Kategorie: Kurioses

Zauberwasser

Wenn man einen chemischen Laien befragt, dann kennt er auf alle Fälle eine chemische Formel. Nämlich die von Wasser, H2O. Ist auch ein wichtiges Molekül, denn ohne es läuft in der Natur nichts, auch beim Menschen nicht, der immerhin zu über 70 % aus Wasser besteht. Auch zum Geld verdienen taugt das Wasser. Nun gut, Mineralwasser aus dem Lebensmitteldiscount gibt es schon für 13 ct je Liter, also nichts mit dem man schnell reich wird. Spannend wird es erst wenn man dieses simple Produkt mit Hilfe moderner Wissenschaft etwas aufmöbelt.

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Nehmen wir z.B. das ominöse Penta Water. Dabei handelt es sich um eine Art hightech Trinkwasser, das 2003 ein Verkaufsschlager in US-amerikanischen Reformhäusern (ja, sowas gibt’s offenbar wirklich) war. Was ist also das Besondere an diesem Wasser ?

Penta Water is ultra purified, energized water that not only fully hydrates, but may also help increase antioxidant activity in your body

www.pentawater.com – What is Penta ?

Also erst mal supersauberes Wasser. So sauber, dass nicht mal die üblichen Mineralien aus Mineralwasser wie z.B. Magnesium, Calcium, Chlorid oder Sulfat dort enthalten sind. Ok, soweit noch nix besonderes. Schließlich kann man Reinstwasser auch aus dem gut sortierten Chemikalienfachhandel beziehen. Allerdings… Was soll daran jetzt gesund sein ? Sind die Mineralien im Wasser nicht eigentlich das Gesunde ?

Die ausschließliche Verwendung von destilliertem Wasser kann bei einer einseitigen Ernährung zu einer Verarmung des Körpers mit Elektrolyten führen

http://de.wikipedia.org/wiki/Destilliertes_Wasser

“Besonders” wird dieses Wasser erst durch einen zweite Eigenschaft: Es ist energetisiert ! Ah ja… Der Hersteller nimmt also dieses supersaubere Wasser und ultraschalliert es 11 Stunden lang mit der Konsequenz, dass große Aggregate (Ansammlungen, Cluster) von Wasser in kleine Fünfereinheiten zerkleinert werden.

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Dadurch bekommt dieses Zauberwasser laut Aussage seines Herstellers eine Reihe fabelhafter Eigenschaften, allem voran seine antioxidativen Eigenschaften und seine Fähigkeit den Organismus besser zu hydratisieren. Gerade letzteres ist ja offenbar ideal für Sportler.

Through word-of mouth, Penta Water also developed a reputation in amateur and professional athletic circles for being water that provided faster, more complete hydration, and improved endurance during competition.[…]

Penta Water helps its drinkers be and stay active, alert and healthy.

www.pentawater.com

Es erhält den Konsumenten aktiv und gesund ? Das tut mein Mineralwasser auch, denn wer nicht trinkt, der macht eher früher als später schlapp. Insgesamt eine eher windige, etwas esoterisch anmutende Angelegenheit. Fehlt eigentlich nur die Aussage: Unser Wasser ist nasser als alle anderen.

imageWer es probieren möchte muss dafür nicht in die USA reisen… Denn auch in good old Europe gibt es sowas, wenn auch nicht so “wissenschaftlich” untermauert. Bei uns heisst es belebtes levitiertes, vitalisiertes oder informiertes Wasser. Auch hier wird durch einen geheimnisvollen Prozess das Wasser in “einen Zustand höherer Ordnung” versetzt. Das ganze mit Hilfe von sog. Naturenergie. Hier horcht der Naturwissenschaftler auf, denn schließlich gibts keine unnatürliche Energie. Das beste dabei ist, es funktioniert ohne Strom und chemische Zusätze zuhause mit einem kleinen Gerät, das man in seine Wasserleitung einbauen kann. Oder auch tragbar in Form eines Belebungsstab, falls man unterwegs sein Teewasser energetisieren will. Und auch dieses Wasser kann eine Menge, z.B. im Lebensmittelsektor beim Backen von Brot oder aber dem Bierbrauen:

Teig wird geschmeidiger und luftiger, Reduktion von Backmittel, längere Frische und Haltbarkeit[…]

feinblasigere Kohlensäure, intensiverer Geschmack der Zutaten […]

Quelle

Besonders die feinblasige Kohlensäure klingt lecker erfrischend…

Das Beste zum Schluss: Dieses Wasser ist tatsächlich nasser. Denn es soll angeblich eine geringere Oberflächenspannung haben, ergo Gegenstände besser benetzen können. Resultat bessere Waschergebnisse dank “verstärkte[r] Selbstreinigungskraft und erhöhte[r] Lösungskraft”. Warum gibts sowas nicht für’s Labor ? Da lässt sich doch sicher 1a Chemie drin machen. Andereseits… Wir Naturwissenschaftler glauben ja nicht an Wunder, die man nicht nachweisen kann:

Dem Wissenschaftler genügt die nackte Wahrheit nicht, er will auch ihr Röntgenbild sehen.

— H.-J. Quadbeck-Seeger, dt. Chemiker

 

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Bildquelle: Wikipedia, Stichwort Belebtes Wasser

Die wunderbare Welt des Specks

image1Bacon & Eggs… Ein klassischer Bestandteil des American Breakfast den man mittlerweile auch in Europa auf gutsortierten Frühstücksbuffets findet. Doch bleibt der Bacon, der hierzulande auch gern unter dem Namen Frühstücksspeck firmiert, in Amerika nicht aufs Frühstück beschränkt, sondern erlebt zur Zeit wahre Höhenflüge. Während der deutsche Wikipedia Artikel relativ nüchtern und bescheiden daher kommt, verrät uns der englische Bacon-Artikel was der Speck noch so alles kann und teilweise schon als das US-amerikanische Fleisch schlechthin gehandelt wird, ein Phänomen das sich in der sogenannten “Bacon mania” zuspitzt.

Diese drückt sich erstmal in einer wahren Mannigfaltigkeit von mehr oder minder kuriosen baconhaltigen Speisen aus: Für den Anfänger geht es mit Konstruktionen wie “Bacon mit Schokoladen-Überzug” oder Chicken fried Bacon (eine Art Speck im Teigmantel) los. Wem das noch nicht gehaltvoll genug ist, darf sich dann an der sogenannten “Bacon explosion” versuchen, welche durch das zusammenwirken von 910 g Speck, 910 g Italian Sausage, einer Dose Barbecue Sauce und einer Dose Barbecue Gewürz entsteht. Fertig gebacken hat so ein Monstrum 5000 kcal und enthält ca. 500 g Fett. Na, wenn da die Arterien keine Orgien feiern… Apropos Arterien, taucht man hartgekochte Eier in Mayonnaise und überzieht das ganze noch mit knusprigen Speck erhält man dann den patentierten “Heart Attack Snack”.

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Pictures by: Kelapstick / Lizenz

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, findet in der Fachliteratur wie “101 Things to Do with Bacon” und “I love Bacon !” noch weitere Anregungen. Auch an den Bacon-affinen Casanova wurde gedacht: “Seduced by Bacon” (Vom Speck verführt).

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Wer dann immer noch nicht genug hat, findet bei Amazon nicht nur Kochbücher sondern auch alles Andere an Paraphrenalien was ein Hardcore Speck-Fan braucht: Zu ungeduldig den Speck auf traditionelle Art in der Pfanne zu Brutzeln ? Dann brauchen Sie einen Mikrowellen Speckbräter komplett mit Fettabtropfschale wie das Bacon Genie. Beim Speck schneiden in den Figer geschnitten ? Einfach ein Bacon Pflaster aufkleben ! Oder haben sie den Wunsch wie eine wandelnde Imbissbude zu riechen, ohne dafür den ganzen Tag in einer Frittenschmiede am Grill zu stehen ? Dann ist die Bacon Seife, das Bacon Eau de Cologne und die Bacon Zahnpasta etwas für sie.

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via Uncrate.com

Früh übt sich, was ein Speck Connaisseur werden will… Um den Nachwuchs schon spielerisch an den Speck heran zu führen gibt es das Mr. Bacon vs. Monsieur Tofu Actionfiguren Set oder für die Kleinsten einen sprechenden Plüsch-Speck (My first Bacon). Und wenn alle Stricke reißen & das Ende-der-Welt-wie-wir-sie-kennen eintritt gibts ja immer noch den 10 Jahre haltbaren NATO-Speck.

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Pictures via www.thinkgeek.com / amazon.com

Wir sehen also: Kaum ein Bereich des täglichen Lebens, welchen der Schinken nicht erobert hat. Ich für meinen Teil mach mir jetzt erst mal einen schönen Salat.

Akademesisch–Die Sprache der Wissenschaft

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Es folgt ein Beitrag aus den Archiven:

Akademesisch, Fachsprech, Technobabble, Klugschnack und Fachchinesisch… Wenn der Wissenschaftler redet, dann kann das in den Ohren des fachfremden Zuhörers schnell wie gelehrtes Geschwurbel klingen. Und das, obwohl es zu den Kardinaltugenden des Gelehrten gehört sich kurz und präzise zu fassen.

Dennoch, ist der Wissenschaftler auch nur ein Mensch und macht bei Zeiten (so z.B. in Publikationen) mitunter tüchtig Gebrauch vom verbalen Nebelwerfer und Euphemismen. So gesehen muss auch das Fachpublikum beim Auswerten der Literatur manchmal zwischen den Zeilen lesen. Diesen Gedanken hat Jorge Cham, Verfasser des in Doktorandenkreisen hochgeschätzten Comics PhDComics, bereits vor einiger Zeit aufgegriffen und eine Übersetzungshilfe für gängige Phrasen zusammengestellt. Ich habe mir mal erlaubt auch eine entsprechende Zusammenstellung anzufertigen:

http://alsoehmjoar.files.wordpress.com/2011/02/24schlaubi.jpg

Results were found by careful experimentation” Die wissenschaftliche Methode die sich in diese Worte kleidet nennt sich Trial-and-error-Methode. Oder auch manchmal Discovery-by-serendipity. Heißt im Klartext wir haben einfach mal an den Knöpfen herumgespielt und plötzlich lief es.

“The data agreed quite well with the predicted model” oder in einer deutschen Variante “Die Ergebnisse stehen in guter Übereinstimmung mit den theoretischen Vorhersagen” ist dabei ein alter Klassiker, den jeder Chemiestudent in der physikalischen Chemie schon einmal angewendet hat als es darum ging, solange auf den Berechnungen herumzuhämmern, bis Theorie und Praxis so ungefähr zusammen passen (eben dann wenn man einen Kopfstand macht, die Luft anhält und gleichzeitig dabei schielt).

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“Es ist allgemein/hinlänglich bekannt…” Auch ein Klassiker, der dann zur Anwendung kommt, wenn man etwas behauptet aber gerade zu faul ist die Behauptung mit Literaturquellen zu untermauern. Der Inhalt der Behauptung wird damit als Basiswissen deklariert und jeder der sie in Frage stellt outet sich damit als schlecht informiert. Jedoch aufgemerkt ! Schlampigkeit beim Zitieren gilt in Wissenschaftlerkreisen nicht nur als unfein, sondern hat den einen oder anderen Politiker schon die Doktorarbeit gekostet !

image“The experiment was conducted in a usual manner…” Eigentlich eine Sauerei, bedeutet es doch soviel wie “Den geheimen Trick verrate ich nicht… Viel Spaß beim Nachmachen ihr Luschen”.

 „It is hoped that this study will stimulate further investigation“ Bedeutet soviel wie “Es ist wünschenswert, dass sich jemand mit dem Thema weiter befasst, denn ich selbst habe jetzt von dem Mist genug”

Diese Aussage steht im Übrigen im diametralen Widerspruch zu der Aussage die der große Moses Gomberg, Pionier auf dem Gebiet der Radikalchemie, dereinst anno 1900 etwas schnodderig von sich gab:

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J. Am. Chem. Soc., 1900, 22, 757–771.

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Ber. Dtsch. Chem. Ges. 1900, 33, 1099.

Zugegeben, die deutsche Übersetzung klingt schon um einiges freundlicher… Aber in der englischen Version pflanzt der gute Gomberg einem Goldgräber, der seinen Claim absteckt, gleich, sein Fähnchen auf das Gebiet der Radikalchemie.

Und dann ist da natürlich noch der allgemeine Methodenteil in jeder wissenschaftlicher Arbeit. Sozusagen eine Serviceleistung um der scientific community das nötige Werkzeug aufzuzeigen um die berichteten Ergebnisse zu reproduzieren. Was man doch dort nie liest sind Sachen wie:

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Merke: Unterschätze niemals das nötige Quäntchen Labor-Voodoo… Ein Thema das ich vielleicht auch nochmal gesondert aufgreifen werde…

imageUnd damit ist das Thema noch nicht erschöpft. Da wäre dann noch das sehr reichhaltige Feld der Pseudowissenschaften, die sich gerne in ungeahnte literarische Höhen aufschwingen, wenn sie “Science Fiction” als wissenschaftlich hochkarätigen Hightech verkaufen wollen. Hier helfen oft sogenannte Buzzwords, die, geschickt ausgewählt, sich unglaublich gescheit anhören können. So z.B. folgender Satz der mir heute bei Facebook herein flatterte:

Sine-wave filtered auditory stimulation is carefully designed to encourage maximal orbitofrontal dendritic development…

Orbitofrontal ? Bei dem Wort muss das schon was ganz tolles sein. Orbitofrontal… Das klingt so gut, dass sollte man eigentlich in jedem 2. Satz verwenden. Aber immer dran denken… Nicht zu konkret werden, wenn man sich in den Pseudowissenschaften auf die wissenschaftliche Authorität Anderer beruft… Hinterher wird man auf unbedacht zitierte gedruckte harte Fakten festgenagelt. Daher immer schön vage bleiben:

Neuste wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass…

Null Problem, oder: Auf die richtigen Worte kommt’s an

Wie so oft im Leben heißt es bei Öffentlichkeitsarbeit & PR ganz besonders: „Sag’s mit den richtigen Worten !“ Auf diesem Gebiet hat die Berufsgenossenschaft Rohstoffe & Chemische Industrie (BG RCI) wohl mit ihrem alljährlichen Werbekalender den Vogel abgeschossen. Ganz BG typisch, wirbt dieser Kalender für sicheres Arbeiten & Unfallverhütung. An sich ein lobenswertes Unterfangen. „Vision Zero. Null Unfälle – Gesund arbeiten !“ heißt der Wahlspruch. So weit, so gut, liebe BG RCI. Da bin ich voll auf Eurer Seite. Im Monat Mai ist dies sogar ganz annehmbar umgesetzt: Ein junger, dynamischer Chemiker späht, ganz Sicherheitskonform, durch seine Schutzbrille auf sein Experiment. Überschrift: „Ich steh auf Null… / …weil ich meine Augen noch brauche !“.

Bock auf Null

Doch im August… Hier wird zwar auch für Sicherheit geworben, zur Mitarbeitermotivation trägt das Kalenderblatt aber nicht bei. Ein in einen weißen Schutzanzug gewandeter Arbeiter starrt mißmutig über seine Staubmaske hinweg. Titel des Bildes: „Ich hab’ Bock auf Null.“ Ok, lassen wir das mal als saloppes Wortspiel durchgehen…

Wir schaffen null !

Im September wird sodann nachgelegt mit „Wir schaffen Null !“, was schließlich im Oktober mit „Null geschafft und stolz drauf!“ gipfelt. Kennt man nicht den Hintergrund, fragt sich der unbeteiligte Zuschauer, ob hier für Unfallprävention oder die Olympiade der Drückeberger geworben wird. Provoziert in jedem Fall gerne mal einen flapsigen Kommentar bei vorbeikommenden Kollegen.

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Vielleicht auch nicht gerade der passende Wandschmuck, wenn Geschäftspartner durchs Labor geführt werden. Aus diesem Grunde wurde bereits einmal ein Kalender von unserem Großchef aus dem Labor verbannt und eigenhändig gegen einen unverfänglichen ausgetauscht. Aus diesem Grunde haben wir den BG Kalender erst mal in die Umkleide verbannt. 🙂

(Quelle Bilder: Kalender 2016 by BG RCI)

Die wilden Tiere sind los

Wenn man plötzlich anfängt unsichtbare Monster zu sehen, dann ist dies meist das erste Anzeichen dafür den Psychoklempner aufzusuchen… Oder aber dafür, dass man die Welt durch sein Handy und die neue Pokemon App betrachtet. Seit letzter Woche ist das Augmented Reality Spiel Pokemon Go fast allgegenwärtig. Der Hype ist mittlerweile (und das z.T. auch den Sozialen Netzwerken sei dank) schon ausgeprägter als die damals ungemein populäre Moorhuhnjagd.

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  An der Bushaltestelle wird die Wartezeit nicht nur mehr mit Facebook oder WhatsApp überbrückt, man scannt nun auch die nähere Umgebung mit GPS nach freilaufenden wilden Relaxos ab. Kommt dann die Tram oder der Bus, stellt man fest, dass auch der ÖPNV (zumindest in der Bundeshauptstadt) heiter mitmischt.

 

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Das ist natürlich schon ein dickes Ding, wenn die Schwarzfahrer heutzutage für das nackte Auge nicht mehr sichtbar sind. Aber das Pikachu offenbar ein schlimmer Finger ist, ist offenbar auch schon den österreichischen Behörden bekannt, die bereits fieberhaft nach dem gelbschwarzen Taschenmonster (und seinen 150 Komplizen) fahnden.

 

Eine harmlose Poke-Spezies ist hingegen aus Schweden zu uns eingewandert. So zumindest kommuniziert es die Marketing-Abteilung des schwedischen Möbelgiganten Ikea, dass auch ohne augmetierte Realität sichtbar ist. Eigentlich gar nicht so abwegig, bedenkt man, dass man, zumindest den Namen nach, Pokemon und Ikea-Möbel nur schwer unterscheiden kann.

Ziemlich süß (Achtung Wortspiel !) ist auch, was Bahlsen in Hommage an die beliebten Gestalten Bisasam und Pikachu da kreiert hat…

 

Oder…

 

Aber so lustig sowas auch sein mag, letztendlich sollte man es auch nicht übertreiben und wachen Auges durch die Welt gehen, sonst entgehen einem wichtige Dinge. Wie zum Beispiel einem Kiffer aus München geschehen:

Pokémon-Spieler mit Joint festgenommen - Altstadt
Am Samstag, 17.07.2016, um 06.20 Uhr, befanden sich zwei Polizeibeamte der Hauswache des Polizeipräsidiums München auf Streifengang.

Am Richard-Strauß-Brunnen in der Fußgängerzone stellten die Beamten Marihaunageruch fest und sahen einen 30-jährigen Münchner, der offensichtlich mit einem Spiel auf seinem Handy beschäftigt war. Der Mann hielt außerdem einen Joint in der Hand. Er war so in sein Handy vertieft, dass er die auf Streife befindlichen Beamten nicht bemerkte. Die Beamten sprachen den Mann daraufhin an, welcher erschrak und den Beamten sofort entgegnete: „Oh Shit, darf ich das noch schnell fertig machen!“

Der Mann spielte nach eigenen Angaben Pokémon-Go und war aktuell damit beschäftigt, die „hiesige Arena“ einzunehmen. Der Spieler verhielt sich absolut kooperativ und wurde von den Beamten in das Polizeipräsidium München begleitet.

Nach der Anzeigenerstattung wurde der 30-Jährige wieder entlassen.
  — Quelle Pressemitteilung des Polizeipräsidiums München

Ebenso sollte man auch achtgeben, wohin es einen auf der Jagd verschlägt… S-Bahn Tunnel sind gefährliches Terrain, auch wenn sie gerade wegen Bauarbeiten geschlossen sind…

Bei anderen Dingen ist es weniger der Ort, als viel mehr die Aktivität, die nicht ganz zum Spiel passt… Aber vielleicht bin ich ja auch nur zu altmodisch ? nido

Tolle Kisten & Ihre tollkühnen Piloten


Ein Jahr ist es her, dass ich mich an den Elbhang begab, um den tollkühnen Fahrern des 15. Saloppe Seifenkisten Rennen dabei zuzusehen, wie sie mit Ihren Kisten, nur von der Hangantriebskraft getrieben, den Abhang herab rollern.

Auch dieses Jahr findet wieder dieses beliebte Spektakel statt. Besonderheit gegenüber einem herkömmlichen Rennwettbewerb: Egal ob das Vehikel die Aerodynamik einer Schrankwand besitzt: Hauptsache spektakulärer Auftritt. Auszug aus dem Reglement:

- Jedes Team benötigt eigene Boxenluder in beliebiger Anzahl und Größe !!

- Teamhymne für den Showlauf auf CD ist Voraussetzung !!

Und da Vielfalt ja bekanntlich begeistert und damit keine Langeweile aufkommt, dürfen keine Fahrzeugaufbauten 1 : 1 aus dem Vorjahr übernommen werden ! Doch halt… Schon der 2. Rennteilnehmer kommt mir recht bekannt vor:

Team Ikarus 2015

 

Team Ikarus 2016

Team Ikarus scheint relativ unverändert zum Wettkampf angetreten zu sein. Aber dann verfügt diese Seifenkiste auch über keine nennenswerten Aufbauten. Das pure Sportgerät ! Also lassen wir das mal gelten.

Ein deutlicher Unterschied zum letzten Jahr ist allerdings das Wetter ! Während wir letztes Jahr in der Sonne fast weg geschmolzen sind, war es dieses Jahr eher… nennen wir es mal „feucht“. Ob dies Auswirkungen auf den Rennverlauf hatte ? Vermutlich keinen all zu großen, da die Bremsprobleme dieses Jahr die gleichen waren wie zuvor.

Weitere Neuerung: Das Zielwerfen am Bozenstopp fiel dieses Jahr etwas martialischer aus. Anstelle mit Büchsen zu werfen, wird dieses Jahr auf Büchsen geschossen… Den Schaumstoff—Pfeil-Gewehren der Firma Nerf sei Dank !


Ein Hightech-Spielzeuggewehr der Traum eines jeden kleinen Jungen. Vielleicht ist dies ja der Grund, warum diese Zeitgenossen sich und Ihr Raketenmobil bis unter die Zähne mit diesen Geräten bewaffnet haben.

Kommen wir zu meinem diesjährigen Favoriten, dem Team Minion. Obwohl der Rennwagen die selbe Anmut besitzt, wie eine Kühltruhe auf Rädern, überzeugt spätestens die Darreichung von Bananen („Banana !“) beim Showlauf.

Aber bleiben wir bei Kisten mit cineastischer Themenwahl… Gar nicht lang ist es her, das ein (im wörtlichen Sinne) Gigant des internationalen Film von uns ging, Carlo Pedersoli auch besser bekannt als Bud Spencer, bekannt aus Filmen wie „Sie nannten Ihn Mücke“, „Der Elefant und sein Nilpferd“ und „Vier Fäuste für ein Halleluja“. Als Verneigung vor dieser „durchschlagenden“ Persönlichkeit ist die Seifenkiste in Form eines roten Strand-Buggy zu sehen, die ein Filmzitat aus „Zwei wie Pech und Schwefel“ ist.

In Memoriam – Bud Spencer

 

Quelle: Zwei wie Pech und Schwefel

In politischer Mission unterwegs war die Seifenkiste des Stadtmagazins Sax unter dem Slogan „Mehr Glitzer für Alle außer für Nazis“ Sehr schön ist hier der Helm in Schwertfisch-Optik.

Für ein buntes Dresden !

Irgendwie passend zum Wetter ist das Credo „feuchtfröhlich“ – Umgesetzt in Form zweier Seifenkisten, die sich dem Genuss von „geistigem Getränk“ (Alkohol !) verschrieben haben. Während „Team Feldschlösschen“ einem hiesigen Bier Reverenz erweist und im Showlauf mit dem Ausschank von Freibier aus der Onboard-Zapfanlage besticht, ist die Message der rasenden Whisky Flasche aus dem Umfeld von Rosies Amüsierlokal „Let’s drink & drive“ nicht zur Nachahmung zu empfehlen. Ausserdem war die rosa Rauchbombe bestimmt nicht umweltfreundlich.

Die Dose Feldschlösschen für den großen Durst !

 

OZapft is !

 

Flaschenpfand ?

 

Kids don’t try this at home !

Das mit dem Bier (Verzeihung, Bölkstoff !) hätte sicher auch der Comicfigur gefallen, deren Charakterkopf das Chassis der nächsten Rennkiste ziert. Bemerkenswert ist hier auch das Gewicht des Rennboliden. Bei der Abfahrt sicher positiv, was die Endgeschwindigkeit anbetrifft, aber den Boliden bergan bzw. schon auf die Startrampe zu bugsieren ist ein Kraftakt.

Werner beinhart – Das muss kesseln !

Der nächste Rennteilnehmer überzeugt mit den folgenden zwei Features: Zum Einen hat die Karosserie seiner Seifenkiste irgendwie etwas OldSchool-mäßiges an sich, zum Anderen verbreitet er etwas Karibik-Flair und damit einen willkommenen Gegenakzent zur vorherrschenden Witterung.

Karibik Feeling an der Elbe

Werfen wir zum Abschluss noch einen Blick auf die Show drumherum… Boxenluder werden ja explizit gefordert in der Veranstaltungs-Ausschreibung. Den hohen Stellenwert, den man diesen Damen zumisst, erkennt man schon daran, dass zwei ebensolche das Safetycar nach jedem Durchgang mittels Schwammbad wieder auf Hochglanz polieren:

Boxenluder bei der Arbeit

Das diese aber nicht immer weiblich sein müssen, zeigt die Show von Team Sprungschanze:

Pyrotechnik Show mit Eisbär

Alles in Allem wieder eine schöne Sache, dieses Rennen. Nächstes Jahr bin ich wieder dabei. Hoffen wir also, dass es das nächste mal keinen Schnee gibt.

Das geheime Leben der Mustermanns

Nur wenige haben eine ähnliche Medienpräsenz wie sie. Sie ist irgendwie Alle und doch Keiner. Die Rede ist von Erika Mustermann. Diese Person soll die personifizierte Durchschnittlichkeit sein, was auch ihre hohe Medienpräsenz erklären dürfte, da sie in den Nachrichten gerne für statistische Vergleiche eingesetzt wird. Und wie es sich für einen anständigen Durchschnittsdeutschen ziehmt, hat Frau Mustermann auch einen Personalausweis.

Gestatten... Erika Mustermann
Gestatten… Erika Mustermann

Diesen kann man seit 1983 der maschinenlesbare Perso eingeführt wurde in den Publikationen des Bundesministerium des Inneren als (der Name ist Programm) Muster für Personalausweis und Reisepass bewundern. Für den Datenschutz ist das natürlich nicht gut. So erfahren wir das Erika Mustermann am 12. September 1945 als Erika Gabler in München geboren wurde und dort ebenda in der Heidestrasse 17 wohnt.

Ein kleines Häuschen in München

Ebenso erfährt man, dass sie 1,76 m groß ist und blaue Augen hat. Verfolgt man den weiteren Werdegang, stellt man fest, dass die liebe Erika eine ziemlich umtriebige Frau zu sein scheint: Mehrere Wohnsitze sind verzeichnet:

  • Nußhäherstraße 10, München
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  • Heidestraße 17, Köln
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  • Heidestraße 17, Berlin
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zwischen denen sie munter hin und her zieht. Zustellversuche an ihre Münchener Wohnung in der Heidestrasse blieben jedenfalls ab 1995 erfolglos.

Vermutlich hat dies etwas mit den häufigen Jobwechseln zu tun, die sie durchmacht… So ist auf einem vorläufigem Perso der Ordensname Schwester Agnes vermerkt. Aber sie besitzt auch einen Truppenausweis der Bundeswehr laut dem sie den Dienstgrad eines Oberleutnants bekleidet und im Vollzug ihrer Dienstgeschäfte zum Führen von Schusswaffen berechtigt ist.

Ebenso sind Engagements beim Bundesministerium des Inneren und beim BKA (Kriminaldienstmarkennummer 4711) bekannt. Komplettiert wird das Ensemble der Ausweise durch einen Führerschein (Klasse B) ausgestellt vom Landratsamt Musterhausen am See, sowie einem Triebfahrzeugführerschein im Eisenbahnverkehr, so dass wir annehmen dürfen, dass sie auch mal bei der Bahn als Lokführerin gearbeitet hat. Wie sie es bei so einem ausgefüllten Berufsleben geschafft hat, einen Sohn in die Welt zu setzen bleibt rätselhaft. Der kleine Leon Mustermann besitzt selbstverständlich auch einen Ausweis.

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Wie die Mutter so der Sohn

Nehmen wir all dies zusammen, liegt der Verdacht nahe, dass Frau Mustermann für den Geheimdienst arbeitet. Um vollends zum Phantom zu werden, besitzt sie auch entsprechende Decknamen wie Susanne Muster (Mitglied im ADAC), Renate Mustermann, Desiree Jeannette Mustermann, Anne Mustermann (beide mit EU Führerschein). Um auch unerkannt im multinationalen Milieu ermitteln zu können, arbeitet Erika unter den Decknamen Emine Kartal (Türkei), Shkurte Salihu (?), Natasha Raskolnikowa und Irina Bulgakowa (Osteuropäischer Raum) für die sie entsprechende deutsche Aufenthaltstitel besitzt.

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International Woman of Mystery…

Ebenso, gemessen an den Fotos auf diversen Ausweisen, hat Erika mehrere plastische Operationen im Gesicht hinter sich. Alle haben eine gewisse Ähnlichkeit und doch sind sie irgendwie verschieden.

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Die 4 Gesichter der Frau Mustermann

Gegen die Geheimdienst-Theorie spricht hingegen, dass Erika bei Facebook eine Fanseite betreibt. Die Authentizität eines online verfügbaren Interviews mit der Badischen Zeitung muss jedoch angezweifelt werden.

Was es genau mit Erika Mustermann auf sich hat, muss letztendlich ein Rätsel bleiben – zu widersprüchlich ist die Info, die man über sie findet. Ob Phantom oder nicht – Erika ist kalt. 🙂