Superfoods – Das Gute daran ist das Gute darin ?

Gesunde Ernährung und „hippe Trends“ in der Ernährung waren hier in letzter Zeit ja schon des öfteren Mal Thema. Während im Angesicht vermehrter Lebensmittelskandale und meterlanger Listen von Zusatzstoffen oft der Fokus darauf liegt, was alles nicht in unser Essen rein darf, soll es heute mal um all die Lebensmittel gehen, die man absichtlich seiner Ernährung zusetzt, weil man sich davon gesundheitliche Vorteile erhofft. Das Motto hier lautet nicht mehr nur gesund essen, sondern viel mehr Gesundheit essen.

Dies trifft in besonderem Maße auf sogenannte Superfoods zu, also solche Lebensmittel, die nicht der blanken Energiezufuhr oder dem puren Genuss dienen, sondern die auch noch zusätzliche Gesundheitsvorteile versprechen.

Und was diese Superfoods angeblich alles können ist beachtlich. Das Spektrum reicht von Krebsprävention, Blutdrucksenkung und dem Immunsystem förderlichen Effekten, bis hin zu reiner Haut und allgemeinem Wohlbefinden. Eine Apotheke könnte glatt neidisch werden.

Gesund essen vs Gesundheit essen

Ursächlich für die erhöhte Aufmerksamkeit und Klassifikation als Superfood sind oft Studien, die zeigen, dass bestimmte natürliche Inhaltsstoffe einen positiven Effekt haben. Dabei handelt es sich oft um sogenannte sekundäre Pflanzenstoffe, d.h. solche Stoffe, die eine Pflanze nicht für ihren Energiestoffwechsel benötigt, also nicht unmittelbar lebensnotwendig sind. Zwei prominente Vertreter solcher Substanzen, die Jeder kennt (wenn auch nicht in Verbindung mit Superfoods), sind Koffein und Nikotin. Eher relevant für gute Gesundheit wären z.B. die Polyphenole, die jedem gesundheitsbewussten Rotweintrinker natürlich ein Begriff sind.

Versammeln sich also im Idealfall mehrere dieser gesunden Naturstoffe in einem Nahrungsmittel, wird es zum Superfood geadelt. So weit, so gut (für die Gesundheit). Das Schöne an dem Konzept Superfood ist der Gedanke das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Wir trinken ein leckeres Rotweinchen (Genuß!) und tun mit den Polyphenolen auch etwas für unsere Gesundheit. Wir knabbern ein paar Goji-Beeren und härten unser Immunsystem ab. Einfache Lösungen kommen eben immer gut an. Gerade bei komplizierten Zusammenhängen wie das Thema Gesundheit.

Doch auch hier gilt: Einfache Lösungen für komplexe Probleme kommen nur ganz selten vor. Es mag tatsächlich der Wahrheit entsprechen, dass bestimmte sekundäre Pflanzenstoffe in Studien einen positiven Effekt zeigen.

Nehmen wir z.B. das im Rotwein enthaltene Resveratrol, ein Polyphenol, welches Wirksamkeit gegen Krebszellen und positive Effekte auf Alzheimer zeigt. Während dies durchaus interessante Ergebnisse sind, wird hier insbesondere in den Medien, die Ottonormalbürger beobachtet, aber oft außer Acht gelassen, dass viele dieser Studien in Tiermodellen oder in-vitro, d.h. im Reagenzglas durchgeführt werden. Das bedeutet, dass

  1. die beim Tier beobachteten Effekte nicht zwingend auch beim Menschen auftreten müssen
    und
  2. „Reagenzglasversuche“ unter idealen Laborbedingungen stattfinden und in Realität viele weitere Bedingungen zu berücksichtigen sind, die im Laborversuch nicht auftreten.

Während im Versuch der zu untersuchende Stoff gezielt zugeführt wird, also in relativ konzentrierter Form und direkt am Ort des Geschehens, kann der selbe Stoff, als Bestandteil eines Lebensmittels in relativ verdünnter Form vorliegen und muß erst einmal unseren Stoffwechsel durchwandern, bis er im Gehirn Alzheimer vorbeugen kann.

Im dümmsten Fall kann dies bedeuten: Bis wir einen positiven Effekt durch das Resveratrol spüren, haben wir soviel Rotwein genossen, dass wir längst dem Suff erlegen sind.

Diesem Einwand könnte man nun dadurch Rechnung tragen, dass man vom Konzept Superfood als solches ein Stück abweicht und z.B. Extrakte kocht und Pillen presst. Der Wirkstoff kann dadurch in konzentrierter Form eingenommen werden. Doch auch hier ist eine gewisse Vorsicht angebracht. Denn was von Befürwortern von Naturheilkunde und Heilmitteln aus der Natur gerne außer Acht gelassen wird: Nur weil ein Heilmittel direkt von Mutter Natur kommt, heißt dies noch lange nicht, dass es frei von Nebenwirkungen ist. Auch hier sollte man wissen was man tut. Bleiben wir z.B. beim Resveratrol und Krebs: Es kann gezeigt werden, dass Resveratrol dem programmierten Zelltod in Krebszellen Vorschub leisten kann, d.h. die Krebszellen sterben ab. Findet jedoch gleichzeitig eine Chemotherapie statt, z.B. mit Taxol (hemmt das Wachstum von Krebszellen), kann das Resveratrol die krebstötende Wirkung des Chemotherapeutikums unterbinden.

Getrocknete Goji Beeren für’s Müsli

Anderes Beispiel: Goji-Beeren. Hier lässt sich z.B. beobachten, dass Inhaltsstoffe der Goji-Beere das Enzym Cytochrom P450 3A4 in der Leber blockieren. Dieses Enzym ist aber an der Verstoffwechselung vieler Arzneimittel beteiligt, was im ungünstigsten Fall z.B. bei besonders starken Medikamenten hässliche Nebenwirkungen haben kann.

Dies soll Wirkstoffe aus der Natur natürlich nicht verdammen, da sich damit auch viele positive Dinge erreichen lassen. Man darf eben nur nicht außer acht lassen, dass solche Wirkstoffe genauso wirkungsvoll (wenn nicht gar mitunter wirkungsvoller) sein können als rein synthetische. Mit allen positiven, wie auch negativen Konsequenzen.

Goji und Chia vs Tomate und Weintraube

Doch es muss ja nicht immer auf die sekundären Pflanzenstoffe ankommen. Immerhin sollen Superfoods, mitunter auch in Form von Superfruits, vollgepackt sein mit Vitaminen und wertvollen Mineralstoffen.

Die Alternative ist vom Konzept her simpel aber weniger ‚sexy‘ als Superfood: die vielzitierte ausgewogene Ernährung. Wer eine gute Mischung an Obst und Gemüse zu sich nimmt (simple Sachen wie Äpfel, Bananen, Tomaten, Karotten etc.), braucht auch keine speziellen Superfoods, die einmal um die halbe Welt geflogen sind oder von denen außer dem Ernährungsguru noch nie jemand bei uns gehört hat. Und auch die viel gerühmten sekundären Pflanzenstoffe sind in den heimischen Produkten enthalten. Sei es das bereits erwähnte Resveratrol im Wein oder Lutein und Zeaxanthin in der Tomate, im Grünkohl oder im Mais.

Grünkohl als heimisches Superfood ?

Der Grünkohl hat eben eine schlechtere Marketingabteilung als z.B. die Gojibeere. Der Superfoodernährungsguru verkauft eben nicht nur ein Nahrungsmittel, sondern ein Lifestyleprodukt, eine Vision.

Schenkt man den Statistiken im Internet glauben (z.B. hier und hier), wurde im Jahr 2016 in Deutschland Umsätze im Bereich von 43-46 Mio. Euro erzielt, der Großteil davon mit Chia-Samen. Tendenz weiter steigend.

Infografik: Der Hype um Superfoods | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Im Kontrast dazu lässt sich mit heimischem Obst und Gemüse sicher kein Vermögen verdienen. Dafür gibt es einfach zu viele Anbieter und die Wahre ist eben nicht sexy genug. Denn Superfood ist oft auch ein Synonym für Trendfood. Einer fängt damit an und dank Marketing und Medien ist es plötzlich trendy sich Chia-Samen über das Müsli zu streuseln.

Fliegt einmal um die Welt und veredelt Gebäck und Müsli: Chia-Samen

Übrigens, wer sich einen Überblick über exotische Superfruits einerseits, sowie einige Beispiele für gesunde einheimische Gewächse andererseits verschaffen will kann dies hier tun:

Justitia und Superfood

Überhaupt tritt ein Problem auf, wenn es um Marketing und Gesundheit geht. Positive Effekte auf die Gesundheit sind ein hocheffektives Zugpferd für die Vermarktung von Produkten. Damit also der Verbraucher mit halbgaren, wissenschaftlich nicht haltbaren Behauptungen angelockt und abgezockt wird, gibt es die sogenannte Health Claims Verordnung, gemäß welcher

„eine Werbung mit gesundheits- und nährwertbezogenen Angaben […] prinzipiell nur zulässig [ist], wenn die Angaben von der Europäischen Union in einem […] Verfahren wissenschaftlich anerkannt wurde“.1

Dies verdeutlicht auch nochmal, welcher Schmu teilweise mit der Ernährung getrieben wird.

Superfood – Und wie weiter ?

Wie sieht nun das Fazit aus ? In der Apotheken Umschau zum Superfood Chia-Samen findet sich z.B. folgendes Statement eines Experten der Bundesanstalt für Ernährung, welches die Sache gut auf den Punkt bringt:

 „Wer sie essen mag, soll das gerne tun. Eine ähnliche Fettzusammensetzung finden Sie aber auch in heimischen Saaten wie Leinsamen, Rapsöl oder Nüssen“, schränkt Seitz ein. Regionale Produkte seien billiger. Zwar sind Chia-Samen länger haltbar. „Aber in Zeiten des Klimawandels sollte man sich auch fragen, ob man den hohen CO2-Fußabdruck von transatlantisch importierten Lebensmitteln verantworten will“, so Seitz.
Ein schöner Tomatensalat und ein Glas Rotwein tut es also sicherlich auch.

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Verordnung_(EG)_Nr._1924/2006_(Health_Claims)

Von noblen und nicht ganz so noblen Preisen

Jedes Jahr Ende September / Anfang Oktober hält die wissenschaftliche Welt den Atem an in Erwartung der Verkündung der diesjährigen Nobelpreise in Medizin & Physiologie, Physik und Chemie, gefolgt von den Preisen für Literatur und Bemühungen um den Weltfrieden. Kurzum: Es wird getreu den Vorgaben Alfred Nobels, dem Erfinder des Dynamits, ein Preis „an diejenigen ausgeteilt […], die im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erbracht haben“.

Goldmedaille für Wissenschaftler

Darunter findet man zahlreiche kluge Köpfe mit ihren mehr oder weniger der Allgemeinheit bekannten bahnbrechenden Entdeckungen wie Albert Einstein (für den photoelektrischen Effekt, nicht etwa wie viele annehmen für die Relativitätstheorie), Otto Hahn (für die Entdeckung der Kernspaltung), Kary Mullis (Polymerase-Kettenreaktion, essentieller Schritt bei der Untersuchung des genetischen Fingerabdrucks), Watson & Crick (Doppelhelix-Struktur der DNA) und viele Andere.

Während der Nobelpreis also große Aufmerksamkeit genießt und schon sprichwörtlich als Sinnbild für den ultimativen Preis gilt, haben nur wenige bislang vom Ig-Nobel Preis gehört. Unbekannt, aber nicht weniger bemerkenswert. Dieser eher satirisch gemeinte Preis zeichnet wissenschaftliche Leistungen aus, die „Menschen zuerst zum Lachen, dann zum Nachdenken bringen“.

Während der Großteil der damit ausgezeichneten Forschung kuriose, unerwartete oder auch humoristische Qualitäten besitzt und deswegen ins Auge der Öffentlichkeit gerückt werden soll (etwa für den Nachweis, dass schwarze Löcher technisch alle Kriterien erfüllen, die Hölle zu beherbergen), gibt es auch das etwas ernstere Szenario das vermittels Satire Kritik an Phänomenen des Zeitgeschehens geübt werden soll. Etwa wenn das Kansas State Department of Education einen Preis in der Kategorie Bildung für die Förderung des Kreationismus im Biologieunterricht verliehen bekommt oder die Premierminister von Indien & Pakistan den Friedenspreis für den militant friedlichen Einsatz von Kernwaffen.

Verliehen wird der Ig-Nobelpreis von der im Umfeld der Harvard Universität erscheinenden Zeitschrift Annals of Improbable Research in den bereits erwähnten Disziplinen plus einiger zusätzlicher von Jahr zu Jahr verschiedenen etwas exotischerer Fachbereiche wie Verbraucher Technik oder Visionäre Technologie.

Der Ig-Nobelpreis in letzterer Kategorie wurde 1993 an Jay Schiffman aus Michigan in den USA verliehen für die Erfindung einer Vorrichtung mit Namen AutoVision, die ein gleichzeitiges Fernsehgucken und Führen eines Kraftfahrzeugs ermöglicht. Während das zugrundeliegende technische Konzept gar nicht mal so verrückt erscheint, quasi eine Kombination aus Windschutzscheibe und der berühmten GoogleGlass Brille, ist es aus nachvollziehbaren Gründen, nicht empfehlenswert diese Erfindung in ihrem vollen Funktionsumfang im Alltag zu benutzen. Entweder kommt es zu Auffahrunfällen oder aber man kriegt nur die Hälfte der Handlung seiner Lieblingsserie mit. Das verrückteste daran ist aber: Der Staat Michigan hat den Einsatz der AutoVision im Straßenverkehr sogar für rechtens erklärt.

Technische Revolution in der Apparatemedizin

Ein weiteres Patent mit zweifelhafter Altagstauglichkeit gewann 1997 den Preis in der Kategorie Apparatemedizin: „Vorrichtung zur Erleichterung der Geburt eines Kindes durch Zentrifugalkraft“.1 Zum Einsatz kommen soll diese Maschine bei Schwangeren, deren Beckenbodenmuskulatur durch die heutige bewegungsarme Lebensweise unterentwickelt ist und die folglich bei der Geburt beim Pressen ziemlich abmühen müssen, um das Kind hervor zu bringen. Die Patientin wird also auf eine Liege geschnallt, die dann um das Kopfende herum in horizontale Rotation versetzt wird. Da so die stärkste Zentrifugalkraft auf den Unterleib wirkt, soll das Baby durch die Fliehkraft ausgetrieben und in ein am Fußende der Liege befindliches Fangnetz befördert werden. Wir stellen fest: Eine sanfte Geburt für Mutter und Kind sieht entschieden anders aus.

Wer seinem täglichen Brötchenerwerb auf dem Gebiet der Forschung & Entwicklung nachgeht, der weiß, dass Forschung oft mit harter Arbeit verbunden ist. Auch kommt es vor, dass Forscher, die für ein Wirtschaftsunternehmen arbeiten nicht zwangsläufig ihre favorisierten Projekte oder eigenen forscherischen Neigungen ausleben können. Am Ende des Tages muß die Kasse stimmen und es soll Geld verdient werden. Dem entsprechend kann man schon leicht neidisch werden, wenn man liest auf welch amüsantem und/oder scheinbar sinnfreien Gebiet manche Leute sich betätigen.

Die Wissenschaft vom gepflegten Suff

Nehmen wir zum Beispiel den Gewinner der Kategorie Psychologie von 2013: „‘Beauty is in the eye of the beer holder’: People who think they are drunk also think they are attractive“2 Das man sich angeblich seinen Gegenüber schön trinken kann, ist hinlänglich bekannt. Aber funktioniert dies auch mit der Selbstwahrnehmung ? So wurden in einer Feldstudie Besucher einer Bar beobachtet und hinsichtlich ihrer Selbstwahrnehmung nach dem Konsum alkoholischer Getränke befragt. Resultat: Je betrunkener, desto attraktiver kamen sich die Probanden vor. Auch in einer Placebo kontrollierten Studie konnte dies bestätigt werden. Neben der gewonnenen Erkenntnis, sehen wir also, dass man auch in der Forschung das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden können und seine Arbeit, eine geeignete Idee vorausgesetzt, auch in unsere Stammkneipe verlegen können.

Unwiderstehlich dank Bier !

Ebenfalls mit dem gepflegten Suff zu tun hat der Gewinner des Biologie-Preises von 2018: „The scent of fly“ (Der Geruch der Fliege).3 In dieser Arbeit wurde der Nachweise geführt, dass bereits eine einzelne Fruchtfliege ausreicht, um ein Glas Wein hinreichend zu kontaminieren, dass es für den Weinkenner geschmacklich verdorben ist. Neben diversen „Trockenversuchen“ wurden dem Wein Tasting Panel unteranderem auch ein trockener Pinot Blanc, Jahrgang 2013, der Staatsweinkellerei Freiburg kredenzt, der vorher mit einer einzelnen weiblichen Fruchtfliege „abgeschmeckt“ wurde. Wer kann schon von sich behaupten im Dienste der Wissenschaft Wein verkosten zu dürfen.

Krokodile & Katzen in der Wissenschaft

Das Kuriose ist ja, dass viele dieser Studien auf einer seriösen und validen Grundannahme basieren, sich aber aufgrund ihres unkonventionellen Versuchsaufbaus für den Ig-Nobelpreis qualifizieren. Beispielhaft ist hier z.B. der Beitrag in der Kategorie Wirtschaft von 2017: „Never Smile at a Crocodile: Betting on Electronic Gaming Machines is Intensified by Reptile-Induced Arousal 4 Die Annahme in dieser Studie ist, dass sich ein gewisser „Adrenalin-Pegel“ sich in einem risikofreudigeren Verhalten bei Glücksspielen manifestiert. Im Idealfall würde man sich jetzt einen Versuch unter Laborbedingungen vorstellen, bei dem die Probanden in die passende Gemütshaltung gebracht werden. Doch die Australischen Forscher verlegten ihren Versuch vom Labor auf eine Krokodilfarm. Um den gewünschten Zustand der Erregung herbeizuführen, wurde einem Teil der Probanden ein 1-Meter-langes Leistenkrokodil in die Arme gedrückt, bevor sie ihr Glück an einem Spielautomaten versuchen durften. Tatsächlich neigte ein Teil von besonders glücksspielaffinen Probanden zu einer höheren Risikofreudigkeit, sofern sie nicht durch die Krokodilbehandlung völlig verschreckt waren.

Ein Forschungskrokodil (Abbildung ähnlich)
Ein Forschungskrokodil (Abbildung ähnlich)

Der reinen Wissenschaft zu frönen kann schön schön sein. Idealerweise lassen sich die Früchte der eigenen Arbeiten auch noch kommerzialisieren. Es gibt aber noch eine dritte Option: Wer sich mit Social Media auskennt, der weiß, dass Katzen immer gut ankommen. Also warum nicht auch mal in der Wissenschaft oder genauer in der Strömungslehre oder Rheologie sein Glück versuchen und Aufsehen erregen indem man Cat Content produziert: “On the rheology of Cats“ (Über die Strömungslehre von Katzen)5, Gewinner des Physik Ig-Nobelpreises von 2017, einer Studie in welcher der Frage nachgegangen wird, ob eine Katze sowohl Flüssigkeit als auch ein Feststoff sein kann. Natürlich ist diese Arbeit nicht ganz ernst gemeint und mehr ein Insider Joke für die Strömungsgelehrten, die sich mit einem Augenzwinkern der lustigen Eigenschaft von Katzen zuwendet, sich geschmeidig auch in die engsten Räume „hineinschmiegen“ zu können. Aber wer hat auch gesagt, dass Wissenschaft nicht fröhlich sein darf ?

Marc-Antoine Fardin, Rheology Bulletin, vol. 83, 2, July 2014, pp. 16-17 and 30.
Marc-Antoine Fardin, Rheology Bulletin, vol. 83, 2, July 2014, pp. 16-17 and 30.

Mathematik & Chemie

Und wer basierend auf eigenen Erfahrungen während der Schulzeit annimmt, dass Wissenschaften wie die Mathematik, völlig humorbefreit sind, der möge sich folgende Ig-Nobel Beiträge zu Gemüte führen:

  • “The Case of Moulay Ismael – Fact or Fancy?“ Für Klärung der Frage mittels Computersimulation, ob Moulai Ismail, der Blutdürstige (Kaiser von Marokko 1697-1727) tatsächlich 888 Nachkommen gezeugt haben kann. (Ja, kann er !)6
  • Gorbachev! Has the Real Antichrist Come? In welcher ein gewisser Robert W. Faid die Wahrscheinlichkeit ausrechnet, dass Michail Gorbatschow der Antichrist ist (710.609.175.188.282.000 zu 1)7

Da der Preis seit 1991 bereits in zahlreichen Kategorien vergeben wurde, würde es natürlich den Umfang dieses Artikels sprengen, hier alle wieder zu geben. Wer hier allerdings regelmäßig mitliest, weiß das ich aufgrund meiner teilweise berufsbedingten Affinität zur Chemie hier nicht aufhören kann, ohne einen chemischen Bezug hergestellt zu haben. Somit möchte ich hier den durchaus interessanten und potentiell alltagsrelevanten Ig-Nobel Beitrag zur Chemie des Jahres 2018 würdigen.8 Jeder kennt es: Das wache Auge des Betrachters hat einen Klecks Schmutz ausgemacht, hat aber gerade keine Reinigungsutensilien zur Hand. Deswegen versucht man in einem unbeobachteten Augenblick, die störende Anschmutzung schnell mit dem Spucke-befeuchteten Finger auszureiben (Szenario: Oma putzt die Wange ihres Enkels).

Spucke & antike Kunst

Tatsächlich scheint es im Kreise erfahrener portugiesischer Museumskonservatoren üblich zu sein diese Technik bei der Reinigung bestimmter empfindlicher Kunstgegenstände anzuwenden, da so besser und schonender gereinigt werden kann, als mit lösungsmittelbasierten Techniken. Tatsächlich konnte nachgewiesen werden, dass der typische Schmutzklecks hauptsächlich aus Lipiden (Fett !) besteht, die Proteine und anorganische Teilchen binden und folglicherweise mit den Enzymen im Speichel, die Fette und Proteine spalten können, aufgelöst werden. Somit ist das putzen mit Spucke durchaus gut wirksam, aber dennoch leicht eklig.

Schließen möchte ich mit jenem Ratschlag, mit dem auch jede Ig-Nobelpreisverleihung geschlossen wird:

“If you didn’t win a prize—and especially if you did—better luck next year!“


  1. https://patents.google.com/patent/US3216423
  2. Bègue et al. Brit. J. Psychol. 2012, 104, 225.
  3. Becher et al. J. Chem. Ecol. 2018, 44, 431.
  4. Rockloff + Greer J Gambl Stud 2010, 26,571.
  5. http://www.rheology.org/sor/publications/rheology_b/RB2014Jul.pdf
  6. Oberzaucher et al. PLOS ONE 2014, 9, e85292.
  7. https://www.washingtonpost.com/archive/opinions/1988/06/05/the-devil-in-gorbachev/34f9db9b-9498-4894-9800-90f7d3d4e434/?noredirect=on&utm_term=.817de268aaaa
  8. Studies in Conservation 1990, 35, 153.

Wohl bekomms ?

Manchmal könnte man annehmen das es nicht so darauf ankommt, was in unserem Essen drin ist, sondern auf das was nicht drin ist. Seit 2014 ist es Pflicht für alle, die Lebensmittel verkaufen, den Kunden über enthaltene Allergene, also Inhaltsstoffe, die allergische Reaktionen oder Unverträglichkeiten hervorrufen können, zu belehren. Zu diesen deklarationspflichtigen Inhaltsstoffen gehören z.B.

Gluten, Laktose, Milcheiweis, Hühnerei, Soja, Erdnüsse, Fisch, Krebstiere, Schalenfrüchte, Weichtiere, Lupine, Sesam, Senf, Schwefeldioxid oder Sellerie.

Photo by Lubo Minar on Unsplash
Photo by Lubo Minar on Unsplash

Einerseits ist dies durchaus begrüßenswert, da allergische Reaktionen durchaus bedrohlich sein können – Wenn man denn an einer entsprechenden Allergie oder Lebensmittelunverträglichkeit leidet.

Während man aber eher selten von einer Sellerieunverträglichkeit hört, sind Gluten-frei und Laktose-frei zwei Attribute, die man in letzter Zeit immer häufiger hört und die vermuten lassen, dass  Gluten- und Laktoseintolleranz entweder zwei Leiden sind, die verstärkt um sich greifen, oder das gerade eine ernährungsmäßige Hexenjagd abgehalten wird.

Laktose

Laktose ist Milchzucker und kommt in verschiedenen Anteilen in der Milch von Tieren, aber auch in menschlicher Muttermilch vor. Problematisch an Laktose ist nun, dass es sich dabei um einen Zweifachzucker (aufgebaut aus Glucose und Galactose) handelt, der vom menschlichen Darm nicht aufgenommen werden kann.

Säugetier Anteil Milchprodukte (Kuh)

Anteil Lactose
g/100 g

Esel 7,4 % Magermilch
(0,3 % Fett)
4,80 g
Mensch 7,1 % fettarme Milch
(1,5–1,8 % Fett)
4,80 g
Pferd 6,2 % Vollmilchpulver 35,10 g
Kamel 5,0 % Magermilchpulver 50,50 g
Büffel 4,8 % Kondensmilch 9,32 g
Katze 4,8 % Schlagsahne 3,27 g
Schaf 4,8 % Sauerrahm 3,0 g
Kuh 4,6 % Molke 4,70 g
Yak 4,6 % Joghurt (3,5 % Fett) 3,19 g
Ziege 4,3 % Vollmilchschokolade 2,0 g
Rentier 2,8 % Vollmilch 4,7 g

Die Konsequenz: Da unser Darm von einem ganzen Spektrum an Mikroorganismen besiedelt ist, die Laktose sehr gut aufnehmen und verarbeiten können, fängt es also an in uns zu gähren. Da hierbei eine ganze Menge an Gasen entsteht kommt es zu Blähungen und gleichzeitig entstehende Milchsäure wirkt abführend, was sich im Extremfall in Durchfall äußern kann.

Dem aufmerksamen Leser sollte sich jetzt die Frage stellen: Warum können Säuglinge (laktosehaltige) Muttermilch verdauen, ohne solch unschöne Konsequenzen zu erleiden ? Des Rätsels Lösung: Das Enzym Laktase, welches Laktose in die einfach resorbierbaren Bausteine Glucose und Galactose aufspaltet. Leider geht die Produktion dieses Enzyms im Erwachsenenalter stark zurück. Lediglich in Populationen, die seit langer Zeit Weidewirtschaft betreiben, blieb die Fähigkeit zur Laktosespaltung erhalten. Vermutlich weil sie dadurch einen Selektionsvorteil durch Zugriff auf eine zusätzliche hochwertige Nahrungsquelle wie Milch besaßen. So zeigten evolutionsbiologische Untersuchungen an Skeletten aus der Jung- und Mittelsteinzeit (7800 – 7200 Jahre alt !), dass die damaligen Menschen noch nicht in der Lage waren Laktose zu verdauen. Auch der bekannte Steinzeitmensch Ötzi war laktoseintollerant… Erst im frühen Mittelalter können die ersten laktosetolleranten Menschen nachgewiesen werden.

Dennoch stellt diese Fähigkeit nach wie vor eine Besonderheit der menschlichen Entwicklung dar. Während Nordwest-Europäer überwiegend Laktose vertragen (80 – 98 %; Deutschland ca. 85 %), sind es in Südostasien nur bescheidene 2 %.1

Lactose tolerance in the Old World
Laktosetoleranz in Eurasien (Quelle: Wikipedia)

Nun entsprechen 15 % der Bevölkerung immerhin ca. 12,6 Mio. Einwohnern, für die es gut zu wissen ist, dass für sie ein reiches Sortiment an laktosefreien Produkten existiert. Von Soja und Mandelmilch bis hin zu enzymatisch behandelter Milch, in der die Laktose entfernt wurde. Dennoch sind laktosefreie Produkte mittlerweile auch ein Lifestyle Produkt. So rekrutieren sich die Konsumenten dieser Produkte zu 80 % aus der Menge der laktosetolleranten Milchfreunde, wie eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) herausgefunden hat.2 Dabei hat man keinen wirklichen Vorteil davon. Laktose fördert immerhin die Calciumaufnahme. Und teurer sind die laktosefreien Produkte auch.

Gluten

Kommen wir zum berühmt berüchtigten Gluten (oder Klebereiweiß). Dieses Stoffgemisch aus Proteinen kann in den Körnern bestimmter Getreidesorten wie z.B. Weizen gefunden werden und ist beim Kochen und Backen von entscheidender Bedeutung. Wird Gluten mit Wasser vermischt (z.B. beim Anteigen von Mehl), bildet es eine klebrige und elastische Masse und verleiht damit dem Mehl seine Backfähigkeit, d.h. Gas im Teig einzuschließen. Nur mit Gluten ist es möglich Gebäck in Form von Laiben zu backen. Es sorgt also dafür, dass der Teig seine Form behält. Läßt man es weg, dann ähnelt das Resultat eher einem Fladenbrot.

Keine fluffigen Brötchen ohne Gluten

Was hat es nun mit dem schlechten Ruf des Glutens auf sich ? Zunächst mal vorneweg: Er ist größtenteils unbegründet. Denn: Nur etwa 0.3 % der Weltbevölkerung (1 in 270 Menschen)3 leidet an Glutenintoleranz (Zöliakie).

Dennoch hört man immer wieder von den Gefahren die von Weizen im Allgemeinen und Gluten im Speziellen ausgehen. Fakt ist, das die ganze Angelegenheit relativ kompliziert ist und viele damit verbundenen Zusammenhänge Gegenstand der Forschung sind. Es kann aber als relativ gesichert angesehen werden, dass genetische, also vererbbare Faktoren, eine wichtige Rolle spielen. Liegen diese nicht vor, handelt es sich also wahrscheinlich nicht um Zöliakie, sondern um ein anderes Phänomen.

Wie ist es dann aber zu erklären, dass viele Menschen, die auf eine Gluten-freie Ernährung umgestellt haben, einen positiven Effekt auf ihr Wohlbefinden verspürt haben ?

Man stelle sich ein Weißbrot aus dem Supermarkt vor… Im ungünstigen Fall mit einer erschreckend langen Liste an Inhalts- und Zusatzstoffen. Gebacken in kürzester Zeit aus gebleichtem Mehl.

Dieses wird nun, zwecks Zubereitung eines Sandwichs, mit Halbfettmargarine und einem Dip aus dem Lebensmitteldiscounter bestrichen oder konservierungsmittelhaltigen Eiersalat belegt und zwecks Abtransport am nächsten Morgen in Frischhalte gewickelt. Die Nacht verbringt das Sandwich im Kühlschrank, aber den Weg zur Arbeit und den Rest des Vormittag verbringt es dann wenn es suboptimal läuft bei Raumtemperatur, während es langsam vor sich hin fermentieren kann. Schließlich wird es im Eilverfahren verschlungen und mit einer Tasse des Kaffees, der den ganzen Morgen schon auf der Heizplatte in der Teeküche verbracht hat herunter gespült, was unser Magen mit einem mulmigen Gefühl von leichter Blümeranz mit Anflügen von Sodbrennen quittiert. Unser Fazit: Verdammt, die glutenfreien Ernährungsapostel aus dem Internet haben doch recht…

Stellt man nun seine Ernährung entsprechend auf glutenfrei um und gibt sich voll der Paläodiät hin, stellt sich ein verbessertes Wohlbefinden ein. Aber sehr wahrscheinlich nicht, weil wir das Weizen-haltige Brot weggelassen haben, sondern weil wir auch eine ganze Latte an Zusatzstohfhaltigen Lebensmitteln weggelassen haben und wesentlich bewusster auf unsere Ernährung achten und uns nicht mehr wie ein Müllschlucker in rasendem Tempo zu Unzeiten vollfuttern. Der von Vielen beobachtete Abnehmeffekt bei Glutenverzicht kann darüberhinaus auch daher kommen, dass viele Getreideprodukte auch reich an Kohlenhydraten sind, die sich durch ihre Kalorien auch auf unsere Figur auswirken.

Zusätzlich gibt es ein weiteres ganz interessantes psychologisches Phänomen: den Nocebo-Effekt

eine scheinbar negative Wirkung durch ein Arzneimittel oder sonstigen äußeren Einfluss. Er bezeichnet eine Reaktion auf ein medizinisches Präparat ohne spezielle Wirkung bzw. auf die gerüchteweise die Gesundheit oder das Wohlbefinden nachhaltig beeinträchtigende Wirkung einer umweltverändernden Maßnahme.

Dabei spielt die Erwartungshandlung des Probanden – hier der Person mit einer vermeintlichen Lebensmittelunverträglichkeit – eine große Rolle. Bedeutet: Wenn man ein Lebensmittel verzehrt, von dem man sich sicher ist, dass man es nicht verträgt, so kann eine negative Wirkung eintreten auch wenn eine entsprechende Unverträglichkeit gar nicht vorhanden ist. Wenn man also im Alltag von diversen (mitunter prominenten) Ernährungspäpsten vorgebetet bekommt, dass uns ein bestimmtes Lebensmittel krank macht, kann es tatsächlich soweit kommen, dass wir das Lebensmittel plötzlich tatsächlich nicht mehr vertragen.

Man ist schnell bei der Hand der Nahrungsmittelindustrie vorzuwerfen mit der Manipulation unserer Nahrungsmittel ihren Gewinn auf kosten unserer Gesundheit zu maximieren (was in manchen Fällen tatsächlich zutreffen kann), aber man sollte gleichzeitig nicht vergessen, dass man mit Produkten und Programmen zu gesunder Ernährung viel Geld verdienen kann.

Allein für lactosefreie Lebensmittel lag der Umsatz im Jahr 2014 bei 285 Mio. EUR und für glutenfreie Lebensmittel bei 105 Mio. EUR.4 Oder z.B. das Buch Weizenwampe: Warum Weizen dick und krank macht des amerikanischen Mediziners William Davis, dass dem Anti-Weizen und Anti-Gluten Hype ordentlich Vorschub geleistet hat, ein weltweiter Bestseller.

 Design Credits: https://www.vecteezy.com
Bild: Vecteezy.com

Natürlich soll dies nicht heißen, dass alle Lebensmittelunverträglichkeiten nur eingebildet sind. Eine tatsächliche Zöliakie ist eine durchaus ernste Erkrankung. Allerdings sind viele vermeintliche Unverträglichkeiten nicht medizinisch nachgewiesen, sondern beruhen auf individuellen Beobachtungen. Und so etwas ist durchaus eine komplexe Angelegenheit, da im Alltag eine Vielzahl an Faktoren einen Einfluss auf unser subjektives Wohlbefinden haben können. Ein Lebensmittel oder eine ganze Mahlzeit enthält eine Vielzahl an Inhaltsstoffen, die unser Wohlbefinden beeinflussen können. Letztendlich können auch Zubereitung oder die Bedingungen und Umstände unter denen wir unser Essen zu uns nehmen einen Einfluss haben. So kann Weizen, der teilweise auch über das Gluten hinaus verteufelt wird, ungesund sein, wenn er unsachgemäß zubereitet wird. Weizen enthält z.B. Phytinsäure, welche die Aufnahme von Mineralien wie Calcium, Magnesium und Zink behindert, wenn wir den Weizen umfermentiert oder roh zu uns nehmen.

Fängt wertvolle Mineralien weg: Phytinsäure, ein Anti-Nährstoff

In der Komplexität des Problems liegt auch ein Grund, warum bestimmte Diäten und Ernährungskonzepte, wie Gluten-frei, so erfolgreich sind: Sie bieten eine einfache Lösung für ein komplexes Problem. Ohne Gluten hin zu einem schlanken Bauch, reiner Haut und mehr Wohlbefinden.

Überhaupt werden Produkte, die das Prädikat frei von xxx tragen insgesamt als hochwertiger empfunden. Es kommt nicht mehr drauf an, was an guten Zutaten drin ist, sondern eher was alles nicht drin ist.

Frei von Allem (Bild: Vecteezy.com)
Frei von Allem (Bild: Vecteezy.com)

Dies kann aber mitunter ein Trugschluss sein. Denn lässt man z.B. den Weizenkleber weg, dann muss der Zusammenhalt des Produkts ja irgendwoanders herkommen. Dies lässt sich z.B. mit einem Mehr an Zucker und Fett (die auch einen großen Einfluss auf die Textur eines Lebensmittels haben) erreichen.5Fazit: Schlecht für die Figur.

Letztendlich sind Getreideprodukte, in ihrer Vollkornvariante, durch ihren Gehalt an Ballaststoffen, durchaus einer gesunden Ernährung zuträglich. Kurzum: Hat man keine nachweisbare Unverträglichkeit, sollte man auch nicht darauf verzichten. Wenn man es nicht übertreibt, darf man sich also die morgendliche Frühstückssemmel oder das alkoholfreie Weizenbier nach dem Sport beruhigt schmecken lassen !

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Laktoseintoleranz#Weltweit
  2. https://lebensmittelpraxis.de/warenkunden/20578-warenverkaufskunde-laktosefreie-milchprodukte.html
  3. R. Keller: Klinische Symptomatik „Zöliakie, ein Eisberg“. In: Monatsschrift Kinderheilkunde. Heidelberg 151.2003, 706.
  4. https://www.dge.de/presse/pm/selbstdiagnose-unvertraeglichkeit/
  5. https://utopia.de/ratgeber/gluten/

Mit Wissenschaft kühl durch den Sommer

Ok, das Thema Sonnenschutz haben wir uns bereits angeguckt. Was brauchen wir also noch um durch den heißen Sommer 2018 zu kommen ?

Ein Szenario, dass glaube ich Vielen nicht unbekannt sein wird: Wir haben uns trotz hochsommerlichen 32°C mehr oder minder erfolgreich durch den Arbeitstag gerettet, jetzt lechzen Gemüt und Kehle nach einem kühlen Trunk zum Feierabend… Also ab nach Draussen an die frische Luft. Schlecht nur, wenn man vergaß das Feierabendbier rechtzeitig in die Kühlung zu legen. Ein weiteres Problem: Wie bleibt der Nachschub an köstliche Gerstensaft angenehm kühl, wenn man mit ihm fernab des Eisschranks auf der Wiese sitzt ?

Kaltes Getränk mit Hilfe der Wissenschaft und kalten Putzlappen

Und auch hier zahlt sich ein gutes Quantum an naturwissenschaftlichen Kenntnissen aus: Man benötigt nur ein Stück saugfähiges Textil und Wasser um selbiges gut zu durchfeuchten. Man packt die Getränkeflasche nun in den triefend nassen Lappen und stellt sie an einen luftigen und trockenen Ort. Nun muß man eine Weile warten, während sich das Getränk auf nahezu magisch anmutende Weise abkühlt.

Verdunstungskälte heißt das Zauberwort ! Denn auch bei 30 °C verdunstet eine gewisse Menge Wasser, vorausgesetzt, die Luftfeuchtigkeit liegt unter 100 %. Je trockener, desto besser.

So zumindest die Theorie. Aber wie heißt es so schön: Versuch macht klug. Also habe ich mir aus einer leeren 500 mL Flasche einer beliebten Hipsterbrause, die ich mit Wasser gefüllt habe und einem Laborthermometer eine Testapparatur gebastelt. Das Ganze noch schnell in ein nasses Küchenhandtuch wickeln und schon startet der Kühlversuch.

Auch wenn die Kühlwirkung relativ verhalten zu Tage tritt, kann man doch nicht leugnen, dass die Methode funktioniert. Innerhalb von 2 Stunden pendelte sich die Temperatur in der Flasche von ursprünglich 29 °C bei knapp unter 23 °C ein. Das Wasser ist zwar nicht „Kühlschrank-kalt“ aber um Einiges erfrischender geworden. Sicherlich lässt sich der Verdunstungseffekt noch weiter forcieren, wenn man einen Ventilator neben die Versuchsanordnung stellt, der die feuchte Luft wegpustet und frische trockene Luft nachführt.

Wasserkühler auf spanische Art

Dabei ist diese improvisierte Form der Getränkekühlung keine neue Errungenschaft der neuzeitlichen Camping- und Grillbewegung, bei welcher sie recht populär ist. Wie mir der Kollege François beim Mittagessen erzählte, findet man eine Art Urform davon in Andalusien: den Botijo.

Der Botijo – ein traditioneller spanischer Wasserkühler

Dabei handelt es sich um einen bauchigen Krug aus gebranntem, porösen Ton mit einer oder mehreren Trinkstutzen. Das enthaltene Wasser dringt durch die Poren langsam nach außen und verdunstet dort an der sehr trockenen, heißen Luft (die ja im mediterranen Klima Andalusiens reichlich vorhanden ist) und kühlt dadurch den restlichen Inhalt des Krugs. Das funktioniert wie gesagt im staubtrockenen Andalusien sehr gut, in z.B. Panama allerdings, welches in der doch recht feuchten Monsun-Zone liegt, weniger gut, so der Kollege F. Und auch in Spanien, genauer gesagt an der Universidad Politécnica de Madrid, gibt es Wissenschaftler, welche die Funktionionsweise des Botijo genügend fasziniert hat, um die Leistungsfähigkeit dieses traditionsreichen Verdunstungskühlers zu untersuchen.

Unter kontrollierten Laborbedingungen wurde der Botijo mit 3.16 kg Wasser (T=39°C) gefüllt und (um gleichmäßige Temperaturen zu gewährleisten) in einen 39 °C warmen Ofen gestellt (simulierter andalusischer Sommer). Dabei wurde die Wassertemperatur, meiner Softdrinkflasche nicht unähnlich, mit einem Thermometer verfolgt und in regelmäßigen Intervallen der Wasserverlust mittels einer Waage kontrolliert. Das recht interessante Ergebnis: Nach 7 Stunden waren zwar 400 g Wasser (fast ein halber Liter) weniger im Krug, aber das Wasser hatte sich um 15 °C auf 24 °C abgekühlt.

Natürlich ist der Krug irgendwann leer, wenn man ihn zu lange stehen lässt. Aber in einem 39 °C warmen Sommer, wird das Wasser eh vorher getrunken, bevor es komplett verdunstet. Der Vorteil des kontinuierlichen Wasserschwunds ist aber auch eine kontinuierliche Kühlleistung, während mein feuchter Lappen deutlich schneller versagen würde, weil er entsprechend schneller austrocknet. Wer sich selber wissenschaftlich mit dem Botijo befassen möchte, kann dies anhand der folgenden Differentialgleichungen tun:

Dieser Tonkrug erfreut sich auch heute noch einer gewissen Beliebtheit in Spanien, überall da, wo ein kühles Getränk abseits entsprechender Infrastruktur gefragt ist. Ein Verwandter des Botijo findet man zuweilen auch in hiesigen Gefilden auf Mittelaltermärkten in Form von Bierkrügen aus Ton, die das enthaltene Getränk (das aber am Besten bereits vor dem Einfüllen gekühlt wurde) kühl halten, wenn der Krug sich vorher mit Wasser vollsaugen konnte.

Immer schön aufpassen, dass man in der Hitze nicht wegschmilzt

Hightech Kühlung aus Bayern

Während der Botijo einfach, aber genial ist, findet sich am anderen Ende der Hightech-Skala eine ausgefuchste (aber deutlich komplexere) Erfindung aus Bayern. Und in Bayern trinkt man natürlich nicht Wasser, sondern Bier. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der Münchner Physiker Peter Maier-Laxhuber als er sich entschloss die Erkenntnisse aus seiner Doktorarbeit mit dem Titel „Sorptionswärmepumpen und Sorptionsspeicher mit dem Stoffpaar Zeolith – H2O“ zu kommerzialisieren, auch ein selbstkühlendes Bierfass entwickelte.

Bei dieser raffinierten Erfindung ist der eigentliche Bierbehälter (A) von zwei konzentrischen Kammern (B, C) umgeben. Die innere enthält ein saugfähiges Material, das mit Wasser durchtränkt ist. Die äußere Kammer (C) ist mit einem Zeolith (alias Molekularsieb) gefüllt, einem Material, welches aufgrund seiner Poren in Molekülgröße eine hohe Wasseraffinität besitzt. Beide Schichten stehen unter Unterdruck, um eine Verdampfung des Wassers in Kammer (B) zu erleichtern. Die Energie, die zum Verdampfen des Wassers notwendig ist, wird dem Bier in Kammer (A) in Form von Wärme entzogen.

Selfcoolbarrel
Durch öffnen eines Ventils kann nun das Wasser aus Kammer (B) in die Kammer (C) hinein verdampfen und wird dort durch den Zeolith gebunden. Dies ist wichtig, da der notwendige Unterdruck durch den entstehenden Wasserdampf aufgehoben werden würde und so letztendlich die Produktion von weiterem Wasserdampf, welche ja durch Verdunstungskälte unser Bier kühlt, zum Erliegen kommen würde. Der Kühleffekt ist sogar so groß, dass das Wasser in (B) gefrieren kann. Interessanter Nebeneffekt: Der Zeolith erwärmt sich, wenn er Wasser aufnimmt, so dass unser Faß mit kühlem Bier außen recht warm wird. Daher auch der Begriff Sorptionswärmepumpe, da sozusagen die Wärme aus dem Bier nach Außen „gepumpt“ wird.

Um dem Nachhaltigkeitsgedanken entsprechend Sorge zu tragen kann das Faß für einen späteren erneuten Einsatz regeneriert werden. Durch Erhitzen lässt sich das gebundene Wasser aus dem Zeolith wieder freisetzen.

Wer das Faß ausprobieren möchte kann ein solches u.A. von der Tucher Brauerei erwerben, die damit wirbt „jederzeit und überall [...] frisch gezapftes, kühles Tucher. Ohne Strom. Ohne Vorkühlen. In weniger als 45 Minuten.“

Aus heiß wird kalt – Feuer & Flamme für kühles Bier

Und für all diejenigen, die für einen zünftigen Showeffekt zu ihrem Getränk keine Kosten und Mühen scheuen, hier noch eine Variante, mit der man Getränke mittels Feuer kühlen kann.

Achtung – Wer Folgendes ausprobiert tut dies ausdrücklich auf eigene Gefahr. Der Autor übernimmt keine Verantwortung für etwaige (Feuer)schäden

Man benötigt einen Eimer voll Sand, in den die zu Kühlende Flasche eingegraben wird. Anschließend gießt man eine reichliche Portion Brennspiritus über den Sand und entzündet das Ganze. Der Kühlungseffekt soll nun dadurch eintreten, dass der Spiritus an der Oberfläche des Sandeimers abbrennt und weiterer Spiritus aus dem Sand hochgesaugt wird (eine Art Dochteffekt). Die dabei auftretende Verdunstungskälte tut ihr Übriges. Ob das Ganze funktioniert ? Keine Ahnung, aus brandschutztechnischen Gründen habe ich auf ein Experiment verzichtet. Sollte der geneigte Leser sich dazu entschließen dieses Experiment selbst zu probieren, so tut er dies auf eigene Gefahr und hoffentlich fernab von brennbarem Material.

Welche Methode auch immer man letztendlich wählt: Immer genug trinken und einen kühlen Kopf bewahren !

Gefilterte Sonne – Von Sonnenbrand und Sonnenschutz

Sommer ist’s und die Sonne scheint. Ein durchaus begrüßenswerter Umstand, wenn man an die düstere Winterzeit drängt. Vorbei ist es mit dem Stubenhocken und raus geht’s Sonne tanken. Doch halt ! Tummelt man sich über Tag allzu arglos in der Sonne kriegt man Abends dafür die Quittung: Man sieht aus wie ein gekochter Hummer, schmerzend gerötete Haut, sprich: Sonnenbrand !

Doch was genau ist Sonnenbrand und woher kommt er ? Um dies zu verstehen müssen wir uns das Sonnenlicht mal genauer betrachten:

Das augenscheinlich farblose Sonnenlicht ist gar nicht farblos, sondern ist eine Überlagerung verschiedener Wellenlängen von elektromagnetischer Strahlung, die wir einzeln betrachtet als unterschiedlich farbig wahrnehmen würden.

Jedoch enthält die Sonnenstrahlung, die uns innerhalb der Erdatmosphäre erreicht, nicht nur das sichtbare Licht, sondern auch die energiereiche ultraviolette Strahlung (UV).

UV-Licht ist hinreichend energiereich, dass es unsere Zellen schädigt, indem photochemische Reaktionen, z.B. in unserer DNA, ausgelöst werden. Diese Schäden lösen eine Reihe von Reaktionen des Organismus aus, die einer Entzündung nicht unähnlich sind, u. A. bemerkbar an Rötung, Übererwärmung und Schmerz. Wie schnell eine solche Reaktion auftritt, ist dabei von mehreren Faktoren abhängig.

Warum vornehme Blässe nicht erstrebenswert ist

Zum Einen ist dies von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Während sehr hellhäutige Menschen sehr schnell Sonnenbrand kriegen, dauert es bei dunklen Hauttypen deutlich länger, bis eine entsprechende Reaktion auftritt. Beim sehr hellhäutigen Typ I (keltischer Hauttyp, rötliches/hellblondes Haar) ist die Eigenschutzzeit, d.h. die Zeit in der ein Sonnenbrand auftreten kann, in der Mittagssonne im Sommer unter 10 Minuten. Beim mediterranen Typ IV (bräunliche oder olivfarbene Haut, dunkele Haare) wären 30 Minuten noch ok. Wer eine ganz grobe Abschätzung haben möchte zu welchem Hauttyp er gehört kann einmal einen Blick auf die Seite des Bundesamts für Strahlenschutz werfen.

Natürlich ist die Verweildauer, die man in der Sonne bleiben kann auch in großem Maße von der Intensität des Sonnenlichts ab. Bei bewölktem Himmel ist die Gefahr sich zu verbrennen eher gering. Eine Abschätzung für diesen Faktor liefert der UV-Index:

Kurze Erklärung: Die Bestrahlungsstärke einer horizontalen Fläche wird nach dem Wirkungsspektrum, d.h. der Schädlichkeit der verschiedenen Wellenlängen des Lichts gesichtet. UV-Licht mit einer Wellenlänge < 298 nm wird mit dem Faktor 1 voll berücksichtigt, während länderwelliges Licht, d.h. mit abnehmender Energie immer weniger zum Ergebnis beiträgt. Um etwas handlichere Werte zu erhalten teilt man das Ergebnis durch 25 und erhält so eine Skala die sich im Bereich von 1 bis 11+ bewegt, wobei 1-2 geringer Sonnenbrandgefahr entsprechen und bei Werten über 8 – 9 Sonnenschutz unbedingt empfohlen ist. Wer sich also entsprechend vorbereiten möchte kann dies z.B. durch Beobachten des Wetterberichts tun. Übrigens, sollten Sie den schönen Sportarten Segeln, Surfen (soll heißen Sport in oder am Wasser) oder Ski fahren (sprich: im Schnee) fröhnen gilt es ein erhöhtes Risiko zu berücksichtigen, da Schnee und Wasser Licht reflektieren und für eine erhöhte Bestrahlung sorgen !

Vor UV-Strahlung wird gewarnt !

Weitere Faktoren, die einen Einfluss auf die UV Immission haben, sind Luftverschmutzung (Staubpartikel absorbieren Licht), der geographische Breitengrad und die höhe der Lage des Standorts (je höher und je näher am Äquator desto intensiver).

Da man jedoch im Sommer auch einmal an die frische Luft möchte, muss man sich geeigneter Schutzmaßnahmen bedienen. Die magischen Worte lauten demnach Reflektieren, Streuen und Absorbieren. Drei geeignete Konzepte, damit die UV-Strahlung nicht an unsere Haut dringt.

Schutzmaßnahmen gegen die Sonne

Um die Schutzmaßnahmen nach ihrer Wirksamkeit beurteilen kann gibt es den sogenannten Lichtschutzfaktor (LSF / LPF) bzw. UV-Schutzfaktor (USF / UPF). Diese Größen geben an, wie viel mal länger man sich in der Sonne aufhalten kann, ohne dass eine Hautrötung auftritt. Ergo: Beträgt die Eigenschutzzeit 10 Minuten kann man mit LSF 20 etwa 10 min x 20 = 200 min, d.h. etwas länger als 3 Stunden in der Sonne bleiben. Doch auch hier ist ein gerüttelt Maß an Vorsicht geboten: Da trotz aller Schutzmaßnahmen, die Einwirkung der UV-Strahlung auf unsere Haut nicht völlig neutralisiert wird, sollte man die verlängerte Schutz-Zeit nicht völlig ausreizen. Etwa 60 % werden empfohlen um das Risiko langfristiger Schäden zu minimieren. Da die UV-Belastung kumulativ wirkt, sind auch vergangene Aufenthalte in der Sonne zu berücksichtigen. Hier gilt also (wie eigentlich fast überall): Nicht übertreiben !

Maßnahme LSF
Sonnenschirm ca. 15
Sonnencreme 1 – 30
Leichte Baumwollkleidung 2 – 10
Dichte Baumwollkleidung ca. 20
Schatten unter einem Baum 5 – 15

Quelle: Broschüre Textiler UV-Schutz (Link)

Wenn man nicht stationär im Schatten verharren will, so kann man z.B. den Ratschlag des Arztes Edmund Saalfeld aus dem Buch Kosmetik – Ein Leitfaden für praktische Ärzte1 beherzigen:

„Bei Wanderungen im Gebirge, auf Gletschern, an der See […] Schleier tragen. […] Ferner sollen die Hüte eine breite Krempe haben[…]. Ferner soll hier vom Puder ausgedehnter Gebrauch gemacht werden.“

Der Ratschlag leuchtet erst einmal ein. Ist die Haut abgedeckt, bekommt sie wenig Licht. Wer sich jedoch schon mal einen Pullover über den Kopf gezogen hat, der weiß, dass die meisten Textilien nicht völlig undurchlässig sind. Der Schutz durch Textilien ist nicht nur von der Art des Textils (Webdichte des Stoffs etc) abhängig, sondern auch von gebrauchsabhängigen Größen wie Feuchtigkeit, Dehnung des Stoffs, eng anliegend oder nicht und Abnutzungsgrad bestimmt. Führt man sich z.B. das Resultat eines Wet T-Shirt Contest vor Augen, dann wird offensichtlich, dass ein nasses T-Shirt entsprechend durchlässiger ist und weniger schützt.

Wer sich aber in der Sonnenhitze nicht komplett verhüllen mag, greift zur chemischen Aufrüstung des Eigenschutzes der Haut:

Molekularer UV-Schutz

Mit voranschreiten der Wissenschaften kamen dann spätestens in der 1930ern findige Chemiker auf die Idee Salben und Cremes auf Basis von UV-Filter-Materialien zu entwickeln. UV-Filter sind Substanzen, die über die Fähigkeit verfügen Licht im ultravioletten Bereich zu absorbieren und als längerwelligere, energieärmere Strahlung, die unsere Haut nicht schädigt, wieder abzugeben.

 

Wie wir auf dem UV Foto rechts erkennen können, absorbiert das Sonnenschutzmittel den UV Anteil des Lichts, der so nicht mehr auf die Haut treffen kann. Da so auch weniger UV von der Haut reflektiert wird, erscheinen die behandelten Hautpartien dunkel.

Um möglichst Effizient UV Licht absorbieren zu können, besitzen viele dieser Substanzen sogenannte konjugierte Doppelbindungen, d.h. direkt nebeneinander angeordnete Kohlenstoff-Kohlenstoff oder Kohlenstoff-Sauerstoff-Doppelbindungen.

Rot hervorgehoben: Konjugierte Doppelbindungen

Ähnlich verhält es sich auch mit der natürlichen Bräune der Haut: Diese ist eine Art natürlicher Sonnenschutz, basierend auf dem Hautpigment Melanin, welches sich beim Menschen aus den Komponenten Eumelanin (schwärzlich-braun) und Phäomelanin (gelblich-rötlich) zusammensetzt und je nach deren Verhältnis zueinander auch die unterschiedlichen Hautfarben/Hauttypen bedingt.

Körpereigener Sonnenschutz – Melanine

Alternativ besteht auch die Möglichkeit UV-Schutz durch die mineralischen Pigmente Zinkoxid und Titandioxid zu erreichen, die einfallendes Licht streuen bzw. reflektieren. Diese besitzen den Vorzug nicht wasserlöslich und unbedenklich zu sein. Nachteil: Als Weißpigment, dass man auch in Wandfarbe vorfindet, bilden sie einen weißen Schleier auf der Haut. In neueren Formulierungen von Sonnenschutzpräparaten versucht man dies durch den Einsatz dieser Stoffe als Nanopartikel zu kompensieren.

Tatsächlich enthält ein Sonnenschutzmittel meist nicht nur einen, sondern direkt mehrere dieser Wirkstoffe, da ein einzelner Stoff nicht die gesamte Bandbreite des UV-Lichts abdeckt. Ebenso findet man auch Antioxidantien (z.B. Vitamin E, Vitamin C), die dem Zweck dienen freie Radikale abzufangen, die durch UV Einwirkung gebildet werden und die UV-Filter zerstören bzw. nicht zuletzt unsere Zellen schädigen.

Wieviel ist genug ?

Wie bei allen Wirkstoffen gibt es aber auch bei Sonnenschutzmitteln ein paar Regeln, die es bei der Anwendung zu beachten gilt. Um einmal dem Gerücht entgegen zu wirken, dass der Naturwissenschaftliche Unterricht an unseren Schulen komplett am Alltag vorbei geht ein Beispiel: das Lambert-Beer’sche Gesetz, welches die Abschwächung einer Strahlung bei Durchtritt durch ein Medium mit einer absorbierenden Substanz beschreibt. Die Extraktion (El), welche hier der gewünschten Abschwächung des UV-Lichts entspricht, ist abhängig von

  1. Dem Exiktionskoeffizienten, also der Eigenschaft unseres UV-Filters, die beschreibt, wie effizient er das Licht absorbiert
  2. Der Konzentration des UV-Filters in unserem Sonnenschutzmittel
  3. Der Schichtdicke, d.h. wie dick wir die Sonnencreme auf unsere Haut auftragen.

Während wir auf Punkt 1 + 2 nur wenig Einfluss nehmen können, ist es offensichtlich, dass frei nach dem Motto viel hilft viel wir durch das Quantum, dass wir uns auf die Haut schmieren einen deutlichen Einfluss auf unseren Sonnenschutz haben.

Welche Schichtdicke benötigt man also ? Da die Dicke eines Fettfilms auf der Haut schwer zu bestimmen ist, geht man zweckmäßiger Weise von der Richtmenge von 2 mg Sonnenschutz je cm² Körperoberfläche aus. Das wären bei einer durchschnittlichen Körperoberfläche2 etwa 35 g. Wer es genau berechnen möchte:

Gegenanzeigen

Doch wie heißt es immer so schön in der Pharmawebung: „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie bitte…“ Klarer Fall, überall wo man sich Wirk- und Zusatzstoffe zuführt, ist die Frage nach unerwünschten Nebeneffekten nicht fern.

Tatsächlich lässt sich für manche der UV-Filter im Tierversuch eine hormonähnliche Wirkung nachweisen, die aber vom Bundesamt für Risikobewertung3 als für den Menschen als nicht relevant bewertet wird. Dies gilt natürlich vor der Maßgabe, dass das entsprechende Sonnenschutzmittel nicht in exzessiven Mengen eingesetzt wird. Ebenso ist sicherlich ein größeres Maß an Vorsicht bei Risikogruppen wie Schwangere oder stillende Müttern angebracht, bei hormonelle Einflüsse besonders kritisch auswirken können.4

Ebenso findet man den Einwand, dass bei Anwendung eines UV-Blockers mit LSF 20 etwa 95 % der Vitamin D Produktion, die UV-B Licht benötigt, zum Erliegen kommt. Um dennoch auf seine Kosten zu kommen empfiehlt das Robert Koch Institut: „Dies kann aber leicht durch einen kurzen (15-20 Minuten) Aufenthalt im Freien mit nicht eingecremten Armen und Gesicht, bei sonst textilgeschützter Haut kompensiert werden.“

Sicher das wichtigste Argument FÜR UV-Blocker ist die Hautkrebsprävention. So konnte in mehreren Studien gezeigt werden, dass der Einsatz von UV-Blockern das Risiko an schwarzem Hautkrebs zu erkranken, je nach Studie 18-33 % reduziert ist.5

Paradoxerweise gibt es auch Studien, die zeigen, dass es trotz Auftragen eines Sonnenschutzmittels zu erhöhtem Auftreten von Hautkrebs kommt. Dies ist jedoch nicht durch die Natur des Sonnenschutzmittels bedingt, sondern dadurch dass, gerade bei Einsatz von moderatem Lichtschutzfaktor, die Leute trotzdem eine erhöhte Dosis UV abkriegen, da sie sich sorgloser in der Sonne bewegen. 6, 7 Unter anderem wird dort bemängelt, dass sogenannte Confounder-Effekte, d.h. verdeckte Störeffekte aus Umwelt und falscher Anwendung nicht von den Studien berücksichtigt werden. Ein Umstand der solche und ähnliche Studien schwer zu interpretieren macht und dazu führt, dass regelmäßig in den Medien „eine neue Sau durch’s Dorf getrieben wird“.

Insgesamt kann man zu dem Schluss kommen, dass selbst wenn man die eingangs erwähnten Negativeffekte von Sonnenschutz berücksichtigt, insgesamt der Risiko-Nutzen-Faktor eine positive Bilanz aufweist.

 

  1. Springer Verlag, 1908.
  2. https://de.wikipedia.org/wiki/Körperoberfläche
  3. https://www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2005/32/immer_auf_ausreichenden_sonnenschutz_achten_-6891.html
  4. https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2008/daz-31-2008/die-schattenseiten-von-uv-filtern
  5. Reza Ghiasvand, Elisabete Weiderpass, Adele C. Green, Eiliv Lund, Marit B. Veierød: Sunscreen Use and Subsequent Melanoma Risk: A Population-Based Cohort Study. In: Journal of Clinical Oncology. https://doi.org/10.1200/JCO.2016.67.5934
  6. Journal of Clinical Oncology 34, 3976. http://dx.doi.org/10.1200/JCO.2016.67.5934
  7. http://annals.org/aim/article-abstract/716987/sunscreen-use-risk-melanoma-quantitative-review?volume=139&issue=12&page=966

Sturm im Glas

Neulich erreichte mich eine Anfrage meiner Schwester:


Kurzum: Funktioniert Wettervorhersage mit einem Sturmglas oder ist das nur Mumpitz ?

Sturmglas – Was ist das und wer hat’s erfunden ?

Bei einem Sturmglas handelt es sich um ein hermetisch abgeschlossenes Glasgefäß (meist ein Rohr), dass mit einer Mischung aus destilliertem Wasser, Alkohol, Campher, Kaliumnitrat und Ammoniumchlorid gefüllt ist. Sinn des ganzen soll sein anhand des Auftretens von Kristallen und deren Aussehen das Wetter der nächsten 24 – 36 Stunden vorherzusagen.

Sturmglas nach FitzRoy (Foto: Wikipedia, ReneBNRW, Creative Commons License CC0 1.0)

Die Erfindung des Sturmglases wird unteranderem einem Herrn Barth aus Nürnberg zugeschrieben, doch erst der britische Admiral Robert FitzRoy im 19. Jahrhundert war es wohl, der dem Sturmglas zu größerer Bekanntheit verhalf. Besagter Admiral hatte damals die Aufgabe ein meteorologisches Meßnetz für die Royal Navy aufzubauen und in dem dafür zu verwendenden Meßinstrumentarium sollte auch ein solches Sturmglas eingesetzt werden.

Wie das kristalline „Schneetreiben“ im Glas zu interpretieren sei, beschrieb FitzRoy in seinem Buch über Wetterbeobachtung, nachdem er mit niemand geringeren als Charles Darwin auf dessen zweiten Forschungsreise mit der HMS Beagle, empirische Studien über das Verhalten des Sturmglases angestellt hatte:

  • Wenn die Flüssigkeit im Glas klar ist, wird das Wetter sonnig und klar.
  • Ist die Flüssigkeit flockig, wird es bewölkt. Niederschlag ist möglich.
  • Wenn kleine Flöckchen in der Flüssigkeit schweben, kann man feuchtes, nebeliges Wetter erwarten.
  • Ein trübes Glas mit kleinen Sternen deutet auf Gewitter.
  • Sind an einem schönen Wintertag kleine Sternchen in der Flüssigkeit, wird es schneien.
  • Sind große Flocken überall in der Flüssigkeit, wird es je nach Jahreszeit bedeckt oder im Winter fällt Schnee.
  • Wenn viele Kristalle auf dem Boden sind, gibt es Frost.
  • Wenn sich an der Oberfläche Kristalle bilden, wird es stürmisch.

Grau ist alle Theorie…

Trotz dieser Studien blieb das Sturmglas eine Kuriosität, als ein anerkanntes wissenschaftliches Messinstrument, denn eine plausible Erklärung, wie das ganze funktionieren solle, war nicht vorhanden. Ein Einfluss des Luftdrucks (der bei heranziehendem Unwetter ja fällt) konnte man ausschließen, da die meisten Sturmgläser gasdicht abgeschmolzen sind und der Luftdruck damit wenig bis gar keinen Einfluss auf die Lösung ausüben kann.

Eine weitere Theorie, die jedoch erst in modernerer Zeit aufkam, war der Einfluß des impulshaften Auftretens von elektromagnetischen Wellen natürlichen Ursprungs in der Erdatmosphäre, sogenannten Sferics. Solche Impulse können z.B. durch das Auftreten von Blitzen entstehen. Der Einfluß dieser Impulse auf die belebte und unbelebte Umwelt ist jedoch Gegenstand von Diskussionen und wird weitestgehend esoterischen Kreisen zugeschrieben.

Dem Rätsel auf der Spur

Und auch in jüngerer Vergangenheit beschäftigt dieses kuriose (und zudem sehr dekorative) Messinstrument die Wissenschaftler. Sehr informativ ist z.B. eine Arbeit eines Allan Mills vom Institut für Geologie der Universität in Leicester, dass 2008 in Weather, dem Journal der Royal Meteorological Society, erschienen ist (Weather 2008, 63, 161 – 163.), in welchem einfache Sturmgläser verschiedentlich Umwelteinflüssen ausgesetzt werden, so z.B. auch verschiedene elektromagnetische Felder, die keinen sichtbaren Einfluß auf die Gestalt der auftretenden Kristalle hatten, was im Allgemeinen den Erkenntnissen der Kristallisation entspricht.

Ebenfalls sehr aufschlussreich sind die Untersuchungen von Kaempfe et al. vom Institut für Anorganische Chemie der Universität Duisburg-Essen, die das verhalten eines Sturmglases über 1 Jahr mit dem lokalen Wetter verglichen und zu dem Ergebnis kamen, dass ein solches Glas zur Vorhersage von schlechtem Wetter nur sehr begrenzt bis gar nicht geeignet ist. In Übereinstimmung mit den Ergebnissen der Uni Leicester, wird das Kristallisationsverhalten auf die Umgebungstemperatur und die Geschwindigkeit, mit der sich diese ändert zurück geführt.

Hierbei kommt erschwerend hinzu, dass das Sturmglas in unserer modernen Welt mit wärmeisolierten Energiesparbauwerken und Zentralheizung in seiner Leistungsfähigkeit noch deutlich schlechter abschneidet als zu Zeiten von Admiral FitzRoy, als die Raumtemperatur noch deutlich von der Außentemperatur zusammenhing.

Interessant ist auch folgender Umstand:

Der Vergleich zweier baugleicher Sturmgläser zeigte, dass sich in jedem Kristallsystem ein individuelles Gleichgewicht aus- bildete. Beide Instrumente lieferten also unterschiedliche Vorhersagen für das Wetter, was die Komplexität des Systems und die daraus resultierende mangelnde Reproduzierbarkeit unterstreicht.
— Chemie in unserer Zeit 2012, 46, 26-31.

Mangelnde Reproduzierbarkeit ist für ein Meßverfahren ein sicheres Todesurteil.

Eine tierische Alternative

Nicht minder kurios war der zum Sturmglas in direkter Konkurrenz stehende Gerät, der sogenannte Sturmvorhersager (Tempest prognosticator) oder alternativ auch Egelbarometer genannt. Hierbei machte man sich die Wetterfühligkeit von Blutegeln (ähnlich dem Wetterfrosch) zu nutze: In zwölf Glasbehältern saßen jeweils 1 Egel, der bei heranziehendem Sturm aus dem Wasser und in eine schmale Metallröhre hinein kriechen sollte. Dort löste er einen Mausefallen-artigen Mechanismus aus, der eine Glocke zum Läuten brachte. Je mehr Egel in einer Zeitspanne die Glocke auslösten, desto höher die Wahrscheinlichkeit eines heranziehenden Gewitters. Auch wenn sich dieser Apparat letztendlich nicht durchsetze, so soll seine Erfolgsquote wohl ganz beachtlich gewesen sein.

Nachbau des originalen Storm prognosticator (By Badobadop [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], from Wikimedia Commons)
Nachbau des originalen Storm prognosticator (By Badobadop [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], from Wikimedia Commons)
Das abschließende Urteil muß daher also lauten: Das Sturmglas ist ein recht dekorativer, aber dennoch gänzlich nutzloser Apparat zur Wettervorhersage. Das Egelbarometer funktioniert zwar besser, kann aber letztendlich aufgrund ästhetischer Defizite auch nicht empfohlen werden.

Fotomarathon 2018

Über mich kann man sicherlich so einiges Behaupten. Dass ich ein guter Marathonläufer bin, gehört mit Sicherheit nicht dazu. Aber wem das Laufen nicht liegt, der muss eben für sich eine andere passende Disziplin finden. Da mir Fotografieren mehr zusagt als Langstreckenlauf, habe ich mich auf Anregung meiner Bekannten A. E. vor 2016 dazu entschlossen am Dresdner Fotomarathon teilzunehmen.

Schöne Fotos zu machen ist dabei eine Sache. Die Rahmenbedingung zehn festgelegte Themen innerhalb fünf Stunden zu bearbeiten eine Andere. Wenn die Zeit drängt, dann ist es ganz schön tough das notwendige Quantum an Kreativität zu entwickeln. Dementsprechend war mein Endresultat Platz 95 von 139 zwar kein Totalausfall aber doch stark ausbaufähig. Meine Mitstreiterin hatte zwar mit einem ganz vorzeigbaren Platz 27 keinen Grund zu meckern, schwor aber trotzdem, dass dies ihre letzte Teilnahme gewesen sein solle. Doch es kommt bekanntlich oft anders als man denkt:

Also haben wir uns auch dieses Jahr zur Mission Kreativität unter strengen Vorgaben aufgemacht. Dieses Mal wollte ich jedoch nicht den Fehler machen wieder zuviel Ausrüstung einzupacken und habe mich auf eine etwas Rücken-freundlichere Auswahl beschränkt:

  • Nikon Spiegelreflexkamera
  • Nikon AF-S DX NIKKOR 18-105mm/3,5-5,6G ED VR Objektiv
  • Nikon AF-S DX NIKKOR 70-300mm/4,5-5,6 ED VR Objektiv
  • Diverser hilfreicher Kleinkram
  • Kuchen + Limo als Wegzehrung

Samstag, 30. April 2018

10:55 – Überpünktlich erreiche ich wie vereinbart das Hygiene-Museum. Schon auf dem Weg dahin überkommt mich ein Gefühl von Deja Vu: Die stark erhöhte Polizeipräsenz in der Dresdner Innestadt lässt mich erst befürchten, dass mal wieder irgendeine Demo stattfindet, doch dann wird mir klar: Es ist Heimspiel-Samstag bei Dynamo. Mitstreiterin A. verspätet sich aufgrund von Fahrplanänderungen der DVB, also erst mal Zeit für ein verspätetes Frühstück.

Gibt Kraft: Schinken+Käse Bagel und Orangen-Limo
Gibt Kraft: Schinken+Käse Bagel und Orangen-Limo

11:10 – Diverse Dynamo- und Fortuna Düsseldorf Fans marschieren an mir vorbei in Richtung Stadion. A. ist soeben auch eingetroffen. Wir begeben uns zum Orga-Zelt des Fotomarathons um uns als nachgemeldete Teilnehmer zu registrieren. Nach Entrichtung der Startgebühr kriegen wir unser Startnummern (bei mir 114) und ein Starter-Kit ausgehändigt.

Start-Nummer, Reglement, Verpflegungsgutscheine und Visitenkarte für spontan rekrutierte Models
Start-Nummer, Reglement, Verpflegungsgutscheine und Visitenkarte für spontan rekrutierte Models

Ein Blick auf die beigefügte Übersichtskarte verrät uns: Start, Zwischenstation und Ziel beschränken sich diesmal auf die Altstadt-Seite (oder Mordor, wie bekennende Neustadt-Bewohnerin und Tolkien Fan A. zu sagen pflegt). Vom Hygiene Museum geht es zur Pau Pau Deli und schließlich zum Ziel im Piano-Salon im Cosel Palais an der Frauenkirche.

12:40 – Das warme Wetter genießend, warten wir darauf das es um 13.00 Uhr los geht. Die Spannung steigt. Während ich die Sache mit niedrrheinischer Gelassenheit angehe (Et kütt, wie et kütt…), stellt sich bei A. so langsam Prüfungsstress ein.

13:00 – Kurze Bekanntgabe der Regeln (Bilder im Querformat, Themen der Reihenfolge nach bearbeiten, kein Löschen & digitales Editieren von Bildern) gibt es noch ein schnelles Gruppenfoto und schon werden die Themen ausgegeben.

Oberthema: Undendlich

  • Thema01: Unendliche Weiten – Infinite Expanse
  • Thema02: Unendliche Vielfalt – Infinite Variety
  • Thema03: Unendlich Lustig – Always Funny
  • Thema04: Unendliche Möglichkeiten – Infinite Possibilities
  • Thema05: Unendliche Dummheit – Infinite Stupidity

Wiedermal völlig Baff, was es für ausgefallene Themen gibt, steuern wir erst mal die Innenstadt an. Am Rathaus trennen wir uns, um uns später am Zwinger wieder zu treffen.

13:20 – Neumarkt, vor der Frauenkirche. Die Innenstadt ist sicherlich kein guter Ort, wenn es um die unendlichen Weiten geht. Aber der Neumarkt ist ja ein großer Platz und aus der Froschperspektive fotografiert, kann dies für einen sehr kleinen Betrachter ja auch sehr weit wirken. Als Fotomodell stellt sich mein treuer BASF Laborschlumpf zur Verfügung. Man beachte den geschickten vom Regelwerk gefordeten Einbau der Startnummer in das Bildmotiv:

Chemieschlumpf vs Unendliche Weiten
Chemieschlumpf vs Unendliche Weiten

13:30 – Die Gedanken in meinem Kopf rasen… Wie nur die unendliche Vielfalt abbilden? Gerade dann, wenn man sie am dringendsten braucht, sind die Anwälte der bunten Vielfalt, die Aktion „Dresden bleibt bunt“ leider nicht zur Stelle… Vielleicht der Obststand in der Altmarkt Galerie ? Ist zwar nicht unendlich, aber eine große Auswahl an frischem Obst & Gemüse haben die ja. Doch irgendwie guckt die Verkäuferin mich ziemlich misstrauisch an, als ich mit der Kamera vor Ihrem Stand rumzufuhrwerken beginne. Außerdem herrscht dort zuviel Gedränge. Letztendlich schafft es ein Stand mit Papier- & Origami-Kunst auf dem Dresdner Frühlingsmarkt auf’s Bild:

Die unendliche Vielfalt der Bastelkunst
Die unendliche Vielfalt der Bastelkunst

14:04 – Unendlich Lustig. Besonders schwer, denn schließlich scheiden sich die Geister darüber, was lustig ist und was nicht. Könnte auch ironisch gemeint sein. Der Clown, der eben durch die Prager Straße lief, ist längst weg. A. wollte ja zum Zwinger. Also begebe ich mich auch mal dorthin.

14:21 – Bislang keine wirklich zündende Idee. Doch halt… Wozu greift man, wenn es sonst nichts zu Lachen gibt ? Richtig, zu Lachgas. Also lassen wir den Chemieschlumpf vor historischer Kulisse mal Ammoniumnitrat thermisch spalten, frei nach dem alten Chemikerwitz „Erst macht’s Bumm und dann wird’s lustig“ und der Formel:

Ammoniumnitrat zerfällt bei 300 °C zu Lachgas und Wasser
Ammoniumnitrat zerfällt bei 300 °C zu Lachgas und Wasser

Ich gebe es ja zu… Der Witz kommt etwas erzwungen und ist ohne die Beschriftung aus dem Bild nicht ersichtlich. Aber verzweifelte Situationen erfordern eben verzweifelte Maßnahmen.

14:23 – Immer noch keine Spur von A. Kurze Anfrage via WhatsApp:

Öhm… Sie hat schon fast die Fünf voll und ich gurke erst an Nummer 4 rum. Jetzt aber flott. Ich laufe Ihr in Richtung Altmarkt Galerie entgegen. Vielleicht bekomme ich ja da eine Inspiration.

14:37 – Unendliche Auswahl. Genau. Das ist hier ja das eigentliche Problem. Je mehr Auswahl der Mensch hat, desto schwieriger fällt es Ihm sich zu entscheiden. Während ich darüber vor mich hin sinniere und versonnen in einen Softeis-Stand am Eingang der Galerie starre, schlägt die Inspiration zu. Eben bei der Zubereitung der Softeis-Portion bietet sich eine schier unendliche Auswahl an Kombinationen verschiedener Toppings: Smarties, Schokostreusel, Gummitiere, diverse Saucen. Ich setze das große Teleobjektiv an und passe den richtigen Augenblick ab, um zwischen den genußsüchtigen Softeis-Käufern hindurch zu fotografieren:

14:38 – Meldung via WhatsApp: Treffpunkt am Zwinger. Und mir ist auch gerade eine Idee für Nr. 5 – Unendlich Dumm gekommen. Mit Lutz Bachmann (wie A. durchaus treffend vorgeschlagen hat) hat mein Beitrag zu Thema 5 nichts zu tun, da dieser Samstags (Gottseidank !) nicht zur Verfügung steht.

14:59 – Nach einem kurzen Zwischenstopp im Zeitungsladen, um eine Bild Zeitung als Requisit zu kaufen, geht’s im Zwinger weiter. Die sonst sehr fotoscheue A. hat sich bereit erklärt, mir als Foto-Modell auszuhelfen:

Dummes Zeug was die Bild Zeitung wieder schreibt
Dummes Zeug was die Bild Zeitung wieder schreibt

Die Bildzeitung steht ja nicht in dem Ruf eine Lektüre für Intellektuelle zu sein oder Qualitätsjournalismus zu betreiben. Kurze Orientierung auf dem Stadtplan. Weiter geht’s zur PauPau Deli.

Gegen 15:10 – Ankunft am Zwischenziel. Da wir halbwegs gut in der Zeit liegen, nutzen wir die Gelegenheit, um den Verzehrgutschein in einen Schokoshake und ein Eis umzutauschen. Ein deutlicher Kontrast zu 2016, wo es nur Wasser und Obst gab. Kurz die Instruktionen für die zweite Etappe aufnehmen und weiter geht’s:

  • Thema06: Unaufhaltsam – Unstoppable
  • Thema07: Unerschöpflich – Inexhaustable
  • Thema08: Unermeßlich – Inestimable
  • Thema09: Unbegrenzt – Unlimited
  • Thema10: Unendlich – Endlich – Infinite – Finally

15:35 – Schon mal sich als Fußgänger mit einem Zug der Linie 4 angelegt ? Dann brauche ich Ihnen ja nicht zu erklären, was mich zu Motiv Nr. 6 inspiriert hat.

Entschuldigen Sie, ist das der Sonderzug nach Weinböhla ?

Ab hier nimmt das Unheil seinen Lauf. Dem Aufmerksamen Leser wird es bereits aufgefallen sein. Nein, ich bin nicht unter die heranrasende Tram geraten, aber ich habe dem Reglement zuwiderlaufend, ins Hochformat umgeschwenkt…

15:52 – Die Idee für Unerschöpflich ist mir relativ flott gekommen. Ein Füllhorn ist ja das klassische Symbol für Überfluss. Und zufälligerweise hat der Goldjunge auf dem Dresdner Rathaus – der Goldene Rathausmann – ein solches Füllhorn dabei, welches über die Stadt Dresden ausschüttet. Nur der ungünstige Stand der Sonne trübt die Freude an diesem Motiv.

Der goldene Rathausmann (aka Herkules mit dem Füllhorn)

16:16 – An der Frauenkirche begegnet mir A., die sich zwischenzeitlich abgesetzt hatte, wieder und gemeinsam gehen wir auf die Suche nach dem Unermesslichen. Nachdem ich vor Kreuz- und Frauenkirche bereits vor verschlossener Türe stand, bleibt nur die Hofkirche, das Heim des unermesslichen zu besuchen. Und auch hier schlägt wieder das Unheil zu… Hochformat Bild Nummer 3 (!!!) und das auch noch verwackelt, trüben die Aussicht auf den Posaunenengel als Symbol des Unermesslichen.

Unermesslich Schade, dass das Bild verwackelt ist

16:29 – Endspurt. Zurück geht’s in Richtung Coselpalais zur Endstation in der Hoffnung Unterwegs noch im Vorbeigehen 2 Motive abzustauben. Nachdem die Nummern 6-8 ein ziemlicher Griff ins Klo waren, ist’s jetzt eigentlich eh egal. Im Stallhof symbolisiert der „Freie Durchgang“ am Hintereingang des Verkehrsmuseum einen Museumsbesuch ohne Grenzen. Jetzt auch wieder im regelkonformen Querformat.

16:36 – Die Füße müde… Und die Kehle lechzt nach einem kühlen Bier. Diesmal mit deutlicher Zeitreserve trudele ich am Ziel ein. Das dort vor der Tür stehende Durchfahrt Verboten Schild drückt symbolisch das Ende der diesjährigen Fotomarathon Teilnahme aus.

Bei der Abgabe der Bilder die Frage: Wie war es denn ?

Das Fazit für mich: Leider auch dieses Jahr hinter der persönlichen Bestleistung zurück geblieben. Neben einigen technischen Patzern (Unscharf, schlechte Belichtung), war ich doch mit meiner Umsetzung der Themen nicht zufrieden. An mangelnder Kreativität mag das nicht gelegen haben, wohl aber aus der nicht zu unterschätzenden Kombination von Zeitdruck und unendlicher Auswahl an Möglichkeiten. Vielleicht muß man sich tatsächlich ein raffiniertes Gesamtkonzept im Vorfeld ausarbeiten, dass flexibel genug ist, um eine Vielzahl an Themen abbilden zu können.

 

Und was das Hochformat anbelangt: Kein Disqualifikationsgrund, wie mir versichert wurde. Sieht nur mies aus, bei der anschließenden Gesamtausstellung aller eingereichten Fotos. Seien wir also gespannt, was schlussendlich rauskommt für die Startnummer 114.

Wenn die Maschinen streiken

Immer wieder hört man, dass Kollege Computer eines Tages dank Automatisierung uns alle arbeitslos machen wird. Wiederum anderswo wird die Rache der Maschinen als mögliches Weltuntergangsszenario heraufbeschworen, z.B. in der Terminator-Reihe, in der das finstere SkyNet mit Killer-Robotern versucht die Menschheit zu Vernichten. Oder im Song Dusche von Farin Urlaub, in welchem sich die Haushaltsgeräte verschwören, den Protagonisten des Lieds meuchlings und hinterrücks zu ermorden.

Terminator Exhibition T-800 - Menacing looking shoot
Gestatten: Arnold – Rebellion der Maschinen
Doch wenn man mal genauer drüber nachdenkt, ist ein solcher Aufwand gar nicht notwendig. Kein Killerroboter muß sich die chromglänzenden Finger schmutzig machen, um der Menschheit tüchtig Einen einzuschenken. Er und seine Maschinenkollegen brauchen sich einfach nur zurückzulehnen und zuzusehen, wie unsere Zivilisation zum Erliegen kommt, wenn die Maschinen aufhören ihren Dienst zu verrichten. Denn: Immer mehr Aspekte des täglichen Lebens sind in zunehmendem Maße von Elektronik bestimmt.

Dies wurde mir gerade vor ein paar Tagen bewußt, als mein Bürocomputer auf Arbeit spontan das Zeitliche segnete. Da war dann erst mal Zwangspause angesagt: Der überwiegende Anteil der arbeitsrelevanten Daten existieren nur noch in elektronischer Form. E-Mails verschicken: Fehlanzeige. Gut, dass ich alle wichtigen Telefonnummern auf einem Stück Papier stehen habe, denn auf das Telefonverzeichnis der Firma (im Intranet) konnte ich ja auch nicht zugreifen, um herauszufinden, wie ich den EDV Experten erreiche !

Ähnlich ergeht es wohl auch vielen im privaten Bereich, wo einige neuralgische Aspekte des täglichen Lebens mittlerweile mit dem Smartphone koordiniert werden. Familie und Freunde anrufen wird schwierig, wenn alle Kontaktdaten in der Cloud stecken und Smartphone & Tablet streiken. Aber anrufen oder SMSen geht ja ohne Telefon eh nicht. Mit etwas Glück erinnern wir uns vielleicht an die Postanschrift und verfassen – ganz oldschool – handschriftlich einen Brief. Ein Phänomen, welches Heutzutage leider aus der Mode gekommen ist.

Aber selbst wenn nur das Handy-Netz ausfällt, ergeben sich daraus schon interessante Komplikationen. Die heutzutage schon als selbstverständlich angenommene ständige Erreichbarkeit ist nicht mehr gegeben. Wer nicht daheim ist, kann auch keine Anrufe entgegen nehmen. Dementsprechend war es früher üblich eine Nummer für tagsüber (für Notfälle) und eine für Abends mit seinen Kontakten zu teilen.

Überhaupt wird Informationsübermittlung, d.h. also auch die mediale Teilnahme am Weltgeschehen, schwierig. Radio und Fernsehen sind elektronisch, von Online Medien (diesen Blog hier eingeschlossen) mal ganz zu schweigen. Wer ließt in unserer schnelllebigen Zeit noch eine richtige Zeitung (vom ruhigen Frühstück am Wochenende mal abgesehen)? Da wird zwischen Tür und Angel in der Straßenbahn mal schnell überflogen, was tagesschau.de und Spiegel Online so bringen.

Auch Online Recherche gibt es nicht mehr. Computer kaputt? Fahrradreifen platt? Rotweinflecken aus einem Seidenhemd entfernen? Tja, bei YouTube hätte es jetzt ein Do-it-yourself-Tutorial-Video gegeben, wie man einfache Reparaturen selbst ausführt. Aber auch anspruchsvollere Recherchen gibt es nicht mehr. So sind in der Wissenschaft alle Fachjournale weitestgehend elektronisch verfügbar. Die Bibliotheken verzichten zunehmen auf die Anschaffung der Printausgaben. Elektronische Kommunikation ist im modernen Wissenschaftsbetrieb nicht mehr wegzudenken.

Nachts um 2 Uhr noch schnell Klamotten kaufen ? Online Shopping !

Während man den täglichen Einkauf auch heutzutage gerne noch offline erledigt und auch vieles Andere ohne große Mühe vor Ort zu beschaffen ist (Ok, kleine Dörfer jetzt mal ausgenommen.), wird es schon etwas kritischer, wenn man etwas ganz bestimmtes Spezielles braucht, dass erst bestellt werden muss. Dann geht offline nämlich erst mal ein mühevolles Wälzen von Katalogen oder eine langatmige Hatz durch den einschlägigen Fachhandel (der das Teil auch gerade nicht an Lager hat) los, der das gerne für sie bestellt. Übernacht Expressversand können wir uns aber abschminken. Ein positiver Effekt ist wiederum, dass der kleinen Händlers um die Ecke gestärkt wird und man den guten persönlichen Kontakt pflegen kann.

In unser Freizeit ändert sich auch so Einiges… Kein Prokrastinieren im Internet, kein Zocken auf der Konsole, kein Fernsehen oder Netflix, kein Musikhören oder „Bubble Witch“-Spielen in der Straßenbahn. Also ab geht’s an die frische Luft. Oder bei Regen mal wieder ein gutes Buch lesen.

So kann man die Aufzählung fast beliebig lange fortsetzen. Neben einiger Erschwernisse, gibt es aber auch in mancherlei Hinsicht hätte gewisse positiven Seiten, wie wir bereits gesehen haben. Zum Beispiel in puncto immerwährende Erreichbarkeit. Neben so ganz offensichtlichen Dingen, dass Niemand gerne nach Feierabend oder im Urlaub vom Chef angerufen werden möchte, hat die ständige Erreichbarkeit auch negative Auswirkung auf unseren Umgang miteinander:

Während früher Verabredungen ein gewisses Maß an Vorausplanung und Zuverlässigkeit erforderten, setzt man heute auf „Spontanität“: Absagen und Planänderungen in letzter Minute und Arrangements a la „Geh schon mal vor, ich komme später und erfrage Deinen Aufenthaltsort“ sind leider im Trend. Ein Aspekt unseres elektronischen Lebens, der entbehrlich ist, denn der Grat zwischen „Spontanität“ und Unzuverlässigkeit ist schmal. Wer früher zu spät kam, hatte Pech gehabt und musste sich dem Ärger der versetzten Gegenpartei stellen. Auch die Kommunikation via SMS, WhatsApp etc., so praktisch sie manchmal ist, hat ihre Schattenseiten. Man mag den Eindruck gewinnen, dass man sich heutzutage nicht mehr soviel Mühe zu geben braucht, um den Kontakt mit seinen Bekannten aufrecht zu erhalten. Eine schnelle Kurzmitteilung und ein paar Fotos im Anhang müssen genügen, um seine Mitmenschen an seinem Leben teilhaben zu lassen, anstelle sich die Zeit für ein persönliches Treffen zu nehmen. Kommt es zu einem Treffen ist es auch eine verbreitete Unsitte ständig mit einem Auge auf’s Smartphone zu schielen und selbiges gut sichtbar auf dem Tisch zu platzieren oder sogar während einer Unterhaltung mal schnell Facebook zu checken. Während dies unter Freunden und Geschäftspartnern schon unhöflich ist, verbietet sich dies ganz besonders beim Essen.

Wir empfehlen: Das lustige Handyspiel (gegen Online Junkies beim Abendessen)

Alle legen Ihr Telefon mit dem Display nach unten in die Mitte des Tischs. Dann wird gegessen. Der Erste, der sein Handy wieder in die Hand nimmt, bevor die gemeinsame Mahlzeit beendet ist, bezahlt die gesamte Rechnung.

Das fortwährende Schielen aufs Handy, das gefürchtete Phantomvibrieren in der Hosentasche und das grundlose Zusammenzucken, wenn das Handy des Nachbarn Geräusche macht: Alles Ausprägungen unserer Angst etwas zu verpassen. Ebenso gibt es Studien, die gefunden haben wollen, dass die ständige mediale Dauerberieselung unseres Gehirns negative Einflüsse auf unser Gedächtnis hat. Der ständige Zustrom an Informationen, lässt uns kaum Zeit das Erfahrene im Gedächtnis abzuspeichern.

Mehr Wohlbefinden durch weniger Smartphone

Als Intervention wider dieses leidlichen Umstands, wurde das sogenannte Digital Detox erfunden. So wie man zur Entgiftung auf Alkohol, Zigaretten und Koffein verzichten kann, so kann man auch zur mentalen Regeneration auf Smartphone und Computer verzichten. Da es dem Menschen aber oft schwerfällt liebgewonnene Marotten abzulegen, hat die Wellness Industrie hierfür die passenden unterstützenden Maßnahmen geschaffen. Von Seminaren, die zu verantwortungsbewußtem Medienkonsum animieren, während das Handy im Safe des Tagungshotels weggeschlossen wird, bis hin zum Digital Detox Bootcamp . Nordic Walking am Busen der Natur zum Beispiel eignet sich hier vortrefflich, ganz besonders dann, wenn kein Handymast mehr in Reichweite ist. Aber solche elektronikfreien Refugien im Funkloch werden immer seltener. Selbst im ländlichen Masuren im Nordosten Polens, wo es mehr Mücken als Menschen zu geben scheint, steht im von Wald- und Seenlandschaft umgebenen 260 Einwohner Dorf Krutyn ein veritabler LTE-fähiger Funkmast.

Für Sie getestet: Holzhütten mit LTE Empfang

Vielleicht tun die Maschinen uns letztendlich sogar etwas Gutes, wenn Sie in den Streik treten. Dann brauchts eben doch den Terminator für den Aufstand der Maschinen. 🙂

Von Hasen und Eiern

Das weiß ein jeder, wer´s auch sei, 
gesund und stärkend ist das Ei.

— Wilhelm Busch

Sofern man nicht gerade den medialen Output des Vatikans aktiv mitverfolgt, sollte man angesichts der Heerscharen von Hasen, Eiern und Küken nicht vermuten, dass Ostern ein christliches Hochfest ist, bei dem den Leiden Christi und vor allen Dingen der Auferstehung Jesu gedacht wird.

Der Dresdner Osterhase

Während Weihnachten jedes Jahr auf das selbe Datum fällt (24. Dezember), verhält es sich mit dem Osterdatum weitaus komplexer, da es ein bewegliches Fest ist (und zudem noch den Bezugspunkt für alle anderen beweglichen Kirchenfeiertage darstellt). Der Tag ist jedoch nicht willkürlich gewählt, sondern wird streng nach Regel ermittelt:

Die Aufgabe liest sich einfach und kurz: „Man bestimme den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling.“ Der Vorgang zur Lösung ist jedoch anspruchsvoll und nicht einfach überschaubar[…]1

Der Grund: Jesus starb am Tag des ersten Frühlingsvollmondes. Da unser Kalender sich aber nach der Sonne orientiert, wandert das exakte Datum. Darüber hinaus, hat man sich darauf geeinigt, dass Ostern immer, entsprechend der Überlieferung immer auf die Tage Freitag, Samstag und Sonntag fällt. Wenn wir nun den 21. März als den von der Kirche definierten Frühlingsbeginn annehmen, kann man sich vorstellen, dass die Ermittlung des Termins recht komplex werden kann:

Dementsprechend war im Mittelalter die Kalendererstellung (Computus) eine wichtige Disziplin der Mathematik, bei der unter Zuhilfenahme verschiedener Parameter und Tabellenwerken nach einem ausgetüftelten Algorithmus unter Anderem der Ostertermin berechnet wurde.

10 DM Serie4 Vorderseite
Erst der Mathematiker Carl Friedrich Gauss (das ist der Herr, dessen Antlitz auch den 10 DM Schein zierte) machte sich die Mühe den recht komplexen Vorgang des Computus in Form einer algebraischen Formel abzubilden, die auch ohne Kenntnis der komplexen Gesetzmäßigkeiten angewendet werden kann.

Und obwohl heute die Erstellung des offiziellen Kalenders eine Aufgabe ist, die Vater Staat vorbehalten ist und in der Praxis von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt durchgeführt wird, richtet man sich in letzter Konsequenz doch nach der katholischen Kirche, was das Osterdatum angeht.

Osterhase & Co.

Steht der Termin erstmal fest, dann können die Feierlichkeiten losgehen. Sieht man einmal vom christlichen Hintergrund ab, dann ist die Ostereiersuche sicher eines der ersten Dinge, die einem in den Sinn kommen.

Das Ei ist schon seit altersher ein Symbol für Fruchtbarkeit und Geburt bzw. Wiedergeburt. Ein Symbol wie es prima in den Frühling passt. Schon in den Gräbern der alten Sumerer und Ägypter findet man bemalte und dekorierte Straußeneier.

Da das Thema Wiedergeburt / Auferstehung natürlich auch prima zum Christentum passt, fiel es der Kirche nicht schwer, diesen Brauch einfach zu adoptieren, wie man an einem österlichen Eiersegen aus dem 17. Jahrhundert sehen kann:

„Segne, Herr, wir bitten dich, diese Eier, die du geschaffen hast, auf dass sie eine bekömmliche Nahrung für deine gläubigen Diener werden, die sie in Dankbarkeit und in Erinnerung an die Auferstehung des Herrn zu sich nehmen.”

Das Osterei hatte früher auch eine ganz praktische Bedeutung, als sog. Zinsei. Die Bauern mussten früher zum Ende des Zinsjahres ihren Pachtzins an den Grundbesitzer abführen. Da man in der vorösterlichen Fastenzeit keine Eier aß, bot es sich an diesen Zins in Form von Eiern abzuleisten. Diese wurden dann, der besseren Haltbarkeit wegen (40 Tage Fastenzeit !) hart gekocht und zur besseren Unterscheidung von rohen Eiern mit Rotebeete eingefärbt. Solche Eier wurden auch von der Kirche als Schenkei an arme Leute und Kinder abgegeben, ein Brauch der im heutigen Osterei erhalten geblieben ist.

Der Prototyp: Albrecht Dürer – Der Hase

Wie kommt das Osterei aber zum Empfänger ? Mit Hilfe des Osterhasen natürlich. Dies mag befremdlich erscheinen, da Hasen als Säugetiere keine Eier legen. Die Erklärung wie der Hase zu den Eiern kam, ist leider im Dunkel der Historie verschwunden. Wenn man den Heiden fragt, wird er antworten, dass der Hase aufgrund seines zahlreichen Nachwuchses seit jeher als ein Fruchtbarkeitssymbol galt. Wem eine eher christliche Auslegung lieber ist, mag sich auf das Drei-Hasen-Bild berufen, bei dem drei Mümmelmänner einträchtig nebeneinander sitzen und sich jeweils ein Ohr mit ihrem Nachbarn teilen. Ein Sinnbild für die heilige Dreifaltigkeit.

Paderborner Dom Dreihasenfenster
Dabei sei angemerkt, dass der Osterhase nur der durchsetzungsfähigste einer ganzen Riege von Ostertieren ist. So brachte in der Schweiz der Kuckuck, in Westfalen der Osterfuchs, in Thüringen der Storch und in Böhmen der Hahn die Ostereier. Während eine Reihe dieser Tiere, den Osterhasen eingeschlossen, keine Eier legen, sind sie aber immer noch agil genug, dass man ihnen die Auslieferung von Eiern potentiell zutraut. In eher katholisch geprägten Gegenden hört man aber auch, dass zu Ostern die Glocken nach Rom fliegen (zwischen Karfreitag und Ostersonntag schweigen die Glocken nämlich), um dann bei ihrer Rückkehr den braven Kindern bunte Eier mitzubringen. Eine fliegende Glocke, die auch noch Eier bringt ? Dann doch lieber eine Glucke.

Warum man nun die Eier suchen muß und nicht direkt auf die Türschwelle gelegt kriegt, ist auch ein Mysterium der Geschichte. Denkbar wäre, dass der ursprünglich heidnische Brauch des Eierschenkens der Kirche ursprünglich ein Dorn im Auge war und man diesen Brauch im Verborgenen praktizieren musste.

Von den Ostereiern

Ostereier gibt es ja in den verschiedensten Formen. Heutzutage besonders beliebt, wenn sie aus Schokolade gemacht sind, in früheren Zeiten vornehmlich als hartgekochte Eier in aller Munde. Wem das Alles zu kalorienreich ist und/oder auf exklusive Extreme steht, mag sich am zaristischen Russland orientieren. Denn keine ernstzunehmende Abhandlung über das Osterei ist vollständig ohne auf die legendären Fabergé-Eier zu sprechen zu kommen. So hatten es sich Zar Alexander III. und später auch sein Sohn Nikolaus II. zur Angewohnheit gemacht, ihren Gemahlinnen Ostereier aus der Werkstatt des Hofjuweliers Peter Carl Fabergé zu schenken. Diese Eier waren nur aus kostbarsten Materialien gefertigt und waren Jedes ein Kunstwerk sondergleichen. Von diesen Ostereiern der Superlative geht selbst heutzutage eine derartige Faszination aus, dass Sammler auf Auktionen bereit sind 12.5 Mio. € für ein Fabergé-Ei zu zahlen.

House of Fabergé - Gatchina Palace Egg - Walters 44500 - Open View B
Doch bleiben wir bei den gewöhnlichen Ostereiern. Neben dem bloßen Verzehr, lässt sich aber mit den Eiern noch so einiges Andere Anstellen.

Eiertitschen – Rot besiegt Blau

In meiner Kindheit im Rheinland war eine beliebte Aktivität das sogenannte Eiertitschen (Achtung, liebe Sachsen: Nicht mit Ditschen verwechseln !). Hierbei nehmen zwei Kontrahenten ein Osterei zur Hand und hauen, sprich titschen, die Ostereier mit der Spitze gegeneinander. Derjenige, dessen Ei unversehrt bleibt, gewinnt und behält beide Eier. Entscheidend ist hierbei neben dem Stoßwinkel natürlich die Beschaffenheit, d.h. Härte und Dicke der Schale, des Eis. Besonders empfehlenswert sind dabei Eier junger Hühner, da hier der hohe Proteinanteil in der Schale, diese stabiler macht, als die einer alten Legehenne.

Man sollte es mit seinem Gewinner-Ei (oder seiner Gewinnerei ?) nicht übertreiben, da sonst schnell der Vorwurf von unsportlichem Verhalten aufkommt, wie z.B. der illegale Einsatz eines unkaputtbaren Gipseis.

Ostereierschieben, Easter Egg roll… Diesen österlichen Aktivitäten ist gemein, dass hier die Ostereier in der einen oder anderen Form auf Distanz gerollt werden. Beim Ostfriesischen Eiertrullern z.B. werden die Eier den Deich hinabrollen gelassen (oder von wagemutigen hinab geworfen). Pro Runde scheidet das Ei, dass am kürzesten gerollt ist aus, sowie alle kaputten Eier und solche die in der Nordsee verschwunden sind. Sieger ist der Besitzer des letzten verbleibenden Eis. So zusagen Last man Standing mit Ostereiern.2

Barack Obama at this 2009 White House Easter Egg Roll
In den USA ist der White House Easter Egg roll ein beliebtes Event für Kinder in Washington, DC. Im Rahmen eines Kinderfests, werden beim eigentlichen Egg roll Ostereier nach Art eines Wettrennens von Kindern mit langstieligen Löffeln über den Rasen vor dem Weißen Haus bugsiert. Als Andenken gibt es ein vom amtierenden Präsidenten und seiner First Lady signiertes Holzei für alle Teilnehmer. Während das Souvenir der Obamas sich großer Beliebtheit unter Sammlern erfreut, ist zweifelhaft ob die Ausgabe mit Donald Trump Signatur ähnlich populär ist.

Zwänzgerle1
In der Schweiz, in Zürich, findet das sogenannte Zwänzgerle statt. Hier präsentiert ein Kind einem Erwachsenen ein hartgekochtes Osterei, woraufhin dieser versucht eine Zwanzigrappenmünze so zu werfen, dass diese im Ei stecken bleibt. Gelingt dies nicht, was wohl der Normalfall sein dürfte, darf das Kind die Münze behalten, andernfalls geht das beschädigte Ei an den Werfer.

Zum Abschluss möchte ich noch auf die Herkunft des sogenannten Eiertanzes, dem Sinnbild für übertrieben vorsichtiges oder kompliziertes Herumhantieren zu sprechen kommen. Was sich ursprünglich dahinter verbirgt, wird gut auf dem gleichnamigen Bild des niederländischen Künstlers Pieter Aertsen wieder gegeben. Man beachte den jungen Mann im weißen Hemd auf der rechten Bildseite:

Ziel dieses österlichen Spieles war es, mit den Füßen ein in einer Schüssel befindliches Ei unbeschadet auf den Boden zu schütten und anschließend besagte Schüssel darüber zu decken. Dabei durfte weder der um das Spielfeld gezogene Kreidekreis übertreten, noch die ausgelegten zerbrechlichen Objekte zertreten werden. Man kann sich lebhaft vorstellen, dass dies mit einem ziemlichen Herumgefuhrwerke einher ging. Selbst in Johann Wolfgang von Goethes Bildungsroman Wilhelm Meisters Lehrjahre vollführt die Figur der Mignon einen Eiertanz, weniger als Spiel sondern mehr als Kabinettstückchen:

Sie brachte darauf vier Lichter, stellte eins auf jeden Zipfel des Teppichs.  Ein Koerbchen mit Eiern, das sie darauf holte, machte die Absicht deutlicher.  Kuenstlich abgemessen schritt sie nunmehr auf dem Teppich hin und her und legte in gewissen Massen die Eier auseinander, dann rief sie einen Menschen herein, der im Hause aufwartete und die Violine spielte.  Er trat mit seinem Instrumente in die Ecke; sie verband sich die Augen, gab das Zeichen und fing zugleich mit der Musik, wie ein aufgezogenes Raederwerk, ihre Bewegungen an, indem sie Takt und Melodie mit dem Schlage der Kastagnetten begleitete. Behende, leicht, rasch, genau fuehrte sie den Tanz.  Sie trat so scharf und so sicher zwischen die Eier hinein, bei den Eiern nieder, dass man jeden Augenblick dachte, sie muesse eins zertreten oder bei schnellen Wendungen das andre fortschleudern.  Mitnichten!  Sie beruehrte keines, ob sie gleich mit allen Arten von Schritten, engen und weiten, ja sogar mit Spruengen und zuletzt halb kniend sich durch die Reihen durchwand.

Eine etwas andere Variante, die gut frühjährlichen Fruchtbarkeitsriten harmoniert, ist folgende Variante des Eiertanzes: Zahlreiche Eier werden auf einer Tanzfläche ausgelegt, während ein junges Liebespaar mit verbundenen Augen dazwischen miteinander tanzt. Gelingt es den Tanz zu vollführen, ohne ein Ei zu zerbrechen, dann gelten die beiden als Verlobt. Selbst abgeneigte Brauteltern können einer solchen Verlobung nicht widersprechen.

Doch egal ob sie die Ostereier nun essen oder der Cholesterinersparnis wegen drum herum tanzen, wünsche ich dem Leser ein frohes und fröhliches Osterfest !

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Osterdatum#Methoden_der_Osterberechnung
  2. https://www.spielwiki.de/Eiertrullern

Man sollte mehr Sport machen

Die Medien sagen es und der Hausarzt sagt es auch: Sport ist gesund und hält fit. Deswegen nimmt man sich immer mal wieder vor den Hintern vom Sofa hochzukriegen und etwas für die Fitness zu tun. Doch leider ist das Sofa so bequem. Und das Wetter ist zu kalt / zu heiß / zu naß etc. Sie kennen das ja. Eine Ausrede findet sich immer um eine lästige Pflicht aufzuschieben.

Vermutlich liegt es ja daran, dass man noch nicht den geeigneten Sport für sich gefunden hat ? Denn wenn etwas Spaß macht sieht man ja gerne mal darüber hinweg, dass es anstrengend ist. Es muss ja nicht Joggen oder Schwimmen sein… Die Auswahl ist ja groß. Auch für die ausgefallenen Vorlieben findet sich eine passende Disziplin, um sich sportlich zu betätigen.

1. Extrembügeln

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Bügeln als Extremsport

Sind sie eher der häusliche Typ ? Also häuslich wie in Hausarbeit ? Sie mögen außerdem ein tadellos aussehendes Outfit ? Dann ist vielleicht Extrembügeln die richtige Sportart für sie, eine Disziplin „mit dem Ziel, selbst unter anspruchsvollsten klimatischen, geographischen und körperlichen Bedingungen mittels eines heißen Bügeleisens und eines Bügelbretts Wäsche zu bügeln.“ Die Idee des Extreme Ironing stammt, wie sollte es anders sein, aus Großbritannien, wo man ja eh einen Faible für seltsame Sportarten hat. Der Bergsteiger Phillip Shaw kam 1997, angeödet von der monotonen Hausarbeit, auf die Idee eine Bergtour samt Wäsche und Bügeleisen zu unternehmen. Diese Idee hat seitdem weitere Anhänger gefunden. Wer dies als reinen Spaß abtut, der sollte sich vor Augen führen, dass die Extrembügler mit großer Akribie, intensiver Vorbereitung und athletischer Höchstleistung unter oft widrigsten Bedingungen ihrem Sport nachgehen. Beim Hochalpinbügeln werden Berge erklommen und die Wäsche am Gipfel oder in der Steilwand gebügelt. Da es dort natürlich keine Steckdosen gibt, wird das Bügeleisen, ganz Old School-Style, auf einem Stövchen über dem offenen Feuer erwärmt.

Wettkampfbügeleisen für den Hochalpin Einsatz
Wettkampfbügeleisen für den Hochalpin Einsatz

Auch der Mount Everest wurde bereits erfolgreich gebügelt, als zwei Briten im Basislager auf 5400 m Höhe bügelten und die frische Wäsche dann zum Gipfel trugen. Water-Style bedeutet in oder auf dem Wasser. Selbst Unterwasserbügeln (mit Taucherausrüstung) ist eine Disziplin, obgleich es fraglich ist, ob ein vernünftiges Bügelresultat zu erzielen ist. Air-Style beschreibt Bügeln in Flugzeugen oder auf deren Tragflächen stehend, während Forrest-Style mitten im Wald unter strenger Beachtung des Umweltschutzes und im Einklang mit der Natur stattfindet. Für den Mannschaftssportler gibt es noch Synchronbügeln. Man kann also mit Recht behaupten, dass dies eine extrem vielseitige Extremsportart ist. Internationale Wettkämpfe gibt es auch, wie z.B. 2003 die Rowenta Trophy. Mehr Infos zu diesem faszinierenden Sport gibt es bei der German Extreme Ironing Section (GEIS).

2. Schachboxen

Sie suchen etwas was sowohl physisch als auch intellektuell anspruchsvoll ist ? In diesem Falle empfehle ich Schachboxen.

Diese Combo vereint zwei Sportarten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. (Ja, Schach zählt offiziell als Sport) Das Eine als relativ passive, mentale Herausforderung, das Andere als adrenalingeladene Muskelkraft pur.

Erdacht hat das ganze der französische Autor Enki Bilal in seinem 1992 erschienenen Buch „Froid Équateur“, in dem der Protagonist in einem solchen Wettkampf antritt. Inspiriert durch das Buch und den darauf basierenden Wu-Tang-Klan Song „Da Mystery of Chessboxing“ machte sich dann der niederländische Aktionskünstler Iepe Rubingh daran ein offizielle Regelwerk zu verfassen: Schachboxen hatte den Sprung in die Realität vollzogen.

Eine kurze Zusammenfassung der Regeln:

  • Der Kampf besteht aus sechs 4-minütigen Schachrunden, die von fünf 3-minütigen Boxrunden unterbrochen sind. Insgesamt also 11 Runden.
  • Gewonnen ist der Kampf wenn der Gegner entweder
    a) k.O. gehauen wird,
    b) Schachmatt gesetzt wird oder
    c) seine Anteilige Bedenkzeit von 12 Minuten im Schach überschreitet.
    Bei Aufgabe oder Abbruch durch den Ringrichter ist die Partie natürlich auch entschieden.
  • Sollte der Kampf vor Ablauf der Zeit nicht entschieden sein und die Partie Remis enden, entscheidet die Anzahl der Punkte beim Boxen. Kommt hier auch ein Remis heraus, gewinnt der schwarze Spieler.

Neben der Tatsache, dass man hier zwei Disziplinen gut beherrschen muss, kommt erschwerend dazu, dass man zwischen zwei Aktivitäten, die sehr unterschiedlich sind, nahezu nahtlos hin und her schalten muss. Mit Adrenalin aufgepumpt und mit dem Puls am Anschlag muß man sich ruhig und kühl kalkulierend ans Schachbrett setzen. Dies wird dadurch auch nicht einfacher, wenn man zwischenzeitlich ein Paar auf die Glocke gehauen gekriegt hat und die kognitiven Fähigkeiten bereits gelitten haben.

3. Bubble Fußball

Es fehlt noch eine Mannschaftssportart. Besonders populär ist in Deutschland ja Fußball. Nicht nur Bundesliga gucken, nein, auch gerne im Verein oder als teambildende Maßnahme in der Firma. Um dem Ganzen noch etwas extravaganten Pfiff zu verleihen, gibt es diverse Funsportarten auf Fußball Basis.

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Zum Beispiel Bubble-Fußball, eine Fusion zwischen Fußball und einer Vollkontakt Sportart. Die Spieler sind bis zur Hüfte eingepackt in eine Art riesigen Wasserball (ähnlich den Konstrukten, denen man auf Volksfesten unter dem Stichwort Zorbing begegnet) und tragen ein 7-minütiges Fußballmatch aus. Das Zeitlimit kommt daher, dass es in so einer Plastikkugel sehr schnell, sehr heiß und stickig wird. Die Ganzkörperluftpolsterung ermöglicht es nun, dass Rempeln und Schubsen nicht nur erlaubt, sondern geradezu erwünscht ist. Eine beliebte Strategie ist es daher, einen Teil der Mannschaft dazu abzustellen die gegnerische Mannschaft durch geschicktes Schubsen manövrierunfähig zu machen (sog. Bumpen), während die anderen Spieler den Ball ins Tor bugsieren.

4. Bogsnorkelling

Schnorcheln gehen ist eine beliebte sportliche Betätigung, wenn es in sonnigen Gefilden ans Meer geht. Im warmen Wasser schwimmen und die Faszination der (oberflächennahen) Unterwasserwelt genießen. Wer jedoch die lange Anreise scheut, kann dies auch in Nordeuropa tun. Ich präsentiere: Bogsnorkelling, zu deutsch Sumpfschnorcheln. Bewaffnet mit einer Schnorchelgarnitur und Schwimmflossen geht es in den Sumpf, den es nur mit Hilfe der Schwimmflossen (keine Schwimmbewegungen mit den Armen) zu durchqueren gilt. Das ganze erfolgt natürlich auf Zeit über eine Strecke von 60 Metern.

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Diese Schlammschlacht hat der Waliser Gordon Green aus dem Dörfchen Llanwrtyd Wells erdacht, um mehr internationale Aufmerksamkeit auf sein Dorf zu ziehen, was ihm wohl gelungen ist, da seit 1985 dort regelmäßig Weltmeisterschaft in dieser Sportart abgehalten werden.

Doch der Mensch neigt ja zu Extremen. Kaum hat Einer vorgelegt, kommt ein Anderer, der die Leistung noch übertreffen will. Dem entsprechend gibt es jetzt auch Mountainbike Bog Snorkelling. Hier wird der 1,90 m tiefe Sumpf mit einem Mountainbike, dessen Rahmen mit Blei gefüllt wurde, durchfahren. 2 mal !

Da muss man schon ein ziemlicher Gemütsmensch sein, wenn man sich bis zur Nasenspitze in einem müffelnden Sumpf sitzend auf einem Fahrrad gegen Wasser und Schlamm abstrampelt.

Der Kreativität des Menschen sind keine Grenzen gesetzt, wie man hier mal wieder sieht. Aus purer Neugier ob der Machbarkeit eines verrückten Unterfangens und mitunter vielleicht auch befeuert durch den Genuss des einen oder anderen Glas Alkohol sind wohl schon so einige Funsportarten mit Hang zum Extremen erdacht worden. Da es noch eine Vielzahl anderer erwähnenswerter „Sportarten“ gibt, soll dies also nicht der letzte Beitrag zu diesem Thema gewesen sein. Stay tuned…