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Superfoods – Das Gute daran ist das Gute darin ?

Gesunde Ernährung und „hippe Trends“ in der Ernährung waren hier in letzter Zeit ja schon des öfteren Mal Thema. Während im Angesicht vermehrter Lebensmittelskandale und meterlanger Listen von Zusatzstoffen oft der Fokus darauf liegt, was alles nicht in unserem Essen rein darf, soll es heute mal um all die Lebensmittel gehen, die man absichtlich seiner Ernährung zusetzt, weil man sich davon gesundheitliche Vorteile erhofft. Das Motto hier lautet nicht mehr nur gesund essen, sondern viel mehr Gesundheit essen.

Dies trifft in besonderem Maße auf sogenannte Superfoods zu, also solche Lebensmittel, die nicht der blanken Energiezufuhr oder dem puren Genuss dienen, sondern die auch noch zusätzliche Gesundheitsvorteile versprechen.

Und was diese Superfoods angeblich alles können ist beachtlich. Das Spektrum reicht von Krebsprävention, Blutdrucksenkung und dem Immunsystem förderlichen Effekten, bis hin zu reiner Haut und allgemeinem Wohlbefinden. Eine Apotheke könnte glatt neidisch werden.

Gesund essen vs Gesundheit essen

Ursächlich für die erhöhte Aufmerksamkeit und Klassifikation als Superfood sind oft Studien, die zeigen, dass bestimmte natürliche Inhaltsstoffe einen positiven Effekt haben. Dabei handelt es sich oft um sogenannte sekundäre Pflanzenstoffe, d.h. solche Stoffe, die eine Pflanze nicht für ihren Energiestoffwechsel benötigt, also nicht unmittelbar lebensnotwendig sind. Zwei prominente Vertreter solcher Substanzen, die Jeder kennt (wenn auch nicht in Verbindung mit Superfoods), sind Koffein und Nikotin. Eher relevant für gute Gesundheit wären z.B. die Polyphenole, die jedem gesundheitsbewussten Rotweintrinker natürlich ein Begriff sind.

Versammeln sich also im Idealfall mehrere dieser gesunden Naturstoffe in einem Nahrungsmittel, wird es zum Superfood geadelt. So weit, so gut (für die Gesundheit). Das Schöne an dem Konzept Superfood ist der Gedanke das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Wir trinken ein leckeres Rotweinchen (Genuß!) und tun mit den Polyphenolen auch etwas für unsere Gesundheit. Wir knabbern ein paar Goji-Beeren und härten unser Immunsystem ab. Einfache Lösungen kommen eben immer gut an. Gerade bei komplizierten Zusammenhängen wie das Thema Gesundheit.

Doch auch hier gilt: Einfache Lösungen für komplexe Probleme kommen nur ganz selten vor. Es mag tatsächlich der Wahrheit entsprechen, dass bestimmte sekundäre Pflanzenstoffe in Studien einen positiven Effekt zeigen.

Nehmen wir z.B. das im Rotwein enthaltene Resveratrol, ein Polyphenol, welches Wirksamkeit gegen Krebszellen und positive Effekte auf Alzheimer zeigt. Während dies durchaus interessante Ergebnisse sind, wird hier insbesondere in den Medien, die Ottonormalbürger beobachtet, aber oft außer Acht gelassen, dass viele dieser Studien in Tiermodellen oder in-vitro, d.h. im Reagenzglas durchgeführt werden. Das bedeutet, dass

  1. die beim Tier beobachteten Effekte nicht zwingend auch beim Menschen auftreten müssen
    und
  2. „Reagenzglasversuche“ unter idealen Laborbedingungen stattfinden und in Realität viele weitere Bedingungen zu berücksichtigen sind, die im Laborversuch nicht auftreten.

Während im Versuch der zu untersuchende Stoff gezielt zugeführt wird, also in relativ konzentrierter Form und direkt am Ort des Geschehens, kann der selbe Stoff, als Bestandteil eines Lebensmittels in relativ verdünnter Form vorliegen und muß erst einmal unseren Stoffwechsel durchwandern, bis er im Gehirn Alzheimer vorbeugen kann.

Im dümmsten Fall kann dies bedeuten: Bis wir einen positiven Effekt durch das Resveratrol spüren, haben wir soviel Rotwein genossen, dass wir längst dem Suff erlegen sind.

Diesem Einwand könnte man nun dadurch Rechnung tragen, dass man vom Konzept Superfood als solches ein Stück abweicht und z.B. Extrakte kocht und Pillen presst. Der Wirkstoff kann dadurch in konzentrierter Form eingenommen werden. Doch auch hier ist eine gewisse Vorsicht angebracht. Denn was von Befürwortern von Naturheilkunde und Heilmitteln aus der Natur gerne außer Acht gelassen wird: Nur weil ein Heilmittel direkt von Mutter Natur kommt, heißt dies noch lange nicht, dass es frei von Nebenwirkungen ist. Auch hier sollte man wissen was man tut. Bleiben wir z.B. beim Resveratrol und Krebs: Es kann gezeigt werden, dass Resveratrol dem programmierten Zelltod in Krebszellen Vorschub leisten kann, d.h. die Krebszellen sterben ab. Findet jedoch gleichzeitig eine Chemotherapie statt, z.B. mit Taxol (hemmt das Wachstum von Krebszellen), kann das Resveratrol die krebstötende Wirkung des Chemotherapeutikums unterbinden.

Getrocknete Goji Beeren für’s Müsli

Anderes Beispiel: Goji-Beeren. Hier lässt sich z.B. beobachten, dass Inhaltsstoffe der Goji-Beere das Enzym Cytochrom P450 3A4 in der Leber blockieren. Dieses Enzym ist aber an der Verstoffwechselung vieler Arzneimittel beteiligt, was im ungünstigsten Fall z.B. bei besonders starken Medikamenten hässliche Nebenwirkungen haben kann.

Dies soll Wirkstoffe aus der Natur natürlich nicht verdammen, da sich damit auch viele positive Dinge erreichen lassen. Man darf eben nur nicht außer acht lassen, dass solche Wirkstoffe genauso wirkungsvoll (wenn nicht gar mitunter wirkungsvoller) sein können als rein synthetische. Mit allen positiven, wie auch negativen Konsequenzen.

Goji und Chia vs Tomate und Weintraube

Doch es muss ja nicht immer auf die sekundären Pflanzenstoffe ankommen. Immerhin sollen Superfoods, mitunter auch in Form von Superfruits, vollgepackt sein mit Vitaminen und wertvollen Mineralstoffen.

Die Alternative ist vom Konzept her simpel aber weniger ‚sexy‘ als Superfood: die vielzitierte ausgewogene Ernährung. Wer eine gute Mischung an Obst und Gemüse zu sich nimmt (simple Sachen wie Äpfel, Bananen, Tomaten, Karotten etc.), braucht auch keine speziellen Superfoods, die einmal um die halbe Welt geflogen sind oder von denen außer dem Ernährungsguru noch nie jemand bei uns gehört hat. Und auch die viel gerühmten sekundären Pflanzenstoffe sind in den heimischen Produkten enthalten. Sei es das bereits erwähnte Resveratrol im Wein oder Lutein und Zeaxanthin in der Tomate, im Grünkohl oder im Mais.

Grünkohl als heimisches Superfood ?

Der Grünkohl hat eben eine schlechtere Marketingabteilung als z.B. die Gojibeere. Der Superfoodernährungsguru verkauft eben nicht nur ein Nahrungsmittel, sondern ein Lifestyleprodukt, eine Vision.

Schenkt man den Statistiken im Internet glauben (z.B. hier und hier), wurde im Jahr 2016 in Deutschland Umsätze im Bereich von 43-46 Mio. Euro erzielt, der Großteil davon mit Chia-Samen. Tendenz weiter steigend.

Infografik: Der Hype um Superfoods | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Im Kontrast dazu lässt sich mit heimischem Obst und Gemüse sicher kein Vermögen verdienen. Dafür gibt es einfach zu viele Anbieter und die Wahre ist eben nicht sexy genug. Denn Superfood ist oft auch ein Synonym für Trendfood. Einer fängt damit an und dank Marketing und Medien ist es plötzlich trendy sich Chia-Samen über das Müsli zu streuseln.

Fliegt einmal um die Welt und veredelt Gebäck und Müsli: Chia-Samen

Übrigens, wer sich einen Überblick über exotische Superfruits einerseits, sowie einige Beispiele für gesunde einheimische Gewächse andererseits verschaffen will kann dies hier tun:

Justitia und Superfood

Überhaupt tritt ein Problem auf, wenn es um Marketing und Gesundheit geht. Positive Effekte auf die Gesundheit sind ein hocheffektives Zugpferd für die Vermarktung von Produkten. Damit also der Verbraucher mit halbgaren, wissenschaftlich nicht haltbaren Behauptungen angelockt und abgezockt wird, gibt es die sogenannte Health Claims Verordnung, gemäß welcher

„eine Werbung mit gesundheits- und nährwertbezogenen Angaben […] prinzipiell nur zulässig [ist], wenn die Angaben von der Europäischen Union in einem […] Verfahren wissenschaftlich anerkannt wurde“.1

Dies verdeutlicht auch nochmal, welcher Schmu teilweise mit der Ernährung getrieben wird.

Superfood – Und wie weiter ?

Wie sieht nun das Fazit aus ? In der Apotheken Umschau zum Superfood Chia-Samen findet sich z.B. folgendes Statement eines Experten der Bundesanstalt für Ernährung, welches die Sache gut auf den Punkt bringt:

 „Wer sie essen mag, soll das gerne tun. Eine ähnliche Fettzusammensetzung finden Sie aber auch in heimischen Saaten wie Leinsamen, Rapsöl oder Nüssen“, schränkt Seitz ein. Regionale Produkte seien billiger. Zwar sind Chia-Samen länger haltbar. „Aber in Zeiten des Klimawandels sollte man sich auch fragen, ob man den hohen CO2-Fußabdruck von transatlantisch importierten Lebensmitteln verantworten will“, so Seitz.
Ein schöner Tomatensalat und ein Glas Rotwein tut es also sicherlich auch.

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Verordnung_(EG)_Nr._1924/2006_(Health_Claims)

Mit Wissenschaft kühl durch den Sommer

Ok, das Thema Sonnenschutz haben wir uns bereits angeguckt. Was brauchen wir also noch um durch den heißen Sommer 2018 zu kommen ?

Ein Szenario, dass glaube ich Vielen nicht unbekannt sein wird: Wir haben uns trotz hochsommerlichen 32°C mehr oder minder erfolgreich durch den Arbeitstag gerettet, jetzt lechzen Gemüt und Kehle nach einem kühlen Trunk zum Feierabend… Also ab nach Draussen an die frische Luft. Schlecht nur, wenn man vergaß das Feierabendbier rechtzeitig in die Kühlung zu legen. Ein weiteres Problem: Wie bleibt der Nachschub an köstliche Gerstensaft angenehm kühl, wenn man mit ihm fernab des Eisschranks auf der Wiese sitzt ?

Kaltes Getränk mit Hilfe der Wissenschaft und kalten Putzlappen

Und auch hier zahlt sich ein gutes Quantum an naturwissenschaftlichen Kenntnissen aus: Man benötigt nur ein Stück saugfähiges Textil und Wasser um selbiges gut zu durchfeuchten. Man packt die Getränkeflasche nun in den triefend nassen Lappen und stellt sie an einen luftigen und trockenen Ort. Nun muß man eine Weile warten, während sich das Getränk auf nahezu magisch anmutende Weise abkühlt.

Verdunstungskälte heißt das Zauberwort ! Denn auch bei 30 °C verdunstet eine gewisse Menge Wasser, vorausgesetzt, die Luftfeuchtigkeit liegt unter 100 %. Je trockener, desto besser.

So zumindest die Theorie. Aber wie heißt es so schön: Versuch macht klug. Also habe ich mir aus einer leeren 500 mL Flasche einer beliebten Hipsterbrause, die ich mit Wasser gefüllt habe und einem Laborthermometer eine Testapparatur gebastelt. Das Ganze noch schnell in ein nasses Küchenhandtuch wickeln und schon startet der Kühlversuch.

Auch wenn die Kühlwirkung relativ verhalten zu Tage tritt, kann man doch nicht leugnen, dass die Methode funktioniert. Innerhalb von 2 Stunden pendelte sich die Temperatur in der Flasche von ursprünglich 29 °C bei knapp unter 23 °C ein. Das Wasser ist zwar nicht „Kühlschrank-kalt“ aber um Einiges erfrischender geworden. Sicherlich lässt sich der Verdunstungseffekt noch weiter forcieren, wenn man einen Ventilator neben die Versuchsanordnung stellt, der die feuchte Luft wegpustet und frische trockene Luft nachführt.

Wasserkühler auf spanische Art

Dabei ist diese improvisierte Form der Getränkekühlung keine neue Errungenschaft der neuzeitlichen Camping- und Grillbewegung, bei welcher sie recht populär ist. Wie mir der Kollege François beim Mittagessen erzählte, findet man eine Art Urform davon in Andalusien: den Botijo.

Der Botijo – ein traditioneller spanischer Wasserkühler

Dabei handelt es sich um einen bauchigen Krug aus gebranntem, porösen Ton mit einer oder mehreren Trinkstutzen. Das enthaltene Wasser dringt durch die Poren langsam nach außen und verdunstet dort an der sehr trockenen, heißen Luft (die ja im mediterranen Klima Andalusiens reichlich vorhanden ist) und kühlt dadurch den restlichen Inhalt des Krugs. Das funktioniert wie gesagt im staubtrockenen Andalusien sehr gut, in z.B. Panama allerdings, welches in der doch recht feuchten Monsun-Zone liegt, weniger gut, so der Kollege F. Und auch in Spanien, genauer gesagt an der Universidad Politécnica de Madrid, gibt es Wissenschaftler, welche die Funktionionsweise des Botijo genügend fasziniert hat, um die Leistungsfähigkeit dieses traditionsreichen Verdunstungskühlers zu untersuchen.

Unter kontrollierten Laborbedingungen wurde der Botijo mit 3.16 kg Wasser (T=39°C) gefüllt und (um gleichmäßige Temperaturen zu gewährleisten) in einen 39 °C warmen Ofen gestellt (simulierter andalusischer Sommer). Dabei wurde die Wassertemperatur, meiner Softdrinkflasche nicht unähnlich, mit einem Thermometer verfolgt und in regelmäßigen Intervallen der Wasserverlust mittels einer Waage kontrolliert. Das recht interessante Ergebnis: Nach 7 Stunden waren zwar 400 g Wasser (fast ein halber Liter) weniger im Krug, aber das Wasser hatte sich um 15 °C auf 24 °C abgekühlt.

Natürlich ist der Krug irgendwann leer, wenn man ihn zu lange stehen lässt. Aber in einem 39 °C warmen Sommer, wird das Wasser eh vorher getrunken, bevor es komplett verdunstet. Der Vorteil des kontinuierlichen Wasserschwunds ist aber auch eine kontinuierliche Kühlleistung, während mein feuchter Lappen deutlich schneller versagen würde, weil er entsprechend schneller austrocknet. Wer sich selber wissenschaftlich mit dem Botijo befassen möchte, kann dies anhand der folgenden Differentialgleichungen tun:

Dieser Tonkrug erfreut sich auch heute noch einer gewissen Beliebtheit in Spanien, überall da, wo ein kühles Getränk abseits entsprechender Infrastruktur gefragt ist. Ein Verwandter des Botijo findet man zuweilen auch in hiesigen Gefilden auf Mittelaltermärkten in Form von Bierkrügen aus Ton, die das enthaltene Getränk (das aber am Besten bereits vor dem Einfüllen gekühlt wurde) kühl halten, wenn der Krug sich vorher mit Wasser vollsaugen konnte.

Immer schön aufpassen, dass man in der Hitze nicht wegschmilzt

Hightech Kühlung aus Bayern

Während der Botijo einfach, aber genial ist, findet sich am anderen Ende der Hightech-Skala eine ausgefuchste (aber deutlich komplexere) Erfindung aus Bayern. Und in Bayern trinkt man natürlich nicht Wasser, sondern Bier. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der Münchner Physiker Peter Maier-Laxhuber als er sich entschloss die Erkenntnisse aus seiner Doktorarbeit mit dem Titel „Sorptionswärmepumpen und Sorptionsspeicher mit dem Stoffpaar Zeolith – H2O“ zu kommerzialisieren, auch ein selbstkühlendes Bierfass entwickelte.

Bei dieser raffinierten Erfindung ist der eigentliche Bierbehälter (A) von zwei konzentrischen Kammern (B, C) umgeben. Die innere enthält ein saugfähiges Material, das mit Wasser durchtränkt ist. Die äußere Kammer (C) ist mit einem Zeolith (alias Molekularsieb) gefüllt, einem Material, welches aufgrund seiner Poren in Molekülgröße eine hohe Wasseraffinität besitzt. Beide Schichten stehen unter Unterdruck, um eine Verdampfung des Wassers in Kammer (B) zu erleichtern. Die Energie, die zum Verdampfen des Wassers notwendig ist, wird dem Bier in Kammer (A) in Form von Wärme entzogen.

Selfcoolbarrel
Durch öffnen eines Ventils kann nun das Wasser aus Kammer (B) in die Kammer (C) hinein verdampfen und wird dort durch den Zeolith gebunden. Dies ist wichtig, da der notwendige Unterdruck durch den entstehenden Wasserdampf aufgehoben werden würde und so letztendlich die Produktion von weiterem Wasserdampf, welche ja durch Verdunstungskälte unser Bier kühlt, zum Erliegen kommen würde. Der Kühleffekt ist sogar so groß, dass das Wasser in (B) gefrieren kann. Interessanter Nebeneffekt: Der Zeolith erwärmt sich, wenn er Wasser aufnimmt, so dass unser Faß mit kühlem Bier außen recht warm wird. Daher auch der Begriff Sorptionswärmepumpe, da sozusagen die Wärme aus dem Bier nach Außen „gepumpt“ wird.

Um dem Nachhaltigkeitsgedanken entsprechend Sorge zu tragen kann das Faß für einen späteren erneuten Einsatz regeneriert werden. Durch Erhitzen lässt sich das gebundene Wasser aus dem Zeolith wieder freisetzen.

Wer das Faß ausprobieren möchte kann ein solches u.A. von der Tucher Brauerei erwerben, die damit wirbt „jederzeit und überall [...] frisch gezapftes, kühles Tucher. Ohne Strom. Ohne Vorkühlen. In weniger als 45 Minuten.“

Aus heiß wird kalt – Feuer & Flamme für kühles Bier

Und für all diejenigen, die für einen zünftigen Showeffekt zu ihrem Getränk keine Kosten und Mühen scheuen, hier noch eine Variante, mit der man Getränke mittels Feuer kühlen kann.

Achtung – Wer Folgendes ausprobiert tut dies ausdrücklich auf eigene Gefahr. Der Autor übernimmt keine Verantwortung für etwaige (Feuer)schäden

Man benötigt einen Eimer voll Sand, in den die zu Kühlende Flasche eingegraben wird. Anschließend gießt man eine reichliche Portion Brennspiritus über den Sand und entzündet das Ganze. Der Kühlungseffekt soll nun dadurch eintreten, dass der Spiritus an der Oberfläche des Sandeimers abbrennt und weiterer Spiritus aus dem Sand hochgesaugt wird (eine Art Dochteffekt). Die dabei auftretende Verdunstungskälte tut ihr Übriges. Ob das Ganze funktioniert ? Keine Ahnung, aus brandschutztechnischen Gründen habe ich auf ein Experiment verzichtet. Sollte der geneigte Leser sich dazu entschließen dieses Experiment selbst zu probieren, so tut er dies auf eigene Gefahr und hoffentlich fernab von brennbarem Material.

Welche Methode auch immer man letztendlich wählt: Immer genug trinken und einen kühlen Kopf bewahren !

Gefilterte Sonne – Von Sonnenbrand und Sonnenschutz

Sommer ist’s und die Sonne scheint. Ein durchaus begrüßenswerter Umstand, wenn man an die düstere Winterzeit drängt. Vorbei ist es mit dem Stubenhocken und raus geht’s Sonne tanken. Doch halt ! Tummelt man sich über Tag allzu arglos in der Sonne kriegt man Abends dafür die Quittung: Man sieht aus wie ein gekochter Hummer, schmerzend gerötete Haut, sprich: Sonnenbrand !

Doch was genau ist Sonnenbrand und woher kommt er ? Um dies zu verstehen müssen wir uns das Sonnenlicht mal genauer betrachten:

Das augenscheinlich farblose Sonnenlicht ist gar nicht farblos, sondern ist eine Überlagerung verschiedener Wellenlängen von elektromagnetischer Strahlung, die wir einzeln betrachtet als unterschiedlich farbig wahrnehmen würden.

Jedoch enthält die Sonnenstrahlung, die uns innerhalb der Erdatmosphäre erreicht, nicht nur das sichtbare Licht, sondern auch die energiereiche ultraviolette Strahlung (UV).

UV-Licht ist hinreichend energiereich, dass es unsere Zellen schädigt, indem photochemische Reaktionen, z.B. in unserer DNA, ausgelöst werden. Diese Schäden lösen eine Reihe von Reaktionen des Organismus aus, die einer Entzündung nicht unähnlich sind, u. A. bemerkbar an Rötung, Übererwärmung und Schmerz. Wie schnell eine solche Reaktion auftritt, ist dabei von mehreren Faktoren abhängig.

Warum vornehme Blässe nicht erstrebenswert ist

Zum Einen ist dies von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Während sehr hellhäutige Menschen sehr schnell Sonnenbrand kriegen, dauert es bei dunklen Hauttypen deutlich länger, bis eine entsprechende Reaktion auftritt. Beim sehr hellhäutigen Typ I (keltischer Hauttyp, rötliches/hellblondes Haar) ist die Eigenschutzzeit, d.h. die Zeit in der ein Sonnenbrand auftreten kann, in der Mittagssonne im Sommer unter 10 Minuten. Beim mediterranen Typ IV (bräunliche oder olivfarbene Haut, dunkele Haare) wären 30 Minuten noch ok. Wer eine ganz grobe Abschätzung haben möchte zu welchem Hauttyp er gehört kann einmal einen Blick auf die Seite des Bundesamts für Strahlenschutz werfen.

Natürlich ist die Verweildauer, die man in der Sonne bleiben kann auch in großem Maße von der Intensität des Sonnenlichts ab. Bei bewölktem Himmel ist die Gefahr sich zu verbrennen eher gering. Eine Abschätzung für diesen Faktor liefert der UV-Index:

Kurze Erklärung: Die Bestrahlungsstärke einer horizontalen Fläche wird nach dem Wirkungsspektrum, d.h. der Schädlichkeit der verschiedenen Wellenlängen des Lichts gesichtet. UV-Licht mit einer Wellenlänge < 298 nm wird mit dem Faktor 1 voll berücksichtigt, während länderwelliges Licht, d.h. mit abnehmender Energie immer weniger zum Ergebnis beiträgt. Um etwas handlichere Werte zu erhalten teilt man das Ergebnis durch 25 und erhält so eine Skala die sich im Bereich von 1 bis 11+ bewegt, wobei 1-2 geringer Sonnenbrandgefahr entsprechen und bei Werten über 8 – 9 Sonnenschutz unbedingt empfohlen ist. Wer sich also entsprechend vorbereiten möchte kann dies z.B. durch Beobachten des Wetterberichts tun. Übrigens, sollten Sie den schönen Sportarten Segeln, Surfen (soll heißen Sport in oder am Wasser) oder Ski fahren (sprich: im Schnee) fröhnen gilt es ein erhöhtes Risiko zu berücksichtigen, da Schnee und Wasser Licht reflektieren und für eine erhöhte Bestrahlung sorgen !

Vor UV-Strahlung wird gewarnt !

Weitere Faktoren, die einen Einfluss auf die UV Immission haben, sind Luftverschmutzung (Staubpartikel absorbieren Licht), der geographische Breitengrad und die höhe der Lage des Standorts (je höher und je näher am Äquator desto intensiver).

Da man jedoch im Sommer auch einmal an die frische Luft möchte, muss man sich geeigneter Schutzmaßnahmen bedienen. Die magischen Worte lauten demnach Reflektieren, Streuen und Absorbieren. Drei geeignete Konzepte, damit die UV-Strahlung nicht an unsere Haut dringt.

Schutzmaßnahmen gegen die Sonne

Um die Schutzmaßnahmen nach ihrer Wirksamkeit beurteilen kann gibt es den sogenannten Lichtschutzfaktor (LSF / LPF) bzw. UV-Schutzfaktor (USF / UPF). Diese Größen geben an, wie viel mal länger man sich in der Sonne aufhalten kann, ohne dass eine Hautrötung auftritt. Ergo: Beträgt die Eigenschutzzeit 10 Minuten kann man mit LSF 20 etwa 10 min x 20 = 200 min, d.h. etwas länger als 3 Stunden in der Sonne bleiben. Doch auch hier ist ein gerüttelt Maß an Vorsicht geboten: Da trotz aller Schutzmaßnahmen, die Einwirkung der UV-Strahlung auf unsere Haut nicht völlig neutralisiert wird, sollte man die verlängerte Schutz-Zeit nicht völlig ausreizen. Etwa 60 % werden empfohlen um das Risiko langfristiger Schäden zu minimieren. Da die UV-Belastung kumulativ wirkt, sind auch vergangene Aufenthalte in der Sonne zu berücksichtigen. Hier gilt also (wie eigentlich fast überall): Nicht übertreiben !

Maßnahme LSF
Sonnenschirm ca. 15
Sonnencreme 1 – 30
Leichte Baumwollkleidung 2 – 10
Dichte Baumwollkleidung ca. 20
Schatten unter einem Baum 5 – 15

Quelle: Broschüre Textiler UV-Schutz (Link)

Wenn man nicht stationär im Schatten verharren will, so kann man z.B. den Ratschlag des Arztes Edmund Saalfeld aus dem Buch Kosmetik – Ein Leitfaden für praktische Ärzte1 beherzigen:

„Bei Wanderungen im Gebirge, auf Gletschern, an der See […] Schleier tragen. […] Ferner sollen die Hüte eine breite Krempe haben[…]. Ferner soll hier vom Puder ausgedehnter Gebrauch gemacht werden.“

Der Ratschlag leuchtet erst einmal ein. Ist die Haut abgedeckt, bekommt sie wenig Licht. Wer sich jedoch schon mal einen Pullover über den Kopf gezogen hat, der weiß, dass die meisten Textilien nicht völlig undurchlässig sind. Der Schutz durch Textilien ist nicht nur von der Art des Textils (Webdichte des Stoffs etc) abhängig, sondern auch von gebrauchsabhängigen Größen wie Feuchtigkeit, Dehnung des Stoffs, eng anliegend oder nicht und Abnutzungsgrad bestimmt. Führt man sich z.B. das Resultat eines Wet T-Shirt Contest vor Augen, dann wird offensichtlich, dass ein nasses T-Shirt entsprechend durchlässiger ist und weniger schützt.

Wer sich aber in der Sonnenhitze nicht komplett verhüllen mag, greift zur chemischen Aufrüstung des Eigenschutzes der Haut:

Molekularer UV-Schutz

Mit voranschreiten der Wissenschaften kamen dann spätestens in der 1930ern findige Chemiker auf die Idee Salben und Cremes auf Basis von UV-Filter-Materialien zu entwickeln. UV-Filter sind Substanzen, die über die Fähigkeit verfügen Licht im ultravioletten Bereich zu absorbieren und als längerwelligere, energieärmere Strahlung, die unsere Haut nicht schädigt, wieder abzugeben.

 

Wie wir auf dem UV Foto rechts erkennen können, absorbiert das Sonnenschutzmittel den UV Anteil des Lichts, der so nicht mehr auf die Haut treffen kann. Da so auch weniger UV von der Haut reflektiert wird, erscheinen die behandelten Hautpartien dunkel.

Um möglichst Effizient UV Licht absorbieren zu können, besitzen viele dieser Substanzen sogenannte konjugierte Doppelbindungen, d.h. direkt nebeneinander angeordnete Kohlenstoff-Kohlenstoff oder Kohlenstoff-Sauerstoff-Doppelbindungen.

Rot hervorgehoben: Konjugierte Doppelbindungen

Ähnlich verhält es sich auch mit der natürlichen Bräune der Haut: Diese ist eine Art natürlicher Sonnenschutz, basierend auf dem Hautpigment Melanin, welches sich beim Menschen aus den Komponenten Eumelanin (schwärzlich-braun) und Phäomelanin (gelblich-rötlich) zusammensetzt und je nach deren Verhältnis zueinander auch die unterschiedlichen Hautfarben/Hauttypen bedingt.

Körpereigener Sonnenschutz – Melanine

Alternativ besteht auch die Möglichkeit UV-Schutz durch die mineralischen Pigmente Zinkoxid und Titandioxid zu erreichen, die einfallendes Licht streuen bzw. reflektieren. Diese besitzen den Vorzug nicht wasserlöslich und unbedenklich zu sein. Nachteil: Als Weißpigment, dass man auch in Wandfarbe vorfindet, bilden sie einen weißen Schleier auf der Haut. In neueren Formulierungen von Sonnenschutzpräparaten versucht man dies durch den Einsatz dieser Stoffe als Nanopartikel zu kompensieren.

Tatsächlich enthält ein Sonnenschutzmittel meist nicht nur einen, sondern direkt mehrere dieser Wirkstoffe, da ein einzelner Stoff nicht die gesamte Bandbreite des UV-Lichts abdeckt. Ebenso findet man auch Antioxidantien (z.B. Vitamin E, Vitamin C), die dem Zweck dienen freie Radikale abzufangen, die durch UV Einwirkung gebildet werden und die UV-Filter zerstören bzw. nicht zuletzt unsere Zellen schädigen.

Wieviel ist genug ?

Wie bei allen Wirkstoffen gibt es aber auch bei Sonnenschutzmitteln ein paar Regeln, die es bei der Anwendung zu beachten gilt. Um einmal dem Gerücht entgegen zu wirken, dass der Naturwissenschaftliche Unterricht an unseren Schulen komplett am Alltag vorbei geht ein Beispiel: das Lambert-Beer’sche Gesetz, welches die Abschwächung einer Strahlung bei Durchtritt durch ein Medium mit einer absorbierenden Substanz beschreibt. Die Extraktion (El), welche hier der gewünschten Abschwächung des UV-Lichts entspricht, ist abhängig von

  1. Dem Exiktionskoeffizienten, also der Eigenschaft unseres UV-Filters, die beschreibt, wie effizient er das Licht absorbiert
  2. Der Konzentration des UV-Filters in unserem Sonnenschutzmittel
  3. Der Schichtdicke, d.h. wie dick wir die Sonnencreme auf unsere Haut auftragen.

Während wir auf Punkt 1 + 2 nur wenig Einfluss nehmen können, ist es offensichtlich, dass frei nach dem Motto viel hilft viel wir durch das Quantum, dass wir uns auf die Haut schmieren einen deutlichen Einfluss auf unseren Sonnenschutz haben.

Welche Schichtdicke benötigt man also ? Da die Dicke eines Fettfilms auf der Haut schwer zu bestimmen ist, geht man zweckmäßiger Weise von der Richtmenge von 2 mg Sonnenschutz je cm² Körperoberfläche aus. Das wären bei einer durchschnittlichen Körperoberfläche2 etwa 35 g. Wer es genau berechnen möchte:

Gegenanzeigen

Doch wie heißt es immer so schön in der Pharmawebung: „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie bitte…“ Klarer Fall, überall wo man sich Wirk- und Zusatzstoffe zuführt, ist die Frage nach unerwünschten Nebeneffekten nicht fern.

Tatsächlich lässt sich für manche der UV-Filter im Tierversuch eine hormonähnliche Wirkung nachweisen, die aber vom Bundesamt für Risikobewertung3 als für den Menschen als nicht relevant bewertet wird. Dies gilt natürlich vor der Maßgabe, dass das entsprechende Sonnenschutzmittel nicht in exzessiven Mengen eingesetzt wird. Ebenso ist sicherlich ein größeres Maß an Vorsicht bei Risikogruppen wie Schwangere oder stillende Müttern angebracht, bei hormonelle Einflüsse besonders kritisch auswirken können.4

Ebenso findet man den Einwand, dass bei Anwendung eines UV-Blockers mit LSF 20 etwa 95 % der Vitamin D Produktion, die UV-B Licht benötigt, zum Erliegen kommt. Um dennoch auf seine Kosten zu kommen empfiehlt das Robert Koch Institut: „Dies kann aber leicht durch einen kurzen (15-20 Minuten) Aufenthalt im Freien mit nicht eingecremten Armen und Gesicht, bei sonst textilgeschützter Haut kompensiert werden.“

Sicher das wichtigste Argument FÜR UV-Blocker ist die Hautkrebsprävention. So konnte in mehreren Studien gezeigt werden, dass der Einsatz von UV-Blockern das Risiko an schwarzem Hautkrebs zu erkranken, je nach Studie 18-33 % reduziert ist.5

Paradoxerweise gibt es auch Studien, die zeigen, dass es trotz Auftragen eines Sonnenschutzmittels zu erhöhtem Auftreten von Hautkrebs kommt. Dies ist jedoch nicht durch die Natur des Sonnenschutzmittels bedingt, sondern dadurch dass, gerade bei Einsatz von moderatem Lichtschutzfaktor, die Leute trotzdem eine erhöhte Dosis UV abkriegen, da sie sich sorgloser in der Sonne bewegen. 6, 7 Unter anderem wird dort bemängelt, dass sogenannte Confounder-Effekte, d.h. verdeckte Störeffekte aus Umwelt und falscher Anwendung nicht von den Studien berücksichtigt werden. Ein Umstand der solche und ähnliche Studien schwer zu interpretieren macht und dazu führt, dass regelmäßig in den Medien „eine neue Sau durch’s Dorf getrieben wird“.

Insgesamt kann man zu dem Schluss kommen, dass selbst wenn man die eingangs erwähnten Negativeffekte von Sonnenschutz berücksichtigt, insgesamt der Risiko-Nutzen-Faktor eine positive Bilanz aufweist.

 

  1. Springer Verlag, 1908.
  2. https://de.wikipedia.org/wiki/Körperoberfläche
  3. https://www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2005/32/immer_auf_ausreichenden_sonnenschutz_achten_-6891.html
  4. https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2008/daz-31-2008/die-schattenseiten-von-uv-filtern
  5. Reza Ghiasvand, Elisabete Weiderpass, Adele C. Green, Eiliv Lund, Marit B. Veierød: Sunscreen Use and Subsequent Melanoma Risk: A Population-Based Cohort Study. In: Journal of Clinical Oncology. https://doi.org/10.1200/JCO.2016.67.5934
  6. Journal of Clinical Oncology 34, 3976. http://dx.doi.org/10.1200/JCO.2016.67.5934
  7. http://annals.org/aim/article-abstract/716987/sunscreen-use-risk-melanoma-quantitative-review?volume=139&issue=12&page=966

Wenn die Maschinen streiken

Immer wieder hört man, dass Kollege Computer eines Tages dank Automatisierung uns alle arbeitslos machen wird. Wiederum anderswo wird die Rache der Maschinen als mögliches Weltuntergangsszenario heraufbeschworen, z.B. in der Terminator-Reihe, in der das finstere SkyNet mit Killer-Robotern versucht die Menschheit zu Vernichten. Oder im Song Dusche von Farin Urlaub, in welchem sich die Haushaltsgeräte verschwören, den Protagonisten des Lieds meuchlings und hinterrücks zu ermorden.

Terminator Exhibition T-800 - Menacing looking shoot
Gestatten: Arnold – Rebellion der Maschinen
Doch wenn man mal genauer drüber nachdenkt, ist ein solcher Aufwand gar nicht notwendig. Kein Killerroboter muß sich die chromglänzenden Finger schmutzig machen, um der Menschheit tüchtig Einen einzuschenken. Er und seine Maschinenkollegen brauchen sich einfach nur zurückzulehnen und zuzusehen, wie unsere Zivilisation zum Erliegen kommt, wenn die Maschinen aufhören ihren Dienst zu verrichten. Denn: Immer mehr Aspekte des täglichen Lebens sind in zunehmendem Maße von Elektronik bestimmt.

Dies wurde mir gerade vor ein paar Tagen bewußt, als mein Bürocomputer auf Arbeit spontan das Zeitliche segnete. Da war dann erst mal Zwangspause angesagt: Der überwiegende Anteil der arbeitsrelevanten Daten existieren nur noch in elektronischer Form. E-Mails verschicken: Fehlanzeige. Gut, dass ich alle wichtigen Telefonnummern auf einem Stück Papier stehen habe, denn auf das Telefonverzeichnis der Firma (im Intranet) konnte ich ja auch nicht zugreifen, um herauszufinden, wie ich den EDV Experten erreiche !

Ähnlich ergeht es wohl auch vielen im privaten Bereich, wo einige neuralgische Aspekte des täglichen Lebens mittlerweile mit dem Smartphone koordiniert werden. Familie und Freunde anrufen wird schwierig, wenn alle Kontaktdaten in der Cloud stecken und Smartphone & Tablet streiken. Aber anrufen oder SMSen geht ja ohne Telefon eh nicht. Mit etwas Glück erinnern wir uns vielleicht an die Postanschrift und verfassen – ganz oldschool – handschriftlich einen Brief. Ein Phänomen, welches Heutzutage leider aus der Mode gekommen ist.

Aber selbst wenn nur das Handy-Netz ausfällt, ergeben sich daraus schon interessante Komplikationen. Die heutzutage schon als selbstverständlich angenommene ständige Erreichbarkeit ist nicht mehr gegeben. Wer nicht daheim ist, kann auch keine Anrufe entgegen nehmen. Dementsprechend war es früher üblich eine Nummer für tagsüber (für Notfälle) und eine für Abends mit seinen Kontakten zu teilen.

Überhaupt wird Informationsübermittlung, d.h. also auch die mediale Teilnahme am Weltgeschehen, schwierig. Radio und Fernsehen sind elektronisch, von Online Medien (diesen Blog hier eingeschlossen) mal ganz zu schweigen. Wer ließt in unserer schnelllebigen Zeit noch eine richtige Zeitung (vom ruhigen Frühstück am Wochenende mal abgesehen)? Da wird zwischen Tür und Angel in der Straßenbahn mal schnell überflogen, was tagesschau.de und Spiegel Online so bringen.

Auch Online Recherche gibt es nicht mehr. Computer kaputt? Fahrradreifen platt? Rotweinflecken aus einem Seidenhemd entfernen? Tja, bei YouTube hätte es jetzt ein Do-it-yourself-Tutorial-Video gegeben, wie man einfache Reparaturen selbst ausführt. Aber auch anspruchsvollere Recherchen gibt es nicht mehr. So sind in der Wissenschaft alle Fachjournale weitestgehend elektronisch verfügbar. Die Bibliotheken verzichten zunehmen auf die Anschaffung der Printausgaben. Elektronische Kommunikation ist im modernen Wissenschaftsbetrieb nicht mehr wegzudenken.

Nachts um 2 Uhr noch schnell Klamotten kaufen ? Online Shopping !

Während man den täglichen Einkauf auch heutzutage gerne noch offline erledigt und auch vieles Andere ohne große Mühe vor Ort zu beschaffen ist (Ok, kleine Dörfer jetzt mal ausgenommen.), wird es schon etwas kritischer, wenn man etwas ganz bestimmtes Spezielles braucht, dass erst bestellt werden muss. Dann geht offline nämlich erst mal ein mühevolles Wälzen von Katalogen oder eine langatmige Hatz durch den einschlägigen Fachhandel (der das Teil auch gerade nicht an Lager hat) los, der das gerne für sie bestellt. Übernacht Expressversand können wir uns aber abschminken. Ein positiver Effekt ist wiederum, dass der kleinen Händlers um die Ecke gestärkt wird und man den guten persönlichen Kontakt pflegen kann.

In unser Freizeit ändert sich auch so Einiges… Kein Prokrastinieren im Internet, kein Zocken auf der Konsole, kein Fernsehen oder Netflix, kein Musikhören oder „Bubble Witch“-Spielen in der Straßenbahn. Also ab geht’s an die frische Luft. Oder bei Regen mal wieder ein gutes Buch lesen.

So kann man die Aufzählung fast beliebig lange fortsetzen. Neben einiger Erschwernisse, gibt es aber auch in mancherlei Hinsicht hätte gewisse positiven Seiten, wie wir bereits gesehen haben. Zum Beispiel in puncto immerwährende Erreichbarkeit. Neben so ganz offensichtlichen Dingen, dass Niemand gerne nach Feierabend oder im Urlaub vom Chef angerufen werden möchte, hat die ständige Erreichbarkeit auch negative Auswirkung auf unseren Umgang miteinander:

Während früher Verabredungen ein gewisses Maß an Vorausplanung und Zuverlässigkeit erforderten, setzt man heute auf „Spontanität“: Absagen und Planänderungen in letzter Minute und Arrangements a la „Geh schon mal vor, ich komme später und erfrage Deinen Aufenthaltsort“ sind leider im Trend. Ein Aspekt unseres elektronischen Lebens, der entbehrlich ist, denn der Grat zwischen „Spontanität“ und Unzuverlässigkeit ist schmal. Wer früher zu spät kam, hatte Pech gehabt und musste sich dem Ärger der versetzten Gegenpartei stellen. Auch die Kommunikation via SMS, WhatsApp etc., so praktisch sie manchmal ist, hat ihre Schattenseiten. Man mag den Eindruck gewinnen, dass man sich heutzutage nicht mehr soviel Mühe zu geben braucht, um den Kontakt mit seinen Bekannten aufrecht zu erhalten. Eine schnelle Kurzmitteilung und ein paar Fotos im Anhang müssen genügen, um seine Mitmenschen an seinem Leben teilhaben zu lassen, anstelle sich die Zeit für ein persönliches Treffen zu nehmen. Kommt es zu einem Treffen ist es auch eine verbreitete Unsitte ständig mit einem Auge auf’s Smartphone zu schielen und selbiges gut sichtbar auf dem Tisch zu platzieren oder sogar während einer Unterhaltung mal schnell Facebook zu checken. Während dies unter Freunden und Geschäftspartnern schon unhöflich ist, verbietet sich dies ganz besonders beim Essen.

Wir empfehlen: Das lustige Handyspiel (gegen Online Junkies beim Abendessen)

Alle legen Ihr Telefon mit dem Display nach unten in die Mitte des Tischs. Dann wird gegessen. Der Erste, der sein Handy wieder in die Hand nimmt, bevor die gemeinsame Mahlzeit beendet ist, bezahlt die gesamte Rechnung.

Das fortwährende Schielen aufs Handy, das gefürchtete Phantomvibrieren in der Hosentasche und das grundlose Zusammenzucken, wenn das Handy des Nachbarn Geräusche macht: Alles Ausprägungen unserer Angst etwas zu verpassen. Ebenso gibt es Studien, die gefunden haben wollen, dass die ständige mediale Dauerberieselung unseres Gehirns negative Einflüsse auf unser Gedächtnis hat. Der ständige Zustrom an Informationen, lässt uns kaum Zeit das Erfahrene im Gedächtnis abzuspeichern.

Mehr Wohlbefinden durch weniger Smartphone

Als Intervention wider dieses leidlichen Umstands, wurde das sogenannte Digital Detox erfunden. So wie man zur Entgiftung auf Alkohol, Zigaretten und Koffein verzichten kann, so kann man auch zur mentalen Regeneration auf Smartphone und Computer verzichten. Da es dem Menschen aber oft schwerfällt liebgewonnene Marotten abzulegen, hat die Wellness Industrie hierfür die passenden unterstützenden Maßnahmen geschaffen. Von Seminaren, die zu verantwortungsbewußtem Medienkonsum animieren, während das Handy im Safe des Tagungshotels weggeschlossen wird, bis hin zum Digital Detox Bootcamp . Nordic Walking am Busen der Natur zum Beispiel eignet sich hier vortrefflich, ganz besonders dann, wenn kein Handymast mehr in Reichweite ist. Aber solche elektronikfreien Refugien im Funkloch werden immer seltener. Selbst im ländlichen Masuren im Nordosten Polens, wo es mehr Mücken als Menschen zu geben scheint, steht im von Wald- und Seenlandschaft umgebenen 260 Einwohner Dorf Krutyn ein veritabler LTE-fähiger Funkmast.

Für Sie getestet: Holzhütten mit LTE Empfang

Vielleicht tun die Maschinen uns letztendlich sogar etwas Gutes, wenn Sie in den Streik treten. Dann brauchts eben doch den Terminator für den Aufstand der Maschinen. 🙂

Das Arsenal des Hobbykochs

Für alle Lebenslagen gibt es mittlerweile Gadgets, die uns den Alltag erleichtern sollen. So auch in der Küche, wo es für jede noch so ausgefeilte Aktivität mittlerweile ein mehr oder weniger sinnvolles Spezialwerkzeug gibt. Klar, vieles lässt sich auch mit der Basisausstattung machen, allerdings versprechen die Gadgets den Workflow zu beschleunigen und einfacher zu gestalten. Beispiel: Der Eierschneider. Ein hartgekochtes Ei lässt sich natürlich ohne Probleme mit einem Messer in Scheiben schneiden, aber der Harfen-förmige Eierschneider macht dies mit nur einer Handbewegung und erzeugt einheitlich dicke Scheiben, etwas, was mit dem Messer ein gewisses manuelles Geschick voraussetzt.

Alles überflüssiger Schnickes, mag da Mancher meinen. Aber mal Hand auf’s Herz: In jeder Küche gibt es eine düstere Ecke oder Schublade, in dem solche Küchenhelfer ihr Dasein fristen, nachdem die von der Werbung versprochene Revolutionierung der Küchenarbeit nach paarmaliger Benutzung letztendlich ausgeblieben ist. Daher möchte ich den heutigen Beitrag mal dazu nutzen ein paar dieser kulinarischen Wunderwaffen etwas Gehör zu verschaffen.

Eine Kunst für sich und offenbar auch eine optimierungsfähige Tätigkeit im Küchenalltag ist die Zubereitung des perfekten Frühstücksei. Hier findet sich gerade eine wahre Mannigfaltigkeit an Gadgets und Küchenhelfern. Für das perfekte Frühstückserlebnis sollte das Ei au point, also auf den Punkt gegart sein. Für mich würde dies bedeuten: Eiweiss fest, aber der Dotter gerade noch flüssig. Es gibt zwar Faustregeln, die die ungefähre Kochdauer abschätzen, aber dennoch bleibt eine gewisse Schwankungsbreite des Endresultats. Um diese zu eliminieren kann man sich der Problematik wissenschaftlich nähern und z.B. eine empirisch bestimmte Formel zur Berechnung der Kochzeit nehmen…

Formel nach C.D.H. Williams, University of Exeter

…oder ein raffiniertes Gadget wie das Piep-Ei verwenden. Dieser Küchenhelfer ist ein elektronisches Kunststoffei, dass mit den zu kochenden Eiern im Kühlschrank aufbewahrt wird, damit es die selbe Temperatur hat wie das „Gargut“ und mit diesem dann auch ins heiße Wasser gepackt wird. Ist nun die Innentemperatur erreicht, die dem gewünschten Härtegrad entspricht, beginnt das Piepei zu musizieren und zeigt damit an, dass die übrigen Eier dem heißen Wasser entnommen werden können. Entsprechend der gewünschten Härte gibt es die Modelle Detlef (Weich), Schantall (Mittel) und Hartmut (Hart).

Quelle: Amazon.de

Was jedoch tun, wenn kein Herd und/oder Topf zur Hand ist, dafür aber eine Mikrowelle ? Das ist erstmal so ohne Weiteres keine gute Idee. Die Mikrowelle erhitzt das Ei von Innen nach Außen ziemlich flott auf. Der Druck steigt… Peng Kaputt ist das Ei und eingesaut ist die Mikrowelle. Dennoch kann man Eier auch in einer Mikrowellekochen… Mit einem speziellen Mikrowellen-Eierkocher. Dieser Ei-förmige Plastikbehälter beinhaltet ein kleines Aluminiumgefäß, dass erst mit Wasser und dann mit dem Ei beschickt wird. Deckel drauf und ab damit in die Mikrowelle. Die Mikrowelle erhitzt nun das Wasser, welches wiederum das Ei kocht. Eine große Erleichterung bringt dieses Werkzeug nicht, denn das Eierkuchen geht auch nicht schneller als im Kochtopf. Im Gegenteil, bei meinem Versuch hätte es sogar noch etwas länger gebraucht den gewünschten Härtegrad zu erreichen. Seitdem fristet dieses Gadget ein eher unrühmliches Dasein in meinem Küchenschrank. Vorteile hat man wohl erst dann, wenn man sich im Büro schnell ein Ei zubereiten will und wirklich keinen Kochtopf griffbereit hat. Zuhause braucht man einen solchen Firlefanz nicht, denn Wasserkocher im Topf kann jeder.

Eierkocher für die Mikrowelle

Eieröffner

Das ein ist gekocht, jetzt müssen wir es nur noch aufklopfen. Leider ist anschließend der Tisch nicht selten mit den Trümmern der Schale bestreuselt. Oder man köpft – wie brutal – das Ei und hat die Trümmer dann evtl. IM Ei. Um das ganze etwas geschmeidiger zu gestalten gibt es ein ganzes Arsenal an Eieröffnungsgeräten. Sehr schön – schon ob des schicken Namens – ist der Eiersollbruchstellenerzeuger, ein kleiner Metallhelm für das Ei mit scharfem Rand und aufgesetzter Fallkugel nebst Führungsschiene. Helm aufs Ei, Kugel herunter schnellen lassen und – KLACK ! – hat der scharfe Rand eine grade Sollbruchstelle in die Schale geschlagen, die man jetzt einfach nur abheben muß. Positive Noten gibt es schon mal für den Showeffekt dieses zu den spektakuläreren Methoden gehörigen Verfahren ein Ei zu öffnen. Klappt auch ganz manierlich jedoch nicht immer.

Quelle: Amazon.de

Der persönliche Eierkoch

Für ganz Verwegene und raffinierte Individualisten, die keine Lust auf die bisher genannten Eier-Gadgets haben und denen Spiegelei und simples Rührei zu ordinär ist, gibt es noch eine weitere Möglichkeit zur Zubereitung von Eiern: den Egg coddler oder in Deutsch – den Eierkoch. Einst eine Erfindung aus England, damit die feinen Damen aus hohem Haus sich nicht die Fingernägel beim Eierpellen ruinieren, heute immer noch populär, da vielseitig einsetzbar um kleine mehr oder minder ei-basierte Leckereien zu zaubern. Ursprünglich ein kleiner Porzellanbecher mit Schraubdeckel, heute auch aus hitzebeständigem Jenaer Glas – Design by Wilhelm Wagenfeld – einem berühmten Deutschen Industriedesigner und Bauhaus Schüler.

Gestern wie heute wird das Ei vor dem Garen von der Schale befreit, in den Becher gefüllt ggf. noch weitere Zutaten zur Verfeinerung (Käse, Kräuter etc.) zugegeben, der Deckel verschlossen und dann zum Garen in Wasserbad oder den Backofen gestellt. Das Resultat ähnelt dann, je nachdem ob man das Ei verquirlt oder nicht, entweder einem pochierten Ei oder einem luftig-duftigen Kleinst-Omelette (Übergänge zum Soufflee sind fließend). Natürlich lassen sich im gläsernen Wagenfeld Eierkoch noch andere kleine Gerichte wie z.B. halbfester Schokokuchen zubereiten. Definitiv also eine nützliche Ergänzung für das Küchenwerkzeug, vielleicht auch nicht für jeden Tag.

Vorher und Nachher… Luftiges Omelette mit Käse, Tomate, Schinken und Kräutern aus dem Eierkoch

Wallnüsse aus dem Linearbeschleuniger

Eier Pellen ist ja noch einfach. Etwas mehr Anstrengung bedarf es, wenn man eine Wallnuss essen will. Ohne Werkzeug ist man ziemlich aufgeschmissen. Es gibt Nussknacker in Form von Zangen und Schraubstöcken oder als traditionelle Holzfigur. Und es gibt eine Art Linearbeschleuniger für Nüsse. Diese Nuss-Schleuder besteht aus einem Metallbecher auf den eine Gummimembran aufgezogen wird. Die Nuss wird mitsamt der Membran zurück gezogen und dann – FLITSCH! – mit Schmackes auf den Boden des Metallbechers geschossen. Der Becher wird geöffnet und die zerschellte Nuss entnommen. Auch ein Werkzeug, dass man mehr für den Showeffekt besitzt und weniger weil es praktisch ist.

Moderner Show-Nussknacker
Traditioneller Nussknacker

Eine Drehbank für Äpfel

Und dann gibt’s noch den Apfelschäler. Nein, nicht den beliebten Sparschäler. Diese Schälmaschine schält nicht nur, sondern entfernt auch das Kerngehäuse und spiralisiert den Apfel. Das Endprodukt sieht ganz fesch aus, aber wenn man den Apfel in seiner Gänze oder in Form von Spalten braucht, ist dieses Gerät ungeeignet. Auch wird ziemlich viel wertvolles Fruchtfleisch abgeschält. Aber es macht Spaß einen Apfel durch die Maschine zu kurbeln. Wie so etwas funktioniert kann man im folgenden Video sehen:

Angeln nach Gurken

Jetzt geht’s ans Eingemachte. Denkt man an die eingelegte Gewürzgurke, dann fällt früher oder später das Stichwort „Cornichon“. Cornichon ist eine Gewürzgurke französischer Prägung. Nun muß einem findigen Franzosen irgendwann einmal leid gewesen sein, die sauren Gurken mit der Gabel aus der Lake zu fischen. Der Gebrauch der Finger schied auch aus, da niemand Gurlenlake mag, in der schon einmal ein anderer seine Fettfinger gebadet hat. Seitdem kommt das französische Gurkenglas mit einem Gurkenfahrstuhl (ascenseur de Cornichons) auf den Markt, einem Kellen-förmigen Gurkenheber mit Arretierungshaken, mit dem die Gurken aus der Lake gehoben werden können und dem Esser zur einfachen Entnahme offeriert werden. Eine Errungenschaft, die in Deutschland den großen Durchbruch noch nicht so richtig geschafft hat und demnach schwer zu bekommen ist. Sicherlich ganz praktisch, wenn diese Vorrichtung schon serienmäßig mit dem Glas geliefert wird, doch es geht auch gut ohne. Eine mögliche Erklärung mag sein, dass die französische Cornichon klein aber fein ist, während die gestandene deutsche Gewürzgurke ein ganz schöner Klopper ist und aufgrund ihrer Größe sich bei Anwendung des Gurkenfahrstuhls in der Glasöffnung verklemmt.

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Made in France: Der Gurkenfahrstuhl

Vielleicht ist aber auch das deutsche Gemüt nicht empfänglich für soviel Raffinesse beim Gurkenverzehr. Jedenfalls ist der Gurkenfahrstuhl in französischen Importgurkengläsern nicht enthalten und in deutschen Gläsern schon mal gar nicht.

Und das ist nur eine kleine Auswahl der am Markt verfügbaren Küchenhelfer. Daher die Frage an die Leser: Was für raffinierte Konstruktionen schlummern in Euren Küchenschränken ?

Ein Sack voll Geld

Heute möchte ich mal wieder der Internetgemeinde meinen Unmut kund tun, über eine weitere Kleinigkeit des Alltags, die einem ganz schön auf die Nerven gehen kann.

Jeder kennt das Problem: Mal wieder 19,67 € eingekauft, mit einem 20 € Schein bezahlt, folglich 33 ct Rückgeld eingestrichen. Wiederholt sich das Procedere ein paar mal, dann sammelt sich ein kapitaler Batzen an Münzgeld im Portemonnaie… Gut, man könnte auch passend bezahlen und die angesammelten Münzen wieder ausgeben, aber entweder man hat es selber eilig oder scheut davor zurück die Kassenschlange durch überlanges Zusammensuchen des Betrags auszubremsen. Ergo: Damit der prall mit schwerem Hartgeld gefüllte Geldbeutel einem nicht irgendwann die Hose auszieht, „entsorgt“ man die unliebsamen Kupfermünzen (1-,2-, 5 ct) in ein Groschengrab (aka Sparschwein). Spulen wir nun einen gewissen Zeitraum vor, dann ist auch irgendwann das Sparschwein voll und wird geschlachtet. Doch wenn der stolze Sparer dann mit der Ausbeute des Schlachtfests zur Bank läuft, um diese aufs Konto einzuzahlen, dann kann dies (mittlerweile) zu Verdruss führen. Die Annahme der Münzen ist nämlich bei den Banken unbeliebt.

Ein Groschengrab
Ein Groschengrab

Während die Einzahlung einst relativ einfach und vor allen Dingen gratis von statten ging, indem man das Geld in einen Münzannahme-Automaten kippte, der das Kleingeld zählte und anschließend den Betrag dem Konto gutschrieb, muss man heute zum Schalter um die Einzahlung zu tätigen. Solange man nur 50 Münzen dabei hat, muß man zwar das Maulen des Bankers über sich ergehen lassen, aber das Geld wird anstandslos dem eigenen Konto gutgeschrieben. Ab der 51. Münze aber geht der Spaß los.

Der Safebag
Der Safebag

Dann darf man erst mal vom Sparstrumpf in einen Safebag (eine aufgepimpte Plastiktüte) umfüllen und die Münzen zur späteren gebührenpflichtigen Bearbeitung da lassen. So berechnet die Ostsächsische Sparkasse hierfür eine Gebühr von 5 €. Je nachdem in welcher Stückelung das Geld vorbei bringt, reicht der eingezahlte Betrag noch nicht mal, die Gebühren zu decken. Wenn Sie also mal schnell 51 1-Cent-Stücke loswerden wollen… Vergessen Sie’s.

Das Corpus Delicti
Das Corpus Delicti

Pro Beutel sind 4 kg zulässig. Die gilt es also maximal auszureizen. Denn je höher der eingezahlte Betrag, desto geringer der prozentuale Verlust durch Gebühren. Mit Hilfe der offiziellen Maße und Gewichte der Euromünzen kann man nun ausrechnen, welche Geldbeträge man in den Beutel rein kriegt. Befüllt man ihn Sortenrein, kommt man auf die folgenden Beträge:

m Stck. Betrag Anteil Gebühr
1 Cent 2,30 g 1739 17,39 € 28,7 %
2 Cent 3,06 g 1307 26,14 € 19,1 %
5 Cent 3,92 g 1020 51,00 € 9,8 %
10 Cent 4,10 g 976 97,60 € 5,1 %
20 Cent 5,74 g 697 139,40 € 3,6 %
50 Cent 7,80 g 513 256,50 € 1,9 %
1 Euro 7,50 g 533 533,00 € 0,9 %
2 Euro 8,50 g 471 942,00 € 0,5 %

Wir sehen, wenn wir besonders sparsam sind und 2 Euro Stücke horten, dann haben wir nicht nur 942 € angesammelt, die 5 € Gebühr entsprechen dann nur 0,5 %, im Gegensatz zu einem Sack 1 ct Münzen, bei denen von den 17,39 € Sparsumme satte 28 % Gebühren abgehalten werden !

Die Gewichtsbeschränkung halten wir also ein, aber passen 4 kg auch in den Beutel ? Oder anders gefragt: Wie groß muss mein Sparstrumpf sein um das gewünschte Quantum Kleingeld zu sammeln bevor wir es in den Wertsack umfüllen ?

Mit Hilfe der Formel für Zylindervolumen können wir das Volumen von Münzen ausrechnen, dass sich bei den jeweiligen Beträgen irgendwo zwischen 527 mL und 604 mL ansiedelt. Problem: Dieses Volumen gilt nur für sortenreine Münzsammlungen, die in Form einer Wurst wohlgeordnet gestapelt sind. Liegen die Münzen aber in loser Schüttung vor, dann nehmen sie natürlich mehr Platz ein. Zum Volumen der Münzen kommt noch das der Luft dazwischen hinzu. Wenn wir die Fachliteratur zu dem Thema befragen, dann stellen wir fest, dass ein findiger Physiker1 sich schon mal mit dem Thema beschäftigt und durch Simulationen herausgefunden hat, das die Volumeneffizienz von solchen ungeordneten Haufen nur
64 % beträgt. Bedeutet: In ein 1 L Gefäß passen also nur 640 mL reines Münzvolumen.

Mittels eines Messbechers habe ich nun experimentell ermittelt, dass in den Wertsack bis zur Markierung etwa 1,3 L gehen, was im Idealfall also 832 mL (gut verdichteter) Münzen entsprechen würde. Also auch das passt.

Nun sammelt aber niemand penibel immer nur eine Münzsorte. Wie ist also die Zusammensetzung eines typischen Groschengrabs ? Wenn wir also annehmen, dass wir alle Münzsorten sammeln und diese entsprechend ihrer Häufigkeit im Umlauf bei uns im Portemonnaie landen, ergibt sich das folgende Szenario:

Nennwert Anteil Stück Volumen [mL] Masse [g] Wert
1 Cent 27,1% 265 92 609,59 2,65 €
2 Cent 20,9% 204 94 625,47 4,08 €
5 Cent 16,1% 157 93 617,24 7,85 €
10 Cent 11,6% 113 67 465,14 11,30 €
20 Cent 8,9% 87 72 499,62 17,40 €
50 Cent 4,8% 47 52 366,16 23,50 €
1 Euro 5,7% 56 55 418,10 56,00 €
2 Euro 4,8% 47 54 399,02 94,00 €
Gesamt 100% 977 579 4000,34 216,78 €

Wenn wir also die 4 kg voll ausreizen, kämen wir auf ca. 216,78 € (2.31 % Gebühren). Sortieren wir nur die fiesen kleinen Münzen aus, also alles was kleiner 50 ct ist, und schätzen ab wie häufig die in Wechselgeld vorkommen, sind es 79,80 € (6.27 % Gebühren):

Nennwert Anteil Stück Volumen [mL] Masse [g] Wert
1 Cent 13,9% 144 49,76 330,41 1,44 €
2 Cent 27,8% 288 132,58 879,82 5,76 €
5 Cent 17,4% 180 106,42 704,33 9,00 €
10 Cent 20,5% 212 125,39 869,49 21,20 €
20 Cent 20,5% 212 176,46 1217,29 42,40 €
Gesamt 100,0% 1035 591 4001,34 79,80 €

Was gibt es für Alternativen, wenn man keine Gebühren zahlen will ? Sofern man kein Konto bei einer Bank hat, die diesen Service anbietet, kann man sich immer noch vertrauensvoll an die Deutsche Bundesbank wenden. Da hier nur getauscht wird, empfiehlt es sich vorher einen durch 5 teilbahren ganzen Eurobetrag abzuzählen, damit man komplett in Scheine umtauschen kann.

Leider unterhält die BuBa nicht überall Filialen, Tendenz abnehmend. Von Dresden aus müsste ich mich also nach Chemnitz begeben. Und dadurch kommt diese Transaktion auch nicht ganz kostenfrei daher. Den Zeitaufwand mal nicht mitgerechnet, schlägt die Anreise mittels Bahn mit 24 € (Sachsen-Ticket) bzw. mittels Auto mit 22,21 € zu Buche. In jedem Fall also teurer als die Gebühren der Sparkasse.

Eine Entsorgungsfahrt von Dresden nach Chemnitz

Aber halt… Bestehen 1-, 2- und 5-Cent Münzen nicht aus Kupfer, dass ja bekanntlich ein teurer Wertstoff ist (einen schönen Gruß an die Buntmetalldiebe !) ? Dann könnte es sich ja vielleicht lohnen die Münzen als Altmetall zu verkaufen. Legen wir den aktuellen Kupferpreis von
5,74 €/kg zu Grunde würde sich sowas höchstens für 1 ct Münzen lohnen. Doch Ach ! Die „Kupfermünzen“ bestehen nicht aus massivem Kupfer, sondern bestehen aus Stahl, der mit einer dünnen Kupferschicht veredelt wurde.

Der bekannteste aller „Wunschbrunnen“ – die Fontana di Trevi

Bleibt also nur eine Möglichkeit: Ausgeben ! Idealerweise an Münzautomaten. Oder machen Sie doch mal eine Urlaubsreise, z.B. nach Rom, wo sie Ihr Kleingeld in den Trevi Brunnen werfen können (Stichwort: Wunschbrunnen !). 1 Münze: Eine sichere Rückkehr nach Rom. 2 Münzen: Der Werfende verliebt sich in einen Römer / eine Römerin. 3 Münzen: Wie 2 Münzen + Heirat. Die Stadtverwaltung von Rom hat die verantwortungsvolle Aufgabe übernommen, die Münzen von Zeit zu Zeit zu entfernen. So fanden 2013 immerhin 1,3 Mio. € ihren Weg in die römische Stadtkasse. Oder aber sie nehmen das Heft selbst in die Hand und spenden das Geld direkt einem guten Zweck ihrer Wahl. Dann ist das Geld zwar weg, aber sie haben das angenehme Gefühl etwas Gutes getan zu haben !

  1. J. G. Berryman Phys. Rev. A 1983,27,1053.

Password Panic

Manche Probleme bleiben gestern wie heute die selben: Will man sein kostbares Hab und Gut schützen bzw. unliebsame Zeitgenossen draußen halten, ist man auf einen Schließmechanismus angewiesen. In der Vergangenheit geschah dies rein mechanisch mit Schlüssel und Schloß, heute im digitalen Zeitalter greift man in zunehmendem Maße auf Passwörter zurück. Schon allein deswegen, weil man an rein digitalen Konstrukten kein Schloß anbringen kann. Und die Zahl der zu sichernden digitalen Vorgänge ist groß. Unverzichtbar (zumindest fast) sind heutzutage ja mindestens E-Mail-Postfach und Bankkarte. Hinzu kommen Entsperrungscode für das Handy, Zugangsdaten für soziale Netzwerke (Facebook, Twitter, Instagram etc.), Kundenkonten für Online Shopping (Amazon, Ebay…) und Dienstleister (Bücherei, Telekom, Stromanbieter, Pizzabote…), Online-Banking, Passwörter für die EDV des Arbeitgebers und selbst das Zahlenschloss am Fahrrad ist streng genommen ein Passwort.

(Quelle: Pixabay / succo)
(Quelle: Pixabay / succo)

Im Sinne einer Risikominimierung, sollte man natürlich für jedes „digitale Schloss“ (aka Login) ein eigenes Passwort benutzen. Ein universal Passwort ist zwar praktisch, aber fällt es einem übelgesonnten Mitmenschen in die Hände ist nicht nur ein Zugang kompromittiert, sondern direkt alle. Beim „analogen“ Schlüssel & Schloß System hat man früher alle Schlüssel einfach zu einem Schlüsselbund zusammengefasst und diesen dann mit sich herum getragen. Die Größe des Schlüsselbunds war nur durch die Größe der eigenen (Hosen-)Taschen begrenzt. Nachteil: Zerstreute Menschen mussten (und müssen) erstmal ihre Schlüssel suchen. Ein Passwort hingegen kann man nicht liegen lassen. Ein gutes Gedächtnis vorausgesetzt, hat man es immer dabei. Zumindest theoretisch, denn eine Vielzahl von Passworten (+ zugehörige Benutzernamen !) ist schwer zu merken. Das Problem wird jedoch noch komplexer !

(Quelle: Pixabay / genesis_3g)
(Quelle: Pixabay / genesis_3g)

Man hört es ja mittlerweile fast täglich in den Medien: Cybercrime greift um sich ! Raubzüge & Einbrüche geschehen schon längst nicht mehr nur im analogen Alltagsleben. Entweder werden Passworte im wahrsten Sinne des Wortes „ausgespäht“ (Psst… Hinter Ihnen geht einer, hinter Ihnen steht einer, drehen Sie sich nicht um…) oder mit raffinierten Methoden digital abgegriffen und geknackt. Zum Beispiel durch gezieltes Raten… In dem man einen Computer ein spezielles Wörterbuch durchprobieren lässt. Oder man probiert in einem einzigen großen Kraftakt (daher auch der Name Brute Force Attack) sämtliche erdenklichen Kombinationen durch. Um es dem Cybergangster nun möglichst schwer zu machen ist bei der Passwortwahl einiges zu beachten:

  • Keine Standard-Passwörter verwenden (Passwort, Geheim etc.) Das ist genauso, als würde man sein Fahrrad-Schloß auf 0000 stehen lassen.
  • Keine richtigen Wörter verwenden !
  • Möglichst schwurbelige Zeichenkombinationen verwenden und das Passwort möglichst lang wählen, damit ein Erraten möglichst lange dauert ! Bei 6 Zeichen Länge hat man, wenn man nur Zahlen verwendet 106 = 1.000.000 Kombinationen. Das ist für einen Computer noch leicht. Bei Buchstaben (nur kleine) sind es bereits 266 = 308.915.776 Kombinationen und nimmt man alles, was die Tastatur hergibt, dann sind wir schon bei 646 = 68.719.476.736 also fast 69 Milliarden Kombinationen. Wenn wir jetzt noch auf >8 Zeichen verlängern wird es noch extremer ! Das sollte einen Passwortknacker also eine weile beschäftigen !

Werden diese Kriterien vom Onlinedienst tatsächlich auch eingefordert, kann die Wahl eines neuen Passworts schnell frustrierend wirken. Gefühlt wirken diese Kriterien dann so:

Das Passwort muss
- Groß- und Kleinbuchstaben
- Zahlen
- Sonderzeichen
- eine Hieroglyphe
- eine tiefgründige Botschaft
- und das Blut einer Jungfrau
enthalten.

Das Netz ist daher voll von Passwort-Humor, wie z.B. der geschälten Ananas oder dem Bayern auf der Suche nach einem sicheren Passwort:

Geben Sie ein sicheres Passwort ein :
Leberkas

Ihr Passwort ist zu kurz:
Leberkas-Semmel
Ihr Passwort muss mindestens eine Zahl enthalten:
1Leberkas-Semmel

Ihr Passwort darf keine Leerzeichen enthalten:

50drecksleberkassemmeln

Ihr Passwort muss mindestens einen Umlaut enthalten:

50drecksleberkässemmelnzefix

Ihr Passwort muss mindestens einen Großbuchstaben enthalten:

50DRECKSLeberkässemmelnZEFIX

Ihr Passwort muss mindestens ein Sonderzeichen enthalten:

50DRECKSLeberkässemmelnZEFIX!!!!!

Ihr Passwort darf nur Großbuchstaben enthalten, die nicht aufeinanderfolgend sind:

KreizKruzeFixVerdammterScheissdreckWosnDesFiaAScheissSystem50DrEckSLeberkässemmelnZeFiX!!!!!

Ihr Passwort ist bereits vergeben, suchen Sie sich ein anderes!

 

Und dieses hochkomplexe Konstrukt sich dann auch noch zu merken ist auch nicht einfach. Dem entsprechend ist die Frustration groß ! Um sich das ganze aber dennoch irgendwie einprägen zu können gibt es diverse Kunstgriffe.

Man überlege sich zum Beispiel einen Satz wie : „Diese blöden Passworte treiben mich irgendwann nochmal in den Wahnsinn!“ und nehme jetzt nur die Anfangsbuchstaben: DbPtminidW! Und voilà ein gutes Passwort. Der Satz dient als Gedächtnisstütze, bleibt halt nur die Hürde, dass dann noch fehlerfrei und zügig einzutippen. Aber Übung macht den Meister ! Bis das Passwort mal wieder abläuft und ein neues her muß