Neues

Es ist schon einige Zeit her seit dem letzten Update… Deswegen wird es Zeit, dass der Lömitonne wieder etwas Leben eingehaucht wird.

  1. Das offensichtlichste ist, dass die Seite in einem neuen Design erstrahlt. Sieht erstens etwas schicker aus als das alte und sollte zusätzlich jetzt auch Smartphone-freundlich sein.
  2. Im Rahmen einer technischen Umstellung hat sich die Adresse in http://www.loemitonne.de geändert ! Die alte Adresse sollte vorerst auch noch funktionieren.
  3. Da Chemie ja nicht jedermanns Sache ist, werde ich in Zukunft Beiträge mit chemischem und nicht-chemischem Inhalt trennen. Die nicht-chemischen Beiträge erscheinen künftig unter http://sammelsurium.loemitonne.de. Aktuell zum Thema Emoticons & Emojis. Der zugehörige RSS-Feed ist hier zu finden.

Viele Grüße,

Max

Echt Ätzendes in Berlin

Manche Leute sind ja echt schmerzbefreit. Vandalismus ist ja an sich schon ne schlimme Sache. Nehmen wir zum Beispiel die mittlerweile omnipräsenten Filzstiftschmierereien im öffentlichen Nahverkehr. Oder das Scratchen… Das mutwillige Zerkratzen von glatten Oberflächen zwecks Anbringung eines Tags (die Signatur des “Künstlers”). Doch das simple einritzen ist offenbar für manche Zeitgenossen nicht mehr ausreichend. So kann man beim rbb Kriminalreport zur Zeit folgendes Lesen (Danke an M.-I. C. für den Hinweis) :

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Quelle: rbb-online.de

Aus Scratching ist jetzt wohl Etching geworden. Hierbei wird das betreffende Graffiti nicht mechanisch aufgebracht, sondern eingeätzt. Glas ist normalerweise chemisch gesehen ein ziemlich widerstandsfähiger Werkstoff. Nimmt man jedoch Flusssäure löst sich Glas, welches in den häufigsten Fällen aus Silikaten bestehen, auf:

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File:GHS-pictogram-skull.svgFile:GHS-pictogram-acid.svgNun gut, dass Säure ätzend ist und man dort nicht seine Pfoten hinein tauchen sollte, weiß auch der nicht Chemiker. Flusssäure ist jedoch ein besonders unschönes Zeug, besitzt sie doch die unschöne Eigenschaft sehr giftig zu sein. Das kommt allein schon daher, dass Fluorid den Calciumhaushalt des Körpers aufmischt, indem gelöstes Calcium (u. A. als wichtiges Bestandteil der Blutgerinnung um nur ein Beispiel von vielen zu nennen) in unlösliches Calciumfluorid verwandelt wird:

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Hinzu kommt, dass auch eine Reihe von Enzymen in ihrer Wirkung beeinträchtigt werden. Um sich den Ernst einer solchen HF Exposition zu veranschaulichen lohnt ein Blick in die Veröffentlichungen der kommunalen Unfallversicherungen in Bayern:

Der zufällig im Raum vorbeikommende Betriebsleiter erlitt durch diese Spritzer eine etwa handflächengroße Verätzung am linken Oberarm […]. Dem Verletzten wurde sofort erste Hilfe geleistet. […] Während der sofort eingeleiteten unfallchirurgischen Behandlung kam es zum Herzkammerflimmern und der Patient musste mehrfach reanimiert werden. Weitere Komplikationen wie eine schlechte respiratorische Situation, die Entgleisung des Säure-Base-Haushaltes, eine Gerinnungsstörung und ein akutes Nierenversagen führten schließlich etwa fünfeinhalb Stunden nach dem Unfall zum Tod.

— Unfallversicherung aktuell, 01/2001, S. 18

Lassen wir diesen dramatischen Unfall kurz auf uns wirken… Spätestens jetzt sollte jedem klar sein, dass Flusssäure in Filzstiften kein gutes Mittel zur künstlerischen Selbstverwirklichung ist. Auch der Chemiker lässt am liebsten die, in diesem Fall wohlbehandschuhten, Finger von dem Zeug, wenn es bessere Alternativen gibt. Das der Vandale sich damit selbst in Gefahr bringt, möchte ich hier mal unkommentiert lassen. Wenn aber Dritte das Zeug abkriegen kriegt dieser chemische Vandalismus noch einmal eine ganz besonders perfide Note.

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Klassische Filzstiftschmiererei in einem Hörsaal der JLU Giessen

Kein Wunder also, dass man das Zeug als Privatmann nicht ohne Weiteres kaufen kann. Selbst die von Bastlern und Hobbyisten geschätzte HF-freie Glasätzpaste ist, soweit ich nach kurzer Googlerecherche ersehen konnte, nur schwierig aufzutreiben. Offenbar gibt’s 10 %ige Flusssäure aber als Rostfleckentferner für die professionelle Textilreinigung. Ob man das aber so mir-nix-dir-nix kaufen kann ?

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Scratching im öffentlichen Personennahverkehr
(Quelle: Wikipedia,
Nicor, Lizenz)

Mal ganz abgesehen davon, dass man unidentifizierten Flüssigkeiten generell mit Argwohn begegnen sollte, stellt sich die Frage: Was tun ? Eine Calciumhaltige Lösung in eine tragbare Kärcher-Spritze füllen ? Calcium-Supersoaker und damit erst mal den Strassenbahn-Unterstand provisorisch entgiften ?

Weiterführende Literatur:

http://www.toxcenter.de/stoff-infos/f/fluss-saeure.pdf

http://gestis.itrust.de/nxt/gateway.dll/gestis_de/520038.xml?f=templates$fn=default.htm$3.0

http://www51.honeywell.com/sm/hfacid/common/documents/HF_medical_book.pdf

Der Trank aus der braunen Bohne

imageWer hier öfters mal reinschaut, der weiß, dass ich ab und an vom Bier und seiner Herstellung schreibe. Bier ist eins jener Getränke, dessen Genuss man mit religiösem Eifer diskutieren kann… Dies ist ansonsten nur noch dem Whiskey und teuren Weinen vorbehalten. Und eben Kaffee… Jenem anregenden Extrakt, der aus den gerösteten Kernen der Früchte von Gewächsen der Gattung Coffea gewonnen wird.

Die Wahl einer dem Forschungsbetrieb an der Uni angemessenen Kaffeemaschine habe ich ja bereits in der Vergangenheit erläutert. Doch die beste Kaffeemaschine ist Mist, wenn man keinen Strom hat. Da muss man dann den Kaffee nach der Old School Methode bereiten. Die könnte dann in etwa so aussehen:

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1. Kaffeebohnen mit Großmutters Kaffeemühle mahlen. 2. Wasser auf einem Stövchen oder mit dem Bunsenbrenner erhitzen 3. Je Tasse 1 gehäufter Löffel Kaffee (+ 1 für die Kanne) in den Handfilter und heißes Wasser in mehreren Portionen aufbringen. Mit Milch + Zucker heiß genießen.

Nun, optimale Ergebnisse kann man da als ungeübter Barrista nicht erwarten, denn das Verwöhnaroma wird ganz entscheidend von Temperatur und Einwirkzeit des Wassers beeinflusst. Idealerweise sollte das Wasser etwa 92 – 96 °C haben: Liegt man darunter schmeckt der Kaffee aufgrund unzureichender Extraktion der Aromastoffe etwas fade… Gießt man zu heißes Wasser auf, verflüchtigt sich das Aroma schneller und es werden vermehrt Bitterstoffe extrahiert, was wiederum auch zu einem unrunden Aroma führt. Selbiges resultiert auch, wenn man das Kaffeepulver zu lange im Wasser stehen lässt. Daher greift der Coinesseur zur sog. Schwalltechnik: Nicht das ganze Wasser auf einmal, sondern portionsweise, eben in mehreren Schwallen.

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Wie zu Großmutterszeiten: der Porzellanfilter
Bild: Wikipedia, Elke Wetzig, Lizenz

Der Siemens Z10160 Goldfilter. Ja, die stellen auch Kaffeefilter her…
Quelle: Amazon.de

Schließlich kann man auch noch den Filter optimieren. Entweder man benutzt, so wie wir, das spartanische Plastikmodell oder investiert etwas mehr und greift zum feudaleren Porzellanfilter. In beide wird in jedem Fall eine Filtertüte eingelegt, die wahre Experten ja verschmähen… Theorien zu folge saugt das Papier ein Teil des im Kaffee enthaltenen Fetts und damit auch einen Teil der fettlöslichen Aromastoffee. Gold verhält sich dagegen inert und lässt das volle Aroma passieren. Kann man glauben oder eben nicht.

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Ibrik, das türkische Mokka-Kännchen
Bild: Wikipedia, Kristoferb, Lizenz

Oder aber man entscheidet sich das Filterproblem zu umgehen und trennt das Kaffeemehl gar nicht ab und bereitet sich einen sog. Räuberkaffee. Vermutlich werden die freunde der traditionsreichen türkischen Kaffeekultur mit diesem Namen nicht einverstanden sein: Dort trennt man den Kaffeesatz auch nicht ab, nachdem das zugegebenemaßen recht bittere Gebräu in einem Ibrik (konischer Kupferkessel) zubereitet wurde. Da nix so heiß getrunken wird, wie es gekocht wird, lässt man dann in jedem Falle kurz den Kaffeesatz absitzen und schlürft dann vorsichtig den überstehenden Bohnentrank ab. Dies hat den zusätzlichen Vorteil, dass man anschließend seine Zukunft mittels Kaffeedomantie aus dem Kaffeesatz herauslesen kann. Versuchen Sie das mal mit einem Vollautomaten.

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Frenchpress oder zu deutsch:
Die Pressstempelkanne

Luftpumpe oder Kaffeemaschine –
Die Aeropress
Bild: Wikipedia, Tim Hollosy, Lizenz

Für die Technikfraktion gibts ja noch allerhand andere Optionen. Die Frenchpress habe ich ja schon vorgestellt. Ein ähnliches Prinzip verwendet die sogenannte Aeropress, bei der das heiße Wasser mittels Stempeldrucks durch den Kaffee direkt in die Tasse gepresst werden kann (unter Zwischenschaltung eines Filters). Soll wohl ganz gut funktionieren. Da in mir aber irgendwo doch ein Fünkchen eines Ästheten steckt, kann ich mich mit der Plastikoptik dieser Vorrichtung nicht so recht anfreunden.

Da kann ich mich dann (schon allein ob des Namens) für die Kaffeekaraffee Marke Chemex eher begeistern. Obwohl der Hersteller ChemEx Corporation in den USA ansässig ist, ist dieses dem Erlenmeyerkolben nicht unähnliche Glasgerät eine Erfindung des deutschen Chemikers Peter J. Schlumbohm der 1936 in die USA auswanderte.

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Formschön & Chemisch –
Die Chemex Karaffe
Quelle: Chemex Corp.

Laborgerät für die Küche

Allein der Slogan “For the Chemists Kitchen” hat mich begeistert. Sieht aber sonst auch sehr stylisch aus. Wie das ganze funktioniert kann man im Video des Youtube Benutzers Sutton Raphael bewundern:

Via Sutton Raphael @ Youtube

Frei nach dem Motto “Den Worten lasst Taten folgen” beschließe ich den heutigen Beitrag und werde mir jetzt erst mal ein Käffchen gönnen.