein flatterte:

Sine-wave filtered auditory stimulation is carefully designed to encourage maximal orbitofrontal dendritic development…

Orbitofrontal ? Bei dem Wort muss das schon was ganz tolles sein. Orbitofrontal… Das klingt so gut, dass sollte man eigentlich in jedem 2. Satz verwenden. Aber immer dran denken… Nicht zu konkret werden, wenn man sich in den Pseudowissenschaften auf die wissenschaftliche Authorität Anderer beruft… Hinterher wird man auf unbedacht zitierte gedruckte harte Fakten festgenagelt. Daher immer schön vage bleiben:

Neuste wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass…

Null Problem, oder: Auf die richtigen Worte kommt’s an

Wie so oft im Leben heißt es bei Öffentlichkeitsarbeit & PR ganz besonders: „Sag’s mit den richtigen Worten !“ Auf diesem Gebiet hat die Berufsgenossenschaft Rohstoffe & Chemische Industrie (BG RCI) wohl mit ihrem alljährlichen Werbekalender den Vogel abgeschossen. Ganz BG typisch, wirbt dieser Kalender für sicheres Arbeiten & Unfallverhütung. An sich ein lobenswertes Unterfangen. „Vision Zero. Null Unfälle – Gesund arbeiten !“ heißt der Wahlspruch. So weit, so gut, liebe BG RCI. Da bin ich voll auf Eurer Seite. Im Monat Mai ist dies sogar ganz annehmbar umgesetzt: Ein junger, dynamischer Chemiker späht, ganz Sicherheitskonform, durch seine Schutzbrille auf sein Experiment. Überschrift: „Ich steh auf Null… / …weil ich meine Augen noch brauche !“.

Bock auf Null

Doch im August… Hier wird zwar auch für Sicherheit geworben, zur Mitarbeitermotivation trägt das Kalenderblatt aber nicht bei. Ein in einen weißen Schutzanzug gewandeter Arbeiter starrt mißmutig über seine Staubmaske hinweg. Titel des Bildes: „Ich hab’ Bock auf Null.“ Ok, lassen wir das mal als saloppes Wortspiel durchgehen…

Wir schaffen null !

Im September wird sodann nachgelegt mit „Wir schaffen Null !“, was schließlich im Oktober mit „Null geschafft und stolz drauf!“ gipfelt. Kennt man nicht den Hintergrund, fragt sich der unbeteiligte Zuschauer, ob hier für Unfallprävention oder die Olympiade der Drückeberger geworben wird. Provoziert in jedem Fall gerne mal einen flapsigen Kommentar bei vorbeikommenden Kollegen.

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Vielleicht auch nicht gerade der passende Wandschmuck, wenn Geschäftspartner durchs Labor geführt werden. Aus diesem Grunde wurde bereits einmal ein Kalender von unserem Großchef aus dem Labor verbannt und eigenhändig gegen einen unverfänglichen ausgetauscht. Aus diesem Grunde haben wir den BG Kalender erst mal in die Umkleide verbannt. 🙂

(Quelle Bilder: Kalender 2016 by BG RCI)

Die wilden Tiere sind los

Wenn man plötzlich anfängt unsichtbare Monster zu sehen, dann ist dies meist das erste Anzeichen dafür den Psychoklempner aufzusuchen… Oder aber dafür, dass man die Welt durch sein Handy und die neue Pokemon App betrachtet. Seit letzter Woche ist das Augmented Reality Spiel Pokemon Go fast allgegenwärtig. Der Hype ist mittlerweile (und das z.T. auch den Sozialen Netzwerken sei dank) schon ausgeprägter als die damals ungemein populäre Moorhuhnjagd.

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An der Bushaltestelle wird die Wartezeit nicht nur mehr mit Facebook oder WhatsApp überbrückt, man scannt nun auch die nähere Umgebung mit GPS nach freilaufenden wilden Relaxos ab. Kommt dann die Tram oder der Bus, stellt man fest, dass auch der ÖPNV (zumindest in der Bundeshauptstadt) heiter mitmischt.

 

Das ist natürlich schon ein dickes Ding, wenn die Schwarzfahrer heutzutage für das nackte Auge nicht mehr sichtbar sind. Aber das Pikachu offenbar ein schlimmer Finger ist, ist offenbar auch schon den österreichischen Behörden bekannt, die bereits fieberhaft nach dem gelbschwarzen Taschenmonster (und seinen 150 Komplizen) fahnden.

 

Eine harmlose Poke-Spezies ist hingegen aus Schweden zu uns eingewandert. So zumindest kommuniziert es die Marketing-Abteilung des schwedischen Möbelgiganten Ikea, dass auch ohne augmetierte Realität sichtbar ist. Eigentlich gar nicht so abwegig, bedenkt man, dass man, zumindest den Namen nach, Pokemon und Ikea-Möbel nur schwer unterscheiden kann.

Ziemlich süß (Achtung Wortspiel !) ist auch, was Bahlsen in Hommage an die beliebten Gestalten Bisasam und Pikachu da kreiert hat…

 

Oder…

 

Aber so lustig sowas auch sein mag, letztendlich sollte man es auch nicht übertreiben und wachen Auges durch die Welt gehen, sonst entgehen einem wichtige Dinge. Wie zum Beispiel einem Kiffer aus München geschehen:

Pokémon-Spieler mit Joint festgenommen - Altstadt
Am Samstag, 17.07.2016, um 06.20 Uhr, befanden sich zwei Polizeibeamte der Hauswache des Polizeipräsidiums München auf Streifengang.

Am Richard-Strauß-Brunnen in der Fußgängerzone stellten die Beamten Marihaunageruch fest und sahen einen 30-jährigen Münchner, der offensichtlich mit einem Spiel auf seinem Handy beschäftigt war. Der Mann hielt außerdem einen Joint in der Hand. Er war so in sein Handy vertieft, dass er die auf Streife befindlichen Beamten nicht bemerkte. Die Beamten sprachen den Mann daraufhin an, welcher erschrak und den Beamten sofort entgegnete: „Oh Shit, darf ich das noch schnell fertig machen!“

Der Mann spielte nach eigenen Angaben Pokémon-Go und war aktuell damit beschäftigt, die „hiesige Arena“ einzunehmen. Der Spieler verhielt sich absolut kooperativ und wurde von den Beamten in das Polizeipräsidium München begleitet.

Nach der Anzeigenerstattung wurde der 30-Jährige wieder entlassen.
  — Quelle Pressemitteilung des Polizeipräsidiums München

Ebenso sollte man auch achtgeben, wohin es einen auf der Jagd verschlägt… S-Bahn Tunnel sind gefährliches Terrain, auch wenn sie gerade wegen Bauarbeiten geschlossen sind…

Bei anderen Dingen ist es weniger der Ort, als viel mehr die Aktivität, die nicht ganz zum Spiel passt… Aber vielleicht bin ich ja auch nur zu altmodisch ? nido

Tolle Kisten & Ihre tollkühnen Piloten


Ein Jahr ist es her, dass ich mich an den Elbhang begab, um den tollkühnen Fahrern des 15. Saloppe Seifenkisten Rennen dabei zuzusehen, wie sie mit Ihren Kisten, nur von der Hangantriebskraft getrieben, den Abhang herab rollern.

Auch dieses Jahr findet wieder dieses beliebte Spektakel statt. Besonderheit gegenüber einem herkömmlichen Rennwettbewerb: Egal ob das Vehikel die Aerodynamik einer Schrankwand besitzt: Hauptsache spektakulärer Auftritt. Auszug aus dem Reglement:

- Jedes Team benötigt eigene Boxenluder in beliebiger Anzahl und Größe !!

- Teamhymne für den Showlauf auf CD ist Voraussetzung !!

Und da Vielfalt ja bekanntlich begeistert und damit keine Langeweile aufkommt, dürfen keine Fahrzeugaufbauten 1 : 1 aus dem Vorjahr übernommen werden ! Doch halt… Schon der 2. Rennteilnehmer kommt mir recht bekannt vor:

Team Ikarus 2015

 

Team Ikarus 2016

Team Ikarus scheint relativ unverändert zum Wettkampf angetreten zu sein. Aber dann verfügt diese Seifenkiste auch über keine nennenswerten Aufbauten. Das pure Sportgerät ! Also lassen wir das mal gelten.

Ein deutlicher Unterschied zum letzten Jahr ist allerdings das Wetter ! Während wir letztes Jahr in der Sonne fast weg geschmolzen sind, war es dieses Jahr eher… nennen wir es mal „feucht“. Ob dies Auswirkungen auf den Rennverlauf hatte ? Vermutlich keinen all zu großen, da die Bremsprobleme dieses Jahr die gleichen waren wie zuvor.

Weitere Neuerung: Das Zielwerfen am Bozenstopp fiel dieses Jahr etwas martialischer aus. Anstelle mit Büchsen zu werfen, wird dieses Jahr auf Büchsen geschossen… Den Schaumstoff—Pfeil-Gewehren der Firma Nerf sei Dank !


Ein Hightech-Spielzeuggewehr der Traum eines jeden kleinen Jungen. Vielleicht ist dies ja der Grund, warum diese Zeitgenossen sich und Ihr Raketenmobil bis unter die Zähne mit diesen Geräten bewaffnet haben.

Kommen wir zu meinem diesjährigen Favoriten, dem Team Minion. Obwohl der Rennwagen die selbe Anmut besitzt, wie eine Kühltruhe auf Rädern, überzeugt spätestens die Darreichung von Bananen („Banana !“) beim Showlauf.

Aber bleiben wir bei Kisten mit cineastischer Themenwahl… Gar nicht lang ist es her, das ein (im wörtlichen Sinne) Gigant des internationalen Film von uns ging, Carlo Pedersoli auch besser bekannt als Bud Spencer, bekannt aus Filmen wie „Sie nannten Ihn Mücke“, „Der Elefant und sein Nilpferd“ und „Vier Fäuste für ein Halleluja“. Als Verneigung vor dieser „durchschlagenden“ Persönlichkeit ist die Seifenkiste in Form eines roten Strand-Buggy zu sehen, die ein Filmzitat aus „Zwei wie Pech und Schwefel“ ist.

In Memoriam – Bud Spencer

 

Quelle: Zwei wie Pech und Schwefel

In politischer Mission unterwegs war die Seifenkiste des Stadtmagazins Sax unter dem Slogan „Mehr Glitzer für Alle außer für Nazis“ Sehr schön ist hier der Helm in Schwertfisch-Optik.

Für ein buntes Dresden !

Irgendwie passend zum Wetter ist das Credo „feuchtfröhlich“ – Umgesetzt in Form zweier Seifenkisten, die sich dem Genuss von „geistigem Getränk“ (Alkohol !) verschrieben haben. Während „Team Feldschlösschen“ einem hiesigen Bier Reverenz erweist und im Showlauf mit dem Ausschank von Freibier aus der Onboard-Zapfanlage besticht, ist die Message der rasenden Whisky Flasche aus dem Umfeld von Rosies Amüsierlokal „Let’s drink & drive“ nicht zur Nachahmung zu empfehlen. Ausserdem war die rosa Rauchbombe bestimmt nicht umweltfreundlich.

Die Dose Feldschlösschen für den großen Durst !

 

OZapft is !

 

Flaschenpfand ?

 

Kids don’t try this at home !

Das mit dem Bier (Verzeihung, Bölkstoff !) hätte sicher auch der Comicfigur gefallen, deren Charakterkopf das Chassis der nächsten Rennkiste ziert. Bemerkenswert ist hier auch das Gewicht des Rennboliden. Bei der Abfahrt sicher positiv, was die Endgeschwindigkeit anbetrifft, aber den Boliden bergan bzw. schon auf die Startrampe zu bugsieren ist ein Kraftakt.

Werner beinhart – Das muss kesseln !

Der nächste Rennteilnehmer überzeugt mit den folgenden zwei Features: Zum Einen hat die Karosserie seiner Seifenkiste irgendwie etwas OldSchool-mäßiges an sich, zum Anderen verbreitet er etwas Karibik-Flair und damit einen willkommenen Gegenakzent zur vorherrschenden Witterung.

Karibik Feeling an der Elbe

Werfen wir zum Abschluss noch einen Blick auf die Show drumherum… Boxenluder werden ja explizit gefordert in der Veranstaltungs-Ausschreibung. Den hohen Stellenwert, den man diesen Damen zumisst, erkennt man schon daran, dass zwei ebensolche das Safetycar nach jedem Durchgang mittels Schwammbad wieder auf Hochglanz polieren:

Boxenluder bei der Arbeit

Das diese aber nicht immer weiblich sein müssen, zeigt die Show von Team Sprungschanze:

Pyrotechnik Show mit Eisbär

Alles in Allem wieder eine schöne Sache, dieses Rennen. Nächstes Jahr bin ich wieder dabei. Hoffen wir also, dass es das nächste mal keinen Schnee gibt.