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Tolle Kisten & Ihre tollkühnen Piloten


Ein Jahr ist es her, dass ich mich an den Elbhang begab, um den tollkühnen Fahrern des 15. Saloppe Seifenkisten Rennen dabei zuzusehen, wie sie mit Ihren Kisten, nur von der Hangantriebskraft getrieben, den Abhang herab rollern.

Auch dieses Jahr findet wieder dieses beliebte Spektakel statt. Besonderheit gegenüber einem herkömmlichen Rennwettbewerb: Egal ob das Vehikel die Aerodynamik einer Schrankwand besitzt: Hauptsache spektakulärer Auftritt. Auszug aus dem Reglement:

- Jedes Team benötigt eigene Boxenluder in beliebiger Anzahl und Größe !!

- Teamhymne für den Showlauf auf CD ist Voraussetzung !!

Und da Vielfalt ja bekanntlich begeistert und damit keine Langeweile aufkommt, dürfen keine Fahrzeugaufbauten 1 : 1 aus dem Vorjahr übernommen werden ! Doch halt… Schon der 2. Rennteilnehmer kommt mir recht bekannt vor:

Team Ikarus 2015

 

Team Ikarus 2016

Team Ikarus scheint relativ unverändert zum Wettkampf angetreten zu sein. Aber dann verfügt diese Seifenkiste auch über keine nennenswerten Aufbauten. Das pure Sportgerät ! Also lassen wir das mal gelten.

Ein deutlicher Unterschied zum letzten Jahr ist allerdings das Wetter ! Während wir letztes Jahr in der Sonne fast weg geschmolzen sind, war es dieses Jahr eher… nennen wir es mal „feucht“. Ob dies Auswirkungen auf den Rennverlauf hatte ? Vermutlich keinen all zu großen, da die Bremsprobleme dieses Jahr die gleichen waren wie zuvor.

Weitere Neuerung: Das Zielwerfen am Bozenstopp fiel dieses Jahr etwas martialischer aus. Anstelle mit Büchsen zu werfen, wird dieses Jahr auf Büchsen geschossen… Den Schaumstoff—Pfeil-Gewehren der Firma Nerf sei Dank !


Ein Hightech-Spielzeuggewehr der Traum eines jeden kleinen Jungen. Vielleicht ist dies ja der Grund, warum diese Zeitgenossen sich und Ihr Raketenmobil bis unter die Zähne mit diesen Geräten bewaffnet haben.

Kommen wir zu meinem diesjährigen Favoriten, dem Team Minion. Obwohl der Rennwagen die selbe Anmut besitzt, wie eine Kühltruhe auf Rädern, überzeugt spätestens die Darreichung von Bananen („Banana !“) beim Showlauf.

Aber bleiben wir bei Kisten mit cineastischer Themenwahl… Gar nicht lang ist es her, das ein (im wörtlichen Sinne) Gigant des internationalen Film von uns ging, Carlo Pedersoli auch besser bekannt als Bud Spencer, bekannt aus Filmen wie „Sie nannten Ihn Mücke“, „Der Elefant und sein Nilpferd“ und „Vier Fäuste für ein Halleluja“. Als Verneigung vor dieser „durchschlagenden“ Persönlichkeit ist die Seifenkiste in Form eines roten Strand-Buggy zu sehen, die ein Filmzitat aus „Zwei wie Pech und Schwefel“ ist.

In Memoriam – Bud Spencer

 

Quelle: Zwei wie Pech und Schwefel

In politischer Mission unterwegs war die Seifenkiste des Stadtmagazins Sax unter dem Slogan „Mehr Glitzer für Alle außer für Nazis“ Sehr schön ist hier der Helm in Schwertfisch-Optik.

Für ein buntes Dresden !

Irgendwie passend zum Wetter ist das Credo „feuchtfröhlich“ – Umgesetzt in Form zweier Seifenkisten, die sich dem Genuss von „geistigem Getränk“ (Alkohol !) verschrieben haben. Während „Team Feldschlösschen“ einem hiesigen Bier Reverenz erweist und im Showlauf mit dem Ausschank von Freibier aus der Onboard-Zapfanlage besticht, ist die Message der rasenden Whisky Flasche aus dem Umfeld von Rosies Amüsierlokal „Let’s drink & drive“ nicht zur Nachahmung zu empfehlen. Ausserdem war die rosa Rauchbombe bestimmt nicht umweltfreundlich.

Die Dose Feldschlösschen für den großen Durst !

 

OZapft is !

 

Flaschenpfand ?

 

Kids don’t try this at home !

Das mit dem Bier (Verzeihung, Bölkstoff !) hätte sicher auch der Comicfigur gefallen, deren Charakterkopf das Chassis der nächsten Rennkiste ziert. Bemerkenswert ist hier auch das Gewicht des Rennboliden. Bei der Abfahrt sicher positiv, was die Endgeschwindigkeit anbetrifft, aber den Boliden bergan bzw. schon auf die Startrampe zu bugsieren ist ein Kraftakt.

Werner beinhart – Das muss kesseln !

Der nächste Rennteilnehmer überzeugt mit den folgenden zwei Features: Zum Einen hat die Karosserie seiner Seifenkiste irgendwie etwas OldSchool-mäßiges an sich, zum Anderen verbreitet er etwas Karibik-Flair und damit einen willkommenen Gegenakzent zur vorherrschenden Witterung.

Karibik Feeling an der Elbe

Werfen wir zum Abschluss noch einen Blick auf die Show drumherum… Boxenluder werden ja explizit gefordert in der Veranstaltungs-Ausschreibung. Den hohen Stellenwert, den man diesen Damen zumisst, erkennt man schon daran, dass zwei ebensolche das Safetycar nach jedem Durchgang mittels Schwammbad wieder auf Hochglanz polieren:

Boxenluder bei der Arbeit

Das diese aber nicht immer weiblich sein müssen, zeigt die Show von Team Sprungschanze:

Pyrotechnik Show mit Eisbär

Alles in Allem wieder eine schöne Sache, dieses Rennen. Nächstes Jahr bin ich wieder dabei. Hoffen wir also, dass es das nächste mal keinen Schnee gibt.

Kühne Fahrer in ihren tollen Kisten

Heute befassen wir uns mit einer Fun-Sportart aus – wie sollte es auch anders sein – den USA: dem Seifenkistenrennen. Gemeint ist jene Art des Rennsports, bei dem sich der Rennfahrer gänzlich ohne Motor, nur voran getrieben durch die sogenannte Hangabtriebskraft, in einem selbstgebauten Gefährt auf eine Wettfahrt begibt. Der Name Seifenkiste stammt aus den 1930er Jahren, als in den USA Kinder aus den Holzkisten, in denen Firmen Seifen und Käse an den Einzelhandel lieferten, sich ihre eigenen Rennautos bauten und damit Wettfahrten veranstalteten.

Seifenkisten der Senior-Klasse (Foto by Beademung. Lizenz Creative Commons BY-SA 3.0 DE)

Während den Seifenkisten gemein ist, dass sie vom Fahrer und seinem Team selbstgebaut sind, variiert die tatsächliche Gestalt des Renners von einer einem strengen Reglement unterworfenen Aufbau, bis zum wahrgewordenen gestalterischen Chaos. Und gerade letzteres besitzt für den Zuschauer einen ganz besonderen Reiz, da dem Auge so einiges geboten wird. Ein schönes Beispiel für ein solches eher spaßorientiertes, weniger ernstes Rennen ist der Dresdner Prix de Saloppe. Ausgetragen wird dieses Rennen am Dresdner Elbhang zwischen der Sommerwirtschaft Saloppe (Dresdens ältester Biergarten) und dem namensgebenden ehemaligen Wasserwerk Saloppe am Elbufer.

saloppe
http://www.saloppe.de

Um mal ein solches Seifenkistenrennen in Augenschein zu nehmen, habe ich mich letzten Samstag (04. Juli 2015) also an die stark abschüssige Rennstrecke begeben. Im Fahrerlager fiel schnell auf, dass die Bauvorgaben relativ liberal gefasst sind. Von relativ puristischen Rennern, die augenscheinlich eine gewissen Verwandschaft mit Fahrrädern besitzen ist alles vertreten bis hin zu einem relativ solide und gewichtig wirkenden Trabbi-Nachbau. Also flott mal einen Blick ins Regelwerk geworfen:

1. Die Objekte müssen Eigenbau sein und mit Muskelkraft vorwärts bewegt werden

2. Es dürfen keine Fortbewegungsmotoren oder -antriebe [...] verwendet werden
(Ok, versteht sich von selbst, sonst ist es ja kein Seifenkistenrennen)

3. [...]Lenkung und Bremsen werden vor Ort abgenommen
(Wichtig ! Wie wichtig, werden wir später noch sehen)

4. Fahrzeugaufbauten 1:1 aus den vergangenen Jahren werden nicht zugelassen...

5. Keine scharfen Kanten/Spitzen.

Und damit sind die technischen Auflagen auch schon erschöpfend besprochen. Zum Vergleich können hier die recht spezifischen Vorgaben des Deutschen SeifenKisten Derby e.V. eingesehen werden. Der weitere Ablauf ist relativ simpel: Gestartet wird auf einer schrägen Rampe und dann mäandert die Kiste die mit zwei scharfen Kurven versehene Strecke hinunter zum Ziel, kurz unterbrochen durch den Boxenstopp, an dem gehalten werden muss (zu spätes Bremsen und überfahren der Ziellinie kann mit Strafen belegt werden !) um eine Aufgabe zu erfüllen: Einwerfen dreier Red Bull Büchsen in verschieden große Löcher einer Zielwand. Je kleiner das Loch, desto mehr Zeitgutschrift gibt es !

Beim Abhören des Boxenfunks
Boxen Stop Challenge
Boxen Stop Challenge

Auf Anraten einer Informantin aus den Reihen der Streckenposten haben wir uns dann auch hinter der Bande am Boxenstopp postiert („Gute Sicht und spektakuläre Bremsmanöver !“).

20 Teams waren es insgesamt die zum Prix de Saloppe angetreten sind. Zunächst mechanisch hochwertige eher sportlich gehaltene Fahrzeuge. Auch kann man nicht wirklich von Seifenkisten sprechen. Vom physikalischen Standpunkt profitiert dieser Ansatz natürlich durch seinen geringeren Luftwiderstand, besitzt allerdings aufgrund des leichteren Gewichts natürlich die geringere Hangantriebskraft.

Team Ikarus
Team Ikarus

Höheres Gewicht allerdings, einmal in Schwung geraten, ist natürlich auch schwieriger wieder abzubremsen. So kam ein Nachgebauter Trabant zwar relativ flott die Piste entlang gerauscht, kam aber durch abruptes Bremsen und mangelnden Grip am Botenstoff ziemlich ins Schleudern und krachte ins Publikum. Ein dort vorsorglich platzierter Absperrzaun konnte allerdings Schlimmeres verhindern.

G17 Trabbi nach misglücktem Bremsmanöver
G17 Trabbi nach misglücktem Bremsmanöver

Es gibt natürlich auch „Seifenkisten“ bei denen der Konstrukteur völlig auf Aerodynamik pfeift, z.B. beim Modell Goldhelm, welches von den Dresden Monarchs ins Rennen geschickt wurde. Dies wurde dann allerdings durch eine schlagkräftige Entourage zum Anschieben wieder wett gemacht.

Die Männer mit dem Goldhelm
Die Männer mit dem Goldhelm

Besonders witzig war auch eine zum fahrbaren Mohrrüben-Acker umgebaute Blechwanne mit einem Indianer am Steuer und einem Möhrchen werfenden Hasen als Nachhut.

"Winnetou" und sein fahrbarer Möhrrüben-Acker
„Winnetou“ und sein fahrbarer Möhrrüben-Acker
Eine fahrbare Wäschespinne
Eine fahrbare Wäschespinne

Ein Team der besonderen Sorte war auch „HipHop don’t stop“. Dieses Team kam dann eher gemächlich daher, dafür aber sehr bunt und sichtbar gut gelaunt. 🙂

HipHop don't stop
HipHop don’t stop
olsen
Die Olsenbande gibt Gas

Letztendlich bestimmt die herausgefahrene Zeit dann, in welcher Reihenfolge beim LeMans-Start, beim zweiten Lauf , der dann bergauf stattfindet, gestartet wird. Ein Unterfangen, dass es bei einer Temperatur von 36°C in sich hat. Hier ist eine leichte Kiste dann eher von Vorteil, da der Kraftaufwand hier geringer ist. Generell von Vorteil ist aber ein entsprechend grosses Team aus Anschiebern, nebst einer effektiven Vorrichtung, diese vor bzw. hinter die Kiste zu spannen.

Schieben von hinten
Ziehen von vorne
Ziehen von vorne

Dies lässt sich z.B. durch eine rückwärtige Schubstange Modell „Kinderwagen“ erledigen oder nach der Methode Abschleppseil. Besonders effektiv sah dies dann bei den Footballern mit ihrem Goldhelm aus. Team „Olsenbande“ und „HipHop don’t stop“ haben sich dann die Mühe nicht gemacht und haben sich von einem Safety Car abschleppen lassen.

Der einfache Weg nach Oben
Der einfache Weg nach Oben

Fazit: Nicht so schnell wie die Formel 1, dafür aber um Einiges unterhaltsamer ! Ich werde nächstes Jahr wieder an der Piste stehen. 🙂

Feuer & Rauch
Feuer & Rauch