Schlagwort: Gold

Goldrausch

Schenk ein den Wein, den holden! Wir wollen uns den grauen Tag Vergolden, ja vergolden!

− Theodor Storm, Oktoberlied

So spricht der Dichter. Allerdings haben wir weder Oktober, noch wollen wir uns den Tag schön saufen, denn der Katzenjammer lässt dann den nächsten Tag nicht nur grau, sondern regelrecht schwarz erscheinen !

Das hat sich wohl auch jemand anderes gedacht und hat stattdessen gleich zu richtigem Gold gegriffen. Und da man das in Deutschland nicht so einfach im eigenen Garten ausbuddeln kann, hat er sich anders beholfen. Letzte Woche war es in den Medien: Eine 100 kg Goldmünze ist aus dem Berliner Bode-Museum gestohlen worden !

Big Maple Leaf, Vorderseite, © Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett; Foto: Reinhard Saczewski

Genau gesagt, handelt es sich bei dem Big Maple Leaf um die zweitgrößte Goldmünze der Welt, die einen Nennwert von 1 Million CAD$ besitzt. Der tatsächliche Materialwert liegt sogar mit 3.775.170 € sogar noch höher und vom Sammlerwert (es gibt die Münze weltweit nur 5 mal !) wollen wir erst gar nicht reden.

Doch wem das noch nicht groß genug ist, der möge sich mal die Australian Kangaroo One Tonne Gold Coin ansehen: Nennwert 1 Mio. AUD$, Materialwert 37,7 Mio. € und mit 1012 kg Gewicht auch schwerer zu klauen.

Man sollte also meinen, dass eine solche Münze gut gesichert aufbewahrt wird und nur mittels eines technisch ausgefeilten Clous wie im Film „Verlockende Falle“ oder Mission Impossible entwendet werden kann:

Quelle: rbb-online.de

Doch weit gefehlt. Laut Rekonstruktion des Tathergangs durch die Polizei verlief die Sache vergleichsweise simpel:

  • Erst mit der Leiter von der Hochbahn-Trasse in einen Umkleideraum im 1. Stock (praktischerweise nicht videoüberwacht)
  • Durch ein ebenso unbewachtes Treppenhaus geht’s zur Münze in den 2. Stock. Hier wird die Münze dann mit Hilfe einer Axt aus ihrer Panzerglas-Einhausung befreit
  • Die Münze wurde alsdann mit einem Möbelhunt durchs Museum zum Fenster transportiert und dort kurzerhand aus dem Fenster geworfen (ob absichtlich oder nicht)
  • Weiter geht der Geldtransport mit einer Schubkarre (mit Weißwand-Reifen !) bis zum Monbijou-Park, wo nach einer kurzen Abseil-Aktion Münze und Diebesbande mit einem bereitstehenden Fluchtwagen entwichen.

Der Fluchtwagen könnte in etwas so ausgesehen haben:

Das Ganze geschah in Windeseile: Als der diensthabende Wachmann den Diebstahl der Münze der Polizei meldet, sind gerade einmal 30 Minuten seit dem Einbruch vergangen !

Kaum zu glauben ! Ein sagenhafter Goldschatz verschwindet auf abenteuerlich dreiste Art ! Wahrheit oder handelt es sich um alternative Fakten der postfaktischen Medien ?

Quelle: rbb-online.de

Nun, Obama sollte jetzt, da er Präsident im Ruhestand ist, ja reichlich Zeit haben, aber hellsehen kann auch der nicht. Allerdings braucht er dies auch nicht, denn die umfassend informierte Internet-Community, die sich von keiner noch so gut getarnten Verschwörung hinter’s Licht führen lässt, hat die Schuldigen bereits identifiziert:

Quelle: faz.de

Ja, da muss sich der sanft-sensible, ganzheitliche, deutsche Einbrecher warm anziehen, wenn axtschwingende Immigranten-Einbrecher ihr Unwesen treiben und mächtig gewaltige goldene Münzen abstauben, z.B. die dänischen:

http://twitter.com/SaschaGuzy/status/847189293814730753

Was aber macht man nun mit so einer Münze ?

  1. Option: Shopping in Kanada – 1 Mio. CAD$ sind immerhin 700 950 €. Genug um sich davon ein schönes Häuschen im grünen zu kaufen. Angesichts des Materialwerts von über 3 Mio. € aber wenig lukrativ. Was uns direkt zur…
  2. Option führt: Einschmelzen und das Gold verkaufen. Gar nicht mal so unwahrscheinlich, angesichts der Tatsache, dass die Münze auf Grund des Fenstersturzes einen Schaden davon trug und jetzt für den anspruchsvollen Münzensammler nicht mehr taugt.
  3. Option: Mal angenommen sie kommen gerade von einem Bruch und ihr Fluchtwagen ist liegen geblieben und sie müßen nun mit den Öffentlichen nachhause fahren… Welch ein Glück, dass sie ihre 100 kg Münze für den Fahrkartenautomat eingesteckt haben:

Bleibt letztendlich nur die Option sich das Teil in die eigene Bude zu stellen. Mit 53 cm Durchmesser vielleicht als Platte für einen gewichtigen Beistelltisch… Damit man sich beim Weintrinken dann den grauen Tag im wörtlichen Sinne vergolden kann ! 🙂

Faszination Gold

„Über-, doppelt und mehrfach glücklich, wer auf Gold und Kleinodien tritt!“

―Apuleius

Nur wenige Materialien üben eine ähnlich große Faszination auf den Menschen aus wie das Gold. Es ist nicht nur durch seine glänzend gelbe Farbe schön anzusehen, es gilt auch als ein Sinnbild für Edles und höchste Qualität. Die Goldmedaille für Olympia Sieger oder der sog. Goldstandard für bewährte, allgemein anerkannte Methoden und Verfahren, an denen sich alle anderen Methoden messen müssen.

Und wertvoll ist es. So bezahlt man zur Zeit (25.02.2017) 1190 EUR je Feinunze. Oder übersetzt in ein etwas gängigeres Gewichtsmaß: 38,26 € je Gramm. Und das ist von den Maßen her gerade mal ein winziges Blättchen:

100g Bar casted size 2
Größenvergleich – 1 Euromünze vs 100 g Barren

Von Goldsuchern

Der hohe Preis ist zum Teil dadurch begründet, dass Gold ein seltenes Metall auf unserem Planeten ist. Im Durchschnitt müsste man 1000 t Gestein verarbeiten um 4 g Gold zu gewinnen, was vermutlich der Grund ist, warum die Goldgewinnung nur an wenigen ausgewählten Orten rentabel ist. Ein Faszinosum am Gold ist ja, dass es chemisch sehr beständig ist. Dies ist auch der Grund, warum man es im Gegensatz zu anderen Metallen, die nur in Form von Erzen in Verbindung mit Sauerstoff, Schwefel etc. vorkommen, überwiegend gediegen vorfindet. Zugegeben man braucht oft eine Lupe um den Goldstaub im Gestein zu finden, aber ganz selten mal findet man auch „Gold-Nuggets“, also regelrechte Klumpen.

CSIRO ScienceImage 10458 An 8 kg nugget from Victoria that was cut in two and had a thin slice
Der größte bisher gefundene Gold-Nugget ist der „Welcome Stranger“, der 1869 in Australien ausgegraben wurde und stolze 97 kg auf die Waage brachte. In Deutschland findet man leider nur kleine Nuggets. Zuletzt löste ein Goldfund im thüringischen Schwarzatal einen kleinen Goldrausch aus, als der 64-jährige Heinz Martin beim durchqueren eines Baches einen 9.6 g schweren Nugget fand.

Aber das hindert den Menschen in seinem Erfindergeist nicht, ständig nach neuen Quellen zu suchen aus denen man Gold gewinnen kann. So kam der deutsche Chemiker Fritz Haber in den 1920er Jahren auf die Idee Gold aus Meerwasser zu gewinnen. Die Weltmeere enthalten ja immerhin genug Wasser, dass man einfach nur abzupumpen brauch. Doch obwohl 15000 t Gold in unseren Meeren „herumschwimmen“ stellte sich die Goldkonzentration als zu gering heraus um rentabel zu sein.

Alchemie, oder: Wie macht man Gold ?

Ebenfalls abenteuerlich ist die Idee neues Gold herzustellen, indem man billige, im großen Maße verfügbare Metalle umzuwandeln. Die Goldmacherei war ein beliebtes Betätigungsfeld der Alchimisten, den Vorvätern des modernen Chemikers. So suchte man den „Stein der Weisen“ eine Substanz die eben dieses Kunststück ermöglichen sollte. Das dies natürlich nicht von Erfolg gekrönt sein kann, liegt auf der Hand. Mitunter aber förderte diese Suche, nach dem Motto „Discovery by serendipity“ ungeahnte andere interessante Funde zu Tage:

So gelang es dem Alchemisten Johan Friedrich Böttger zwar nicht die Formel für den Stein der Weisen zu finden, sondern die Formel für Porzellan (die bis dahin ein wohlgehütetes Geheimnis der Chinesen war). Mit dieser Erkenntnis konnte man zwar nicht direkt Gold gewinnen, aber Porzellan war derartig kostbar, dass der sächsische König August der Starke dennoch beschloß Böttger unter Verschluß zu halten, um mit dem Porzellan gutes Gold zu verdienen.

DPAG 2010 32 Porzellanherstellung in Deutschland
Ein anderer Zufallsfund auf der Suche nach Gold gelang einem gewissen Henning Brand. Ironischerweise suchte er den Zugang zum Gold in einer anderen „goldenen Substanz“, indem er seinen Urin einkochte und die Rückstände stark erhitzte. Er erhielt stattdessen eine im dunklen leuchtende Substanz und wurde damit nicht nur zum Entdecker der Chemoluminiszens, sondern auch des Elements Phosphor. Gänzlich unmöglich ist die Elementtransmutation aber doch nicht. So lassen sich mittels moderner Wissenschaft im Rahmen kerntechnischer Prozesse geringste Mengen Gold erzeugen. Doch dies ist nicht nur teuer, sondern geht auch mit radioaktiver Strahlung einher… Ergo: Ist die Mühe nicht wert.



Brandt, wie er den Phosphor entdeckt (hier künstlerisch interpretiert von Joseph Wright of Derby)
Brandt, wie er den Phosphor entdeckt (hier künstlerisch interpretiert von Joseph Wright of Derby)

Von Original & Fälschung, sowie Badewannen

Doch wie überall, wo es um die Erlangung von Reichtümern geht, sind Ganoven und Halunken nicht weit entfernt. Wenn schon nicht Herstellen, dann vielleicht geschickt imitieren ! Und das ist in der Tat möglich: So gibt es allerhand (meist Kupfer-haltige) Legierungen, die einen mehr oder minder goldenen Farbton besitzen. Nehmen wir z.B. Messing oder Tombak. Dementsprechend gilt „Augen auf beim Goldkauf“. Oder eine andere Variante, wo der „Beschiss“ sich schon im Namen bemerkbar macht: Katzen- oder Narrengold, dem etwas malerischeren Namen für Eisen(II)disulfid/Pyrit, einem weißgoldenen Mineral.

Eine aus Film & Fernsehen bekannte Echtheitsprüfung ist z.B. der Bisstest (Schon mal gewundert, warum siegreiche Olympioniken auf ihre Goldmedaille beißen ?). Da Gold ein sehr weiches Metall ist, sollte ein solcher Bisstest Spuren in Echtgold hinterlassen. Blei ist allerdings auch sehr weich und somit ist vergoldetes Blei auf dem Wege nicht vom Original zu unterscheiden.

Auch sehr bekannt ist der Dichte-Test. Man kennt die Geschichte von Archimedes, der die Echtheit einer Goldkrone prüfen sollte (ohne diese zu beschädigen) und dem dann die geniale Idee beim Baden kam. Jedes Material hat ein spezifisches Gewicht, d.h. Gewicht je Volumeneinheit. Er tauchte also nacheinander Krone, sowie gleich schwere Gold- bzw. Silberbarren in Wasser und maß deren Wasserverdrängung. Und siehe da, die Krone verdrängte mehr Wasser als der Goldbarren, hatte also ein geringeres spezifisches Gewicht und war damit eine Fälschung. Verbunden mit dieser Erkenntnis, dem Archimedischen Prinzip, ist auch der berühmte Ausruf „Heureka !“ (griech. „Ich hab’s gefunden“) den Archimedes ausrief und, soeben dem Bade entstiegen, nackt durch die Strassen rannte. Eine elegante Methode, allerdings nicht unbedingt alltagstauglich.

Heureka - Wissenschaft in der Badewanne
Heureka – Wissenschaft in der Badewanne

Praktischer, da portabel sind säurebasierte Test-Kits. Gold besitzt nämlich die Eigenschaft unlöslich in herkömmlichen Säuren zu sein. Nur Königswasser, ein Gemisch aus Salz- & Salpetersäure, vermag es reines Gold aufzulösen. Legierungen mit geringerem Goldanteil lösen sich schon in verdünnteren Säuren. Je höher der Goldanteil, desto härtere Geschütze (sprich konzentriertere Säure) muss man auffahren.

Wenn das Edelmetall aber aus seriöser Quelle kommt, reicht es evtl. aber auch einen schnellen Blick auf einen vorhandenen Prägestempel zu werfen, der den Goldanteil in Promille wieder gibt.

Quelle: Wikipedia, Eintrag: Gold
Quelle: Wikipedia, Eintrag: Gold

Goldene Worte

Die gedankliche Verbindung Gold = wertvoll hat dann auch in allerhand metaphorische Redewendungen geprägt. Schwarzes Gold steht synonym für Erdöl, mit dem man auch zu Reichtum gelangen kann, wenn man es in seinem Garten findet. Weißes Gold steht für Salz, Porzellan, Elfenbein etc., alles Substanzen die zumindest in der Vergangenheit mit Gold aufgewogen wurden. Wer goldene Hände hat und damit aussergewöhnliches handwerkliches Geschick besitzt, verdient sich schnell eine goldene Nase, insbesondere dann, wenn diese noch einen guten Riecher für profitable Geschäfte hat. Die Kartoffel ist nicht nur golden in der Farbe, sondern gilt den deutschen oft als Königin der Beilagen beim Essen und verdient sich damit den Titel Ackergold, während der leicht ironische Begriff Hüftgold die füllige Figur beschreibt, die man kriegt, wenn man zuviel davon isst.

Angewandte Goldwissenschaften

Doch was macht man mit Gold, außer es sich als Kapitalanlage in den Keller zu legen oder es zu Schmuck zu schmieden ?

Der goldene Reiter - Feuervergoldet
Der goldene Reiter – Feuervergoldet

Blattgold kennt jeder. Da Gold so weich und duktil ist, lässt es sich problemlos (wenn auch in aufwendiger Arbeit) zu hauchdünnen Blättchen schlagen, mit denen man Zierrat eine goldene Oberfläche verleihen kann. Eine besondere Eigenschaft besitzt kolloidales Gold, d.h. Nanometer große Goldteilchen verteilt in einem flüßigen Medium, auch bekannt als Cassius’scher Goldpurpur. In dieser Form verliert Gold seine typische Farbe, sondern erscheint in einem rubinroten Farbton, mit dem man z.B. hochwertiges (und extrem schickes) rotes Glas herstellen kann.

Goldrubinglas Schatzkammer München
Goldrubinglas Schatzkammer München

Oder man verleiht Nahrungsmitteln mit Blattgold einen dekadenten Touch (Zusatzstoff E175). Dies reicht vom Danziger Goldwasser, einem klaren Schnaps in dem etwas Blattgold suspendiert wurde, bis hin zur Currywurst Gold mit Trüffelpommes, die in Berlin als deutliche Manifestation der Gentrifizierung Gestalt angenommen hat. Für den Körper ist es unbedenklich, da elementares Gold, wie wir bereits gelernt haben, in den meisten Säuren, so auch Magensäure, unlöslich ist und unverändert durch den Verdauungstrakt durchrauscht. In Form von Goldsalzen allerdings, kann es in zu hohen Konzentrationen zu einer Schwermetallvergiftung führen. Da die meisten Menschen solche jedoch nie zu Gesicht kriegen, ist dies ein eher seltenes Szenario. Es sei denn, sie gehören zu dem kleinen Personenkreis, dessen Rheuma mit goldhaltigen Medikamenten behandelt wird. Da dies jedoch recht teuer ist (sic!) und außerdem in über 50% der Fälle unangenehme Nebenwirkungen hat, werden diese mehr und mehr von anderen Medikamenten verdrängt.

Goldhaltige Arzneistoffe

Da Gold unter den Metallen eine überlegene elektrische Leitfähig und Korrosionsbeständigkeit besitzt, werden gerne elektrische Kontakte und Leiterbahnen auf Platinen daraus gefertigt. Ein Grund, warum der moderne Goldgräber sich für alte Mülldeponien und den darin achtlos entsorgten Elektroschrott interessiert.

Wir sehen also Gold ist ein extrem vielseitiges Element, dass nicht umsonst seit Jahrhunderten anhaltend eine Faszination auf den Menschen ausübt.